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Fahrtipps

Fahrtipps für den Winter

Foto: dpa 9 Bilder

Dass sich mit veränderten Witterungsbedingungen und Temperaturen auch das Verhalten des Autos in manchen Fahrsituationen stark verändert, wird von vielen Autofahrern unterschätzt.

22.10.2008

Fahrweise anpassen: Im Herbst wird es glatt

Eine Fahrbahn mit nassem Laub sieht zwar nicht so gefährlich aus wie etwa eine vereiste oder verschneite Straße, sorgt jedoch für vergleichbare Glätte, und der Grip der Reifen lässt deutlich nach. Mit dramatischen Folgen: Der Bremsweg kann sich auf rutschigem Untergrund verzehnfachen. Auf laubbedeckten Landstraßen ist vor allem in Kurven Vorsicht geboten. Ruckartige Lenk-, Beschleunigungs- oder Bremsmanöver sollten tunlichst vermieden werden. Bereits im Herbst ist es zudem sinnvoll, die Winterreifen aufzuziehen, denn nicht nur auf Schnee und im tiefen Winter haben sie klare Vorteile. Schon bei niedrigen Temperaturen über null Grad ist der Grip von Winterreifen besser als der von Sommerpneus.

Bremsen: Auf dem Pedal bleiben und lenken

Generell könnten viele Auffahrunfälle vermieden werden, wenn die Autofahrer nur kräftig genug aufs Pedal treten würden, um die größtmögliche Bremswirkung zu erzielen. Auf Schnee ist es bei modernen Autos, die heutzutage fast ausnahmslos mit einem Antiblockiersystem (ABS) ausgestattet sind, sogar möglich, das Fahrzeug selbst während des Bremsvorgangs zu lenken. Man sollte also auch auf glatter Fahrbahn das Bremspedal so fest wie möglich gedrückt halten, damit das ABS überhaupt erst zu regeln beginnt – und gleichzeitig durch Lenkbewegungen eventuellen Hindernissen ausweichen. Autofahrer sollten sich allerdings keineswegs darauf verlassen, dass mit dem elektronischen Helfer und dem Stabilitätsprogramm ESP die Physik überlistet werden kann. Lediglich bei niedrigen Geschwindigkeiten kann der Bremsweg mit ABS kürzer sein. Der Vorteil besteht aber darin, dass der Wagen lenkbar bleibt und nicht stur geradeaus rutscht. Das Ganze funktioniert allerdings nur in Verbindung mit Winterreifen und ausreichend Profiltiefe.

Wenn das Auto auf Schnee untersteuert

Wenn der Wagen beginnt, über die Vorderräder zu schieben, helfen weder Gasfuß noch Gegenlenken. Dann heißt es: Fuß vom Gas nehmen und auskuppeln, damit die Räder erst mal wieder Grip bekommen. Auch danach sind ruckartige Lenkbewegungen die falsche Reaktion, sonst ist der Grip gleich wieder weg. Richtig ist, lediglich eine Handbreit einzulenken und so zu versuchen, zurück auf die Ideallinie zu kommen – wenn es dann nicht schon zu spät ist. Man darf die unterschiedlichen Bedingungen nicht unterschätzen: Während die Reifen bei trockener Fahrbahn hohe Seitenführungskräfte übertragen können, kommt man im Schnee bei hoher Geschwindigkeit schnell von der Straße ab. Also rechtzeitig Fuß vom Gas.

Lastwechsel: Fehler führen oft zu Unfällen

Eine häufige Ursache für schwere Unfälle sind Fehlreaktionen beim Lastwechsel. Man hat es gerade noch geschafft, das zur einen Seite ausgebrochene Auto mit beherztem Gegenlenken abzufangen, da schwingt das Heck des Fahrzeugs zurück. Leider nicht wieder in die gewünschte Mittelposition, sondern darüber hinaus. Das Heck bricht erneut aus, aber diesmal zur anderen Seite. Oft kann das so aufgeschaukelte Fahrzeug nicht mehr wieder eingefangen werden. Problem dabei: Das Heck bricht beim ersten Mal in der Regel zur Außenseite einer Kurve aus, die Konterreaktion sorgt dann dafür, dass der Wagen auf die Gegenspur geschleudert wird − oft mit fatalen Folgen. Es ist deshalb beim Gegenlenken ganz wichtig, dass dies nicht zu hektisch und stark ausfällt, damit das Heck nicht zu weit zurückschwingt. Am besten ist, bei einem Fahrertraining Kräfte und Wirkung selbst zu spüren, damit man lernt, richtig dosiert gegenzulenken. Bei Autos mit elektronischem Stabilitätsprogramm (ESP) unterdrückt die Elektronik ein Ausbrechen des Hecks.

Die richtige Reaktion beim Übersteuern

Wie oben schon angesprochen, sollte bei einem Übersteuern des Autos das Gegenlenken nicht zu hektisch erfolgen. Gleichzeitig sollte man wie beim Untersteuern auskuppeln und vom Gas gehen. Der Versuch, mit Gegenlenken und einem Gasstoß die Kurve noch mit schleuderndem Heck zu bewältigen, ist keine vernünftige Alternative. Es ist äußerst riskant, erfordert selbst bei geringen Geschwindigkeiten viel Übung und wird bei Fahrzeugen mit ESP von der Elektronik verhindert. Es ist nicht zuletzt deshalb fahrlässig, auf öffentlichen Straßen das ESP auszuschalten. Nur bei Bergauffahrten auf glattem Untergrund kann es je nach Modell Sinn machen, das ESP zu deaktivieren. Grund: Bei manchen Autos nimmt die Elektronik bereits bei nur ein wenig durchdrehenden Rädern aus Sicherheitsgründen die Leistung weg, und man kommt nicht mehr vom Fleck. Bergab sollte das ESP immer eingeschaltet sein. Auch sollte man sich nicht an der Geschwindigkeit des Vordermanns orientieren. Je nach Bereifung und Gewicht oder schon bei einem minimal anderen Lenkwinkel kann aus der gerade noch durchfahrenen Kurve ein Abflug von der Fahrbahn werden. Wer mit seinem Hecktriebler den Kick sucht und driften will, sollte dies ausschließlich auf abgesperrtem Gelände tun.

So fahren Sie richtig mit Schneeketten

Auf geschlossener Schneedecke bieten Ketten klare Vorteile bei der Traktion. Vorsicht: Mit Ketten hat man dennoch nicht unbedingt kürzere Bremswege. Montiert werden sie jeweils auf den Reifen der Antriebsachse. Das Anlegen der Kette sollte man vor der Fahrt in die Berge üben, sonst hängt man im Schnee fest und muss erst einmal die Montageanleitung studieren. Wichtig beim Fahren mit Ketten ist zunächst, nach etwa zehn Metern deren Sitz zu überprüfen und sie gegebenenfalls nachzuziehen. Ebenfalls wichtig: Nur die Antriebsräder haben Ketten, die andere Achse muss ohne die Traktionshilfe auskommen. Nicht zuletzt deshalb darf man mit Schneeketten nur 50 km/h schnell fahren. Sobald die Straße schneefrei ist, müssen die Helfer wieder runter.

Armin Schwarz - der Rallye-Profi

Armin Schwarz schloss sein erstes Profijahr 1987 gleich als Internationaler Deutscher Rallye-Meister ab. 1988 wiederholte er den Erfolg vor dem Aufstieg in die Weltmeisterschaft. Er ist nach Walter Röhrl der einzige Deutsche, der bei einem Weltmeisterschaftslauf siegte. 1996 wurde er Europameister. 2005 beendete Schwarz seine aktive Rallye-Laufbahn und fährt jetzt Offroad-Rennen.

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