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Faszination Ford Taurus

Die USA-Legende in der Mittelklasse

Faszination Ford Taurus Foto: press-inform 20 Bilder

Klobige Spritschlucker von mieser Qualität - diesen Ruf haben viele amerikanische Autos weg. Mit dem neuen Taurus beweist Ford das Gegenteil. Seit den 80er Jahren ist der Taurus in den USA eine Legende in der Mittelklasse.

08.11.2009 Powered by

Die Geschichte des Ford Taurus gleicht einem Wellental. Unter dem Strich konnte der Vorzeige-Ford die zum Start im Jahre 1986 in ihn gesteckten Hoffnungen nie ganz erfüllen. Beim rund 4,80 Meter langen Erstling hatte man kräftig nach Europa geschielt und versucht, die futuristischen Gene des 1983 gestarteten Audi 100 (Typ 44) auf einen US-Nenner zu bringen. Frontantrieb, ausgefeilte Aerodynamik und eine innovative Innenraumgestaltung hatten eine Reihe von Parallelen. Seinen Kunden mutete der als Limousine und Kombiversion angebotene Taurus wie ein Raumschiff aus einer fernen Zukunftsgalaxie an.

Fords größter Hoffnungsträger ist der neue Taurus

„Built with Pride“ - gebaut mit Stolz: Wie zum Trotz prangt der Sticker der amerikanischen Autobauer-Gewerkschaft UAW auf der Seitenscheibe des aktuellen Ford Taurus. Schließlich hatte die US-Autoindustrie in der letzten Zeit wenig Anlass, stolz auf sich zu sein. General Motors und Chrysler hat es in der Autokrise übel erwischt. Von den „Big Three“, den großen drei US-Autokonzernen, ist Ford als einziger noch einigermaßen glimpflich davongekommen. Fords größter Hoffnungsträger ist der neue Taurus (lateinisch für Stier). Als die Limousine 1986 erstmals auf den Markt kam, wurde sie zumindest von der amerikanischen Presse in einem Atemzug mit Audi 100 oder 5er BMW genannt.

Das Basismodell hatte neben einer Sparausstattung einen nicht einmal 90 PS starken Vierzylinder. Der drei Liter große Sechszylinder der Top-Version leistete immerhin 142 PS. Beim US-Publikum kam der Taurus damals gut an: In sechs Produktionsjahren wurden knapp zwei Millionen Fahrzeuge verkauft, Anfang der 90er Jahre war der Ford Taurus die meistverkaufte Limousine auf dem nordamerikanischen Markt. Die folgenden Generationen des Wagens konnten nicht immer an den Erfolg anknüpfen. Mit der Qualität war es nicht zum Besten bestellt, zudem machten die erstarkten Konkurrenten aus Europa und Asien dem Taurus zu schaffen. Der Abstieg folgte mit der dritten Generation, die 1995 debütierte. Mit flacher Front, vier Rundaugen und einem wenig schmucken Heck verdarb es sich der Wagen mit seinen treuen Kunden, verlor viele an den Toyota Camry und andere japanische Konkurrenten.

Die etablierte Namensgebung des Ford Taurus setzte sich durch

An der zögerlichen Nachfrage änderte sich auch wenig, als der Taurus im Sommer 1998 einer leichten Modellpflege unterzogen wurde. Das Publikum begeisterte sich längst für Camry und Co und kehrte dem Taurus ebenso wie vielen anderen Modellen von Chrysler, Ford und General Motors den Rücken. Die Modellpflege, die den Taurus ab dem Jahrgang 2000 wieder etwas konventioneller dastehen ließ, sollte das gerade rücken. Doch die Modellpflege brachte allenfalls leichte Anerkennung - die Kunden hatten dem Taurus längst den Rücken gekehrt und beabsichtigten nicht, dies wieder rückgängig zu machen. 2005 wurde parallel der Ford Five Hundred aufgelegt, der den Taurus schließ ersetzte. So war nur noch der Five Hundred, der kraftvoller, dynamischer und europäischer daherkommen sollte, käuflich zu erwerben. Doch spätestens jetzt wussten die Kunden überhaupt nicht mehr, wohin es gehen sollte. Taurus-Modelle gab es noch für gewerbliche Kunden, die über den Flottenpool bei Ford einkaufen konnten. Angetrieben wurden die Modelle durchweg von Dreiliter-Sechszylindern mit 156 bzw. 203 PS. Nach der Modellpflege im Jahre 2008 verschwand der Name Five Hundred durch die starke Kundenkritik wieder und wurde durch die etablierte Namensgebung des Ford Taurus ersetzt.

Die Neuauflage des Taurus wurde radikal überarbeitet und soll nun alles besser machen. In Sachen Optik ist ihr schon mal ein imposanter Auftritt gewiss. Der Wagen wirkt bullig und kraftvoll und kaschiert geschickt seine Abmessungen. Denn auch wenn der Taurus in den USA als obere Mittelklasse läuft, erreicht er das Format einer S-Klasse: 5,15 Meter in der Länge und 2,17 Meter in der Breite lauten seine Maße. Damit ist der Taurus rund 40 Zentimeter länger als ein Mondeo. Entsprechend großzügig sind auch die Platzverhältnisse im aktuellen Ami-Kreuzer. Vorne wie hinten lebt es sich äußerst bequem. Der Rest des Platzes kommt dem Kofferraum zugute, der per Knopfdruck oder Schlüssel entriegelt wird. Satte 569 Liter stehen zur Verfügung, eine S-Klasse hat auch nicht mehr anzubieten.

Die Verarbeitungsqualität des Taurus hinterlässt einen positiven Eindruck. Vielleicht fasst sich nicht jeder Kunststoff so angenehm an wie bei Audi und Co., und die weiche konturlose Rücksitzbank macht den Fond-Passagieren bei Kurvenfahrten nicht viel Freude. Doch das Cockpit, das wie ein Kokon um die Passagiere herum gebaut ist, wirkt hochwertig, bietet gut erreichbare Instrumente und versprüht besonders nachts durch die indirekte Ambiente-Beleuchtung eine angenehme Atmosphäre. Von der Mittelkonsole könnten sich deutsche Premiummarken eine Scheibe abschneiden: Bequeme Armauflagen, riesige Staufächer und reichlich Becherhalter erleichtern den Alltag. Gestartet wird per Knopfdruck, die Feststellbremse wird allerdings per Pedal im Fußraum gelöst. Beim Tanken braucht man sich nicht die Finger schmutzig zu machen - der Tankstutzen verschließt und öffnet sich automatisch, wenn man die Zapfpistole ansetzt.

Gegen Aufpreis bietet der Amerikaner Extras wie Abstandstempomat und das von Fords Tochter Volvo bekannte System BLIS, das beim Spurwechsel vor Autos im toten Winkel warnt. Der Wagen hat außerdem das System SYNC an Bord, das Ford ab 2010 auch in Europa anbieten will. Wie bei ähnlichen Systemen anderer Hersteller lassen sich damit per Bluetooth-Verbindung oder USB-Buchse Handys, iPods oder sonstige Geräte mit dem Fahrzeug verbinden und komplett per Spracheingabe steuern. Auch Radio, Navigation oder die Klimaanlage kann man mit Sprachkommandos bedienen, was zumindest in der US-Version auch problemlos funktioniert.

Unter der Haube bleibt der Taurus typisch amerikanisch - Power ist angesagt. Schon der 3,5 Liter große V6 der Basisversion leistet 263 PS und liefert einen eindrucksvollen Schub. Beim Kickdown spurtet der frontgetriebene Wagen ohne Traktionsprobleme los, begleitet von einer kraftvollen Soundkulisse. Die Sechsgangautomatik schaltet weich und ruckfrei und hat einen manuellen Modus mit Schaltwippen am Lenkrad. Trotz der strengen Tempolimits in Nordamerika lernt man die Kraftreserven des Taurus schnell schätzen: Beim Spurwechsel und beim Einfädeln auf den mehrspurigen Schnellstraßen kann man im hektischen Verkehrsgetümmel die Power gut gebrauchen.

Trotz seiner Leistung ist der Taurus für das gemütliche Cruisen geradezu geboren. Die Geräuschdämmung ist ordentlich, der Fahrkomfort ebenfalls. In schnellen Kurven kann der deutlich untersteuernde Taurus mit Audi, BMW  und Co. nicht ganz mithalten, doch mit seinem straffen Fahrwerk und kräftigen Bremsen ist er meilenweit entfernt vom Bild des schwammigen Ami-Cruisers, der nur zum Geradeausfahren taugt.

Das eher gemütliche Fahren auf breiten geraden Highways und Freeways begünstigt den Spritverbrauch - und sorgt auch dafür, dass die Herstellerangaben amerikanischer Autos oft näher an der Realität liegen als hierzulande. Ford gibt für den Taurus einen Durchschnittsverbrauch von rund 13 Litern im Stadtverkehr und knapp 8,5 Litern auf dem Highway an. In der Praxis gibt sich der Wagen mit 9 Litern auf der Autobahn und 11 bis 12 Litern in der Stadt zufrieden.

Nach Europa wird der Taurus nicht kommen, schließlich ist dort der Mondeo für die Mittelklasse zuständig. In den USA kostet das Basismodell Taurus SE rund 25.000 Dollar, umgerechnet keine 17.000 Euro. Auch wenn in diesem Preis die je nach Bundesstaat unterschiedlichen Steuern und Gebühren noch nicht enthalten sind, kann man in Europa von solchen Preisen in der oberen Mittelklasse nur träumen. Selbst das Top-Modell Taurus SHO mit Allradantrieb, 365 PS starkem V6-Motor und Volllederausstattung bringt es umgerechnet nur auf rund 25.400 Euro.

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