Faszination Icon Motors: Kernige Offroader für Träumer

11/2011 Icon Motors Reportage Grundhoff

In einem wenig ansehnlichen Gewerbegebiet in Van Nuys, ein paar Meilen nördlich von Los Angeles, baut John Ward die coolsten Geländewagen der USA. Seine neu interpretierten Icon-Kreationen auf Basis von Toyota Land Cruiser, Jeep CJ und Ford Bronco sind Spielzeuge für Männer, die schon alles haben – und noch mehr wollen.

"Ich hasse Autolackierungen", leitet John Ward, Firmeninhaber von Icon Motors ungewöhnlich ein, "deshalb bekommen meine Autos alle eine spezielle Pulverbeschichtung. Bei uns wird nichts lackiert – gar nichts." Der dunkelgraue FJ-Viertürer war einmal ein herunter gerittener Toyota Land Cruiser in verblichenem beige – dem automobilen Tode geweiht. In monatelanger Arbeit wurde aus dem Alltagsallradler ein einzigartiges Spielmobil für die wohl betuchte Freizeitgestaltung im Gelände oder auf der Straße. Vom alten Land Cruiser Baujahr 1988 blieben gerade einmal das Typenschild mit Fahrgestellnummer, die aufgemöbelte Spritzwand und ein paar aufpolierte Schrauben. Der Rest des Autos ist nagelneu – vom Leiterrahmen über Achsen, Antrieb bis hin zur Karosserie.

Matte Pulverbeschichtung und kräftige V8

Doch außer den gleißend hellen LED-Augen, die die alten Halogen-Funzeln abgelöst haben, funkelt und blitzt am Icon Land Cruiser nichts. John Ward mag es lieber auf die matte Tour. Die Handvoll Fahrzeuge, die gerade in seiner Werkstatt stehen, wollen auffallen, aber nicht glänzen. Egal ob gelb, grau oder schwarz – die Fahrzeuge sind pulverbeschichtet. Innen gibt es Instrumente im Bell-&-Ross-Style, Sitze mit strapazierfähigen Kunstfaserbezügen oder Sitzschalen, dazu massiv ausgefräste Aluminiumschalter am planen Armaturenbrett. Weniger ist mehr. Wer will, bekommt mit Bitten und Betteln Komfort-Schnick-Schnack wie elektrisch ausfahrbare Trittbretter, von der US-Army getestete Nachtsichtgeräte oder ein Hightech-Soundsystem. "Ich will historische Autos einfach in einem anderen, modernen Umfeld präsentieren", erklärt Car-Guy John Ward, "das bieten eben nicht viele. Und was ist klassischer als ein Land Cruiser? Der ist eine echte Ikone."
 
Die meisten Modelle fahren ohne Soundanlage hinaus auf die Oxnard Street. Denn die lieferbaren Triebwerke lassen Fans amerikanischer Motorbaukunst mit der Zunge schnalzen. Die schwächlichen Toyota-Antriebe haben in die Neukreationen keinen Platz. John Ward: "Normalerweise werden  unsere Icon-Modelle von einem 5,3 Liter großen Corvette-V8-Triebwerk angetrieben. Der leistet 350 PS. Wer unbedingt will, kann auch einen größeren V8 mit bis zu 520 PS oder eine Getriebeautomatik bekommen. Diese Power lässt sich aber kaum auf die Straße bringen – trotz 4x4-Antrieb und Spezialachsen." Da immer mehr Fahrzeuge ins Ausland gehen, hat Icon Motors auch ein Dieseltriebwerk im Programm. "Ich hätte gerne diesen tollen Sechszylinder-Diesel von BMW", schwärmt Ward, "doch die verkaufen ihn nur unter strengen Auflagen und mit teuren Nebenaggregaten. Daher bieten wir aktuell nur einen Vierzylinder-Diesel aus dem VW Jetta an. Die 140 PS reißen natürlich nicht viel."

Viel Handarbeit treibt die Lieferzeiten hoch

115.000 bis 190.000 Euro kostet der Spaß, sich einen Icon Land Cruiser, einen historischen CJ  oder einen Icon Bronco zu gönnen. Die Fahrzeuge sind technisch durchweg deutlich besser als die Originale. Verdeckstoffe, Persenninghülsen oder Motorklemmen lässt Icon Motors eigens aus Deutschland einfliegen. Spezialfirmen für Jets nehmen sich Details wie Sonnenblenden oder Kunststoffscheiben an. Der Rest ist pure Handarbeit. Bleibt das Problem der langen Bauzeit. "Um ein Auto wie einen alten Land Cruiser zu einem neuen Icon zu machen, brauchen wir rund acht Monate", grämt sich Ward, "viele unserer Kunden wollen sich aber nicht gedulden. Wenn sie hören, wie lange sie warten müssen, legen sie einfach auf."
 
Zumindest eine leichte Abhilfe scheint in Sicht. Noch im November zieht Icon Motors von der jetzigen Filiale in der wenig ansehnlichen Oxnard Street in Van Nuys im Norden von L.A. ein paar Blöcke weiter. "Dort haben wir doppelt so viel Fläche und können die Fahrzeuge in vier bis sechs Monaten fertigstellen. Immerhin etwas. Derzeit schaffen wir pro Jahr gerade einmal 20 Autos", sagt John Ward und bollert mit seinem gerade fertiggestellten Icon Bronco mit lautem V8-Gebrüll los. Der Auspuff hätte bei einer Abnahme in Deutschland schon durch einen zerberstenden Phonmesser schlechte Chancen für eine Zulassung. Acht der derzeit 20 Mitarbeiter sind aktuell in der Produktion tätig. Nach dem Umzug soll auch hier aufgestockt werden. Die Kundennachfrage nach den ungewöhnlichen Retromobilen und der eingebauten 4x4-Abenteuerlust ist gigantisch.

Auch originale Land Cruiser im Programm

Wem die Icon-Modelle nicht originalgetreu genug sind, muss im gleichen Gebäude nur eine Tür weitergehen. Denn auch wenn das Herzblut von John Ward in die Icon-Modelle neuester Bauart fließt, hängt sein Herz nach wie vor auch an den alten Modellen. Seine zweite Firma TLC restauriert alte Toyota Land Cruiser – absolut original. Seit 20 Jahren gehört Ward damit zu den bekanntesten Land-Cruiser-Restaurateuren der Welt. "Vor ein paar Jahren hat die Toyota-Zentrale aus Japan sogar ein paar Fahrzeuge zu uns bringen lassen", erzählt der Amerikaner, "die haben wir für ein paar Museen aufwendig restauriert." Selbst der Toyota-Firmenchef war so zufrieden, dass er persönlich bei John Ward anrief, als es um die Ideen für den Lifestyle-Crossover FJ Cruiser ging: "Das war, als käme Gott persönlich in die Kirche."

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Stefan Grundhoff

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