Stretch-Limousinen: Robbi Williams setzt auf XXL-Limos

Stretch-Limousinen

Gerade erst heiratete Popstar Robbie Williams in seiner Villa in den Hollywood Hills. Klar, dass zu diesem Anlass Stretch-Limos zum Einsatz kamen. Überhaupt sind die XXL-Autos in den USA sehr beliebt. Nirgends auf der Welt gibt es mehr Stretch-Limousinen als hier.

Stretch-Limousinen gehören zu den Vereinigten Staaten von Amerika wie Hamburger, die Freiheitsstatue oder das Weiße Haus. Gerade erst heiratete Popstar Robbie Williams in seiner Villa in den Hollywood Hills. Freunde und Bekannte wurden aus verschiedenen Luxushotels mit Bussen zu der geheim gehaltenen Feier gebracht. Die Familienangehörigen von Williams und seiner Frau kamen stattdessen mit Stretch-Limousinen vorgefahren - typisch USA.

Stretch-Limos haben in den USA eine lange Tradition

Die Vereinigten Staaten sind seit den 70er Jahren das Land der Langversionen. Während in Europa schon eine Mercedes S-Klasse oder ein 7er BMW als Langversion ungewöhnlich sind, fallen die Limousinen von der Stange in New York, Los Angeles, Miami Beach oder Las Vegas niemanden auf. Wer etwas auf sich hält und posieren möchte, lässt sich in einer Stretch-Limousine zur Lokalität seiner Wahl chauffieren. Seit mehr als 30 Jahren ist der Begriff der Stretch-Limousine fest mit dem Modell Lincoln Towncar verbunden.
 
Die Bezeichnung Town Car im Hause Lincoln stammt aus den frühen 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Ähnlich den europäischen Landaulets war das amerikanische Town Car eine Karosserieform, bei der der Fahrer im Freien steuerte. Die Herrschaften saßen wohl gebettet in einem eigenen Fondabteil mit festem Dach und schwelgten in Modellen von Bentley, Mercedes, Duesenberg oder Lincoln in größtmöglichem Luxus.

Lincoln Town Car debütierte in den 60ern

Nach dem Krieg erlebte der Begriff "Town Car" seine Wiederauferstehung in den späten 60ern. Das ehemalige Topmodell Lincoln Continental war mit einer besonders edlen Ausstattung als Sondermodell auf den Markt gekommen und wurde mit dem Zusatz "Town Car" nach außen hin kenntlich gemacht. Doch erst Anfang der 70er Jahre wurde der Begriff Town Car zum Inbegriff des automobilen US-Luxus.

Elektrische Ledersitze, Klimaanlage, verlängerter Radstand und alle noch erdenklichen Extras bot die Stretch-Limousine Lincoln Continental in der Ausstattungsvariante Town Car bereits ab Werk und wurde so zur Luxuslimousine der Schönen und Erfolgreichen zwischen Detroit und Los Angeles. Hotels drehten Cadillac den Rücken und Banker in New York ließen sich fortan mit einem zumeist schwarz lackierten Lincoln zur Arbeit oder dem kurzen Lunch am Mittag fahren.

US-Präsident fuhr bis in die 90er-Jahre Lincoln-Limos

Die Automarke Lincoln, von Henry M. Leland und seinem Sohn Wilfried im Jahre 1917 gegründet, ging 1922 in die Ford Motor Company über. Bis Anfang der 90er Jahre wurde unter anderem der jeweilige amerikanische Präsident mit entsprechend gepanzerten Sonderversionen aus dem Hause Lincoln chauffiert. Mittlerweile setzt das Weiße Haus zumeist auf Produkte aus dem General-Motors-Konzern. An Klientel und Anspruch des Lincoln hat sich in den letzten 25 Jahren kaum etwas geändert. Noch immer ist die Stretch-Limousine Town Car - zusammen mit ihrem Gegenüber Cadillac DTS - die exklusivste und luxuriöseste Möglichkeit, ein Fahrzeug aus amerikanischer Produktion zu fahren.

Nicht nur in Europa kennen viele den Lincoln Town Car als weiße oder schwarze Stretch-Version, doch bereits das Standardmodell gehört zu den längsten Versuchungen auf dem Markt der Serienfahrzeuge. Schon das Basismodell ist mit 5,47 Metern Gesamtlänge ein gutes Schullineal länger als Mercedes S-Klasse, Audi A8 oder 7er BMW - jeweils als Langversion. Betrachtet man den Markt der Stretch-Limousinen in den USA, so sind mehr als 70 Prozent Town Cars. Unter den US-Luxuslimousinen haben sie einen noch höheren Marktanteil. Ein Blick in die Werkshallen von Krystal Coaches in Brea, nahe Los Angeles, unterstreicht das nur.

Hummer H2 als Stretch-Limousine

Der Karosserie-Spezialist ist einer der größten Hersteller von Stretch-Limousinen. Die meisten Fahrzeuge auf den verschiedenen Produktionslinien sind dunkle Lincoln Continental Town Cars. "Das macht bei uns rund 70 Prozent aus", berichtet John MacKinney von Krystal Coaches, "daneben verkaufen wir vor allem unseren langen Hummer H2. Die lassen sich am einfachsten verlängern."

Weitere Modelle sind der Chrysler 300 C, der Cadillac DTS oder der Cadillac Escalade. John MacKinney: "Etwa 40 Prozent unserer Limousinen gehen in den Export. Aber in Europa bekommen wir keine Fahrzeuge mehr zugelassen, in denen man längs zur Fahrtrichtung sitzt, und in Amerika hat uns die Wirtschaftskrise einen Strich durch die Rechnung gemacht."

Junggesellenabschied XXL

Ehemals produzierte und verkaufte Krystal Coaches pro Jahr weit mehr als 1.000 Fahrzeuge. Doch der Absatz brach 2008/2009 ein und erst langsam kommt der Markt wieder auf die Beine. Von den ehemals über 700 Angestellten bei Krystal Coaches sind nur noch gut 250 geblieben. Aktuell produziert der Karosserie-Spezialist in der Nähe von Los Angeles 50 Fahrzeuge pro Monat. Die sind dann vor den Hotels auf dem Las Vegas Strip oder im asiatischen Spielerparadies Macao zu bestaunen.

Die Limousinenservices als Kunden von Krystal Coaches und Co. haben alle Hände voll zu tun. Auch in Hamburg, Berlin oder München wollen immer mehr Leute ihren Junggesellinnenabschied, die Hochzeit oder die Geburtstagsfeier mit einer Tour in einer Stretch-Limousine beginnen. Der Wettbewerb unter den Herstellern von Langversionen ist hart. Um Kosten zu sparen, produzieren viele mittlerweile daher im Billiglohnland Mexiko und bringen die Fahrzeuge später wieder zurück in die USA von wo aus sie in die ganze Welt verschifft werden.

Stretch-Umbau kostet rund 100.000 Dollar

Möglichst günstig produzieren heißt auch, dass extravagante Modelle eher selten zu finden sind. Den größten Teil des Umsatzes machen bei Krystal Coaches Standardmodelle mit Verlängerungen zwischen zwei und fünf Metern. Der Umbau eines Lincoln Town Car von den serienmäßigen 5,47 Metern auf eine Gesamtlänge von knapp zehn Metern kostet rund 100.000 Dollar. Im Innern gibt es dann bis zu zehn Sitzplätze, ein bis zwei Bordbars, schrille Beleuchtungsanlagen, Spiegel und eine kaum nachzuvollziehende Anzahl von Fachbildschirmen, auf denen Filme oder Musikvideos laufen.

Der Umbau zur Stretch-Limousine dauert ein paar Wochen – je nach Auftragslage und Sonderwünschen. Die Arbeit ist immer gleich. Das Auto wird "leer" gemacht und dann hinter den Frontsitzen in zwei Teile geschnitten. Mit Stahlträgern und Blechteilen werden Rahmen und  Karosserie auf die gewünschte Dimension  verlängert und wieder geschlossen. Erst dann wird die Innenausstattung nach den Wünschen des Kunden kreiert. Reifen, Fahrwerk und Bremsanlage werden den neuen Anforderungen angepasst. "Am Motor machen wir jedoch nichts. Die Kraft reicht für den normalen Betrieb allemal aus", erklärt John MacKinney, "zum Rasen sind die Riesen nicht gemacht." Eben – es geht ums Posen.

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Stefan Grundhoff

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