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Felix Baumgartner im Interview

"Ich fürchte mich vor keiner Aufgabe"

24h Rennen Nürburgring 2014 Felix Baumgartner Foto: S. Baldauf/R. Kah 19 Bilder

Felix Baumgartner wurde mit seinem Stratosphären-Sprung weltberühmt. Mit der Teilnahme am 24h-Rennen Nürburgring hat er sich eine neue Herausforderung gesucht. Wir haben mit ihm gesprochen.

20.06.2014 Bianca Leppert Powered by
Träumen Sie schon von der Nordschleife?

Komischerweise nicht. Ich habe darauf gewartet, dass ich davon träume. Es ist ein Thema, das mich sehr beschäftigt, aber nicht in meinen Träumen. Hier bleiben mir durch die gute Vorbereitung keine Fragen mehr offen. Von Red Bull Stratos habe ich interessanterweise danach auch nie mehr geträumt. Davor schon. Aber nach dem Sprung war es komplett erledigt und abgeschlossen im Kopf.

Sie wurden Schritt für Schritt an Ihre Teilnahme am 24h-Rennen herangeführt. Fühlen Sie sich bereit oder hätten Sie noch etwas Zeit gebraucht?

Mehr Training ist immer gut. Je mehr du trainierst, desto mehr lernst du. Aber mein Trainer Sepp Haider und ich haben uns ausreichend vorbereitet. Ich lerne auch gerne von älteren Menschen. Am meisten hat mir aber die Praxis bei den VLN-Läufen gebracht. Da sind 200 Fahrzeuge auf der Strecke, es ist eine ganz andere Aufgabenstellung – Rennen fahren ist die beste Übung. Wir haben die Dosis von Rennen zu Rennen gesteigert. Wenn es trocken bleibt, fühle ich mich wohl. Im Regen habe ich noch keine Runden absolviert – in der Eifel eigentlich eine kleine Sensation. Deshalb hoffe ich eher auf trockene Bedingungen.

Vor welchen Streckenabschnitten haben Sie am meisten Respekt?

Da gibt es einige. Dazu gehören vor allem die Hochgeschwindigkeitsabschnitte. Zum Beispiel Fuchsröhre, Antoniusbrücke, Tiergarten, großer Sprunghügel. Die machen mir aber gleichzeitig auch am meisten Spaß. Dort muss man die Arschbacken zusammenkneifen. Es hat etwas gedauert am Anfang, weil man nicht glaubt, dass es geht. Man weiß es zwar, aber du lupfst immer wieder das Gas. Und dann schaust du die Videoanalysen der anderen Fahrer an und siehst, dass es möglich ist. Man hat so eine hohe Geschwindigkeit und kommt mit 270 km/h an, neben der Leitplanke ist nur Wald und es gibt keine Auslaufzone. Da geht es schon ans Eingemachte, Fehler sind nicht erlaubt.

Welchen Stellenwert hatte die Videoanalyse bei Ihrer Vorbereitung?

Zwischen dem dritten und vierten VLN-Rennen bin ich keinen Meter gefahren und habe mir nur Videos angeschaut. Ich war 20 Sekunden schneller. Das ist sehr viel. Ich habe mir die Linie meines Teamkollegen Pierre Kaffer angeschaut. Er lässt das Auto oft rollen. Wo ich vom Gas runtergehe und bremse, geht Pierre nur vom Gas runter. Das hat den Vorteil, dass das Auto in der Aero-Balance bleibt. Beim Bremsen nickt es und du bist nicht mehr in diesem Fenster. Das habe ich versucht einzubringen und umzusetzen. Es hat viel Zeit gebracht.

Wenn Sie die Vorbereitung auf dieses Abenteuer mit Ihren anderen Herausforderungen als Extremsportler vergleichen, wo gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede?

Das lässt sich sehr gut vergleichen. Denn Dinge, die du lernen musst, eignest du dir immer nach dem gleichen Prinzip an. Wenn du in der Schule aufmerksam bist und etwas lernen willst, dann kann man sich in einer sehr kurzen Zeit sehr viel Wissen aneignen. Ich bin Berufs-Helikopterpilot und am Anfang denkst du auch, wie soll ich dieses Ding jemals alleine fliegen? Du brauchst gute Leute und ein gewisses Grund-Handwerkszeug. Bei meinem ersten Test ging es auch darum, meinen Trainer Sepp Haider das beurteilen zu lassen. Die Basis war vorhanden und den Rest hat man mir beigebracht. Wenn du aufmerksam zuhörst, kannst du alles erlernen. Das war auch bei Red Bull Stratos so. Ich habe mich mit dem Thema sehr viel beschäftigt und bin da reingewachsen. Deshalb fürchte ich mich auch im Prinzip vor keiner Aufgabe, denn es funktioniert immer nach dem gleichen Schema.

Es klingt, als wären Sie auf den Geschmack gekommen. Ist das Thema Motorsport mit dem 24h-Rennen für Sie abgehakt oder wollen Sie weiter dranbleiben?

Ich würde gerne weitermachen, es wäre schade, wenn wir jetzt aufhören. Wir haben uns ein gewisses Grundsetup erarbeitet und bis zum heutigen Tag ist jeder happy. Fahrerisch haben wir uns sehr gut weiterentwickelt. Wo genau die Reise hingeht, weiß ich noch nicht. Aber von meiner Seite ist auf alle Fälle die Bereitschaft da.
 

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