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Ferrari 250 LM von Pop-Star unterm Hammer

Ferrari im Porsche-Kleid soll 12,5 Mio. bringen

RM Auctions, Scottsdale Arizona: 1964 Ferrari 250 LM Foto: Darin Schnabel ©2015 Courtesy of RM Auctions 26 Bilder

2015 dreht sich das Millionen-Roulette weiter. Ein Ferrari 250 LM soll gleich im Januar in Scottsdale eine neue Bestmarke setzen: Der Schätzwert wird zwischen 9,5 und 12,5 Millionen US-Dollar angegeben.

13.01.2015 Dirk Johae Powered by

Nummer 9 von 32 gefertigten Ferrari 250 LM

Nur 32 Autos baute Ferrari vom Typ 250 LM: Der ist damit noch seltener als einer der legendären GTO. Den am 16.1.2015 vom Auktionshaus RM im US-Bundesstaat Arizona angebotene 250 LM baute Ferrari als neuntes Exemplar seiner Kleinstserie und verkaufte es im Juni 1964 an den Schweizer Privatrennstall von Georges Filipinetti in Genf. Gleich bei den ersten Einsätzen waren die Werksfahrer Lodovico Scarfiotti und Nino Vaccarella mit dem 320 PS starken Mittelmotorauto erfolgreich.

Genau 64 200 Schweizer Franken zahlte die Ecurie Filipinetti für den Edelrenner aus Modena mit der Chassisnummer 5899. Von der Auslieferungsrechnung an den Erstbesitzer, die laut handschriftlichem Vermerk am 24. Juni bezahlt wurde, über die Renngeschichte bis zum heutigen Schweizer Eigner ist die Geschichte dieses 250 LM lückenlos dokumentiert. Dazu gehören wie bei vielen anderen Rennfahrzeugen auch Schicksalsschläge.

Porsche 906-Karosserie über gekürztem Ferrari-Chassis

Der zweite Besitzer, ein Architekt und Hobbyrennfahrer aus Zürich, hatte mit dem Ferrari beim Bergrennen am Engelsberg 1965 einen Unfall. Bei einem Überschlag wurde die Aluminiumkarosserie stark beschädigt. Der Schweizer Hans Illlert, der den Ferrari als Unfall-Wagen kaufte, sparte sich aber die sündhaft teure Reparatur der Leichtmetall-Hülle und passte stattdessen einen Kunststoffaufbau des gerade neuen Porsche 906 auf das verkürzte Ferrari-Fahrgestell.

Der Rennfahrer aus dem Schweizer Örtchen Feldmeilen setzte den Ferrari im Porsche-Kleid ab August 1966 als „Illert LM-P“ ein. In dieser Form hatte der 250 LM mit dem V12-Motor eine lange Renngeschichte, die sich über vier Saisons erstreckte. Berg-Europameister Heini Walter, Herbert Müller und der spätere Porsche-Rennleiter Rico Steinemann saßen unter anderem am Steuer. Bei einem Unfall Anfang 1970 wurde die Kunststoffhaut des Carrera 6 erheblich beschädigt. Dann sollte es sieben Jahre dauern, bis der Ferrari restauriert wurde: Ein englischer Popstar sorgte ab 1977 für die Wiederherstellung des seltenen 250 LM.

10cc-Sänger als Vorbesitzer: Dreadlock Holidays meets Ferrari

Eric Stewart der Band 10CC arbeitete gerade am neuen Hit „Dreadlock Holidays“, als er den Ferrari kaufte und über einen englischen Restaurierer beim Kundenservice des Werks in Modena eine neue, originalgetreue Alu-Karosserie für das Chassis 5899 bestellte. Gut vier Jahre nahmen die Arbeiten in Anspruch, bis Stewart in Goodwood eine Testfahrt mit seinem fertigen roten Mittelmotor-Renner unternehmen konnte.

Kurz darauf verkaufte er das fertige Prachtstück. Dieser Ferrari 250 LM gehörte in der Folge mehreren Sammlern, ehe 1997 Federico della Noce und Andrè Lara Resende Chassis 5899 erwarben. Sie ließen den 250 LM erneut restaurieren und Della Noce startete mit dem Rennsportwagen regelmäßig bei historischen Rennen wie zum Beispiel bei Läufen der Shell Historic Ferrari Maserati Challenge. Für den 250 LM, der über den ursprünglich eingebauten Motor verfügt, stellte Ferrari Classiche 2005 ihr Zertifikat aus, das die Authentizität dieses 250 LM bescheinigt. Das Auto war außerdem in der Galleria Ferrari ausgestellt.

Enzos Ferraris Wutausbruch

Für den 250 LM, Enzo Ferraris erster Straßenwagen mit Mittelmotor, brach der Firmenchef mit der herkömmlichen Namensgebung seiner Autos: Da der Zwölfzylinder über einen Hubraum von 3285 Kubikzentimetern verfügte, hätte der 250 LM nach dem Volumen eines einzelnen Zylinders eigentlich „275 LM“ heißen müssen. Aber die Zahl 250 war mit Kalkül gewählt. Ferrari drängte bei der Homologation darauf, das Modell als Evolution des 250 GTO anzuerkennen. Damit hätte der 250 LM als GT in der Internationalen Markenmeisterschaft im Kampf gegen den Porsche punkten können.

Aber der Plan des Commendatore scheiterte, wofür er dem italienischen Automobilsportverband die Schuld gab. Er schäumte so vor Wut, dass er den Formel-1-Wagen von John Surtees bei den letzten beiden Weltmeisterschaftsläufen 1964 von Rot in der US-Rennfarbe Weiß mit blauen Streifen umlackieren und unter der Bewerbung seines US-Importeurs N.A.R.T. (North American Racing Team) antreten ließ. Zumindest sportlich gab es ein Happy-End: Surtees errang die Weltmeisterschaft in der Königsklasse und Ferrari verteidigte außerdem bei den GTs die Markenmeisterschaft – übrigens auch im Jahr darauf trotz noch größerer Anstrengungen des Erzrivalen Ford.

Ferraris letzter Le Mans-Sieger

Auch beim wichtigsten Sportwagenrennen des Jahres, dem 24-Stunden-Rennen von Le Mans, konnte Ferrari dank des als Sportwagen-Prototyp eingestuften 250 LM feiern: Vor 50 Jahren sorgten das US-Team N.A.R.T. von Luigi Chinetti sowie die Belgier Pierre Dumay und Gustave Gosselin in jeweils einem der insgesamt 32 gebauten Mittelmotor-Renner für einen Doppelsieg. Dieser sechste Erfolg der Marke in Folge und neunte insgesamt ist bis heute der letzte Le-Mans-Gesamtsieg von Ferrari. Den erfolgreichen 250 LM von N.A.R.T. fuhren Masten Gregory und der damals erst 23 Jahre alte Nachwuchsfahrer Jochen Rindt.

Diese Modell-Geschichte schwingt mit, wenn am Freitag im noblen Arizona Biltmore Resort&Spa das Los 250 aufgerufen wird. Im Auktionsrennen haben Autos der Marke Ferrari weiterhin die Nase vorn. Der Ferrari 250 LM mit der Chassisnummer 5899 könnte gleich in den ersten Tagen des neuen Auktions-Jahres für einen neuen Millionengewinn sorgen. Unter den insgesamt 120 Autos im Angebot der zweitägigen RM-Auktion werden allein 21 Ferrari versteigert.

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