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Ferrari 308 GTS

Ich und mein Magnum

Foto: Hardy Mutschler 13 Bilder

Wir streifen das Hawaiihemd über, tragen zu enge Shorts, kleben den Schnauzer an - für den Ferrari 308 GTS aus der TV-Serie "Magnum".

13.01.2007 Sebastian Renz Powered by

Ich weiß, was Sie denken, und Sie haben Recht: Ich bin nicht Magnum. Da ändern auch der angeklebte Schnauzer, das geschmacklose Hawaiihemd und die Shorts nichts. Das kleidet zwar sehr Magnum-like, aber ich sehe damit nicht wie Tom Selleck aus, sondern wie ein drittklassiger Schauspieler, der später einmal sagen muss, er sei eben jung gewesen und habe das Geld gebraucht.

Als wir Jungs in den frühen Neunzigern "Magnum" schauten, wussten wir, dass Tom Selleck einmal unter die Top Ten der Sexiest Men Alive gewählt wurde. Weil wir nicht bedachten, dass diese Wahl fast zehn Jahre her war, glaubten wir, mit dem ersten Oberlippenflaum und Shorts bei Mädchen großen Eindruck machen zu können. Konnten wir nicht. Magnum war nicht mehr sexy, und Tom Selleck taugte nicht mehr wirklich als Idol.

Er erzählte nämlich bald schlimmen Unfug darüber, wie überaus positiv charakterbildend sich der Umgang mit Handfeuerwaffen auf Jugendliche auswirke. Und dann triefte in fast jeder Folge noch das US-amerikanische Vietnam-Trauma ungefragt und sehr aufdringlich aus dem Fernseher.

Wir mochten Magnum - als Serie

Aber darüber schauten wir hinweg und beschlossen, dass wir Magnum als Serie mochten, Tom Sellecks Ansichten aber ziemlich daneben fanden. Selleck spielte von 1980 bis 1988 Thomas Sullivan Magnum III: einen Navy-Leutnant, der mit 33 seine Militärkarriere beendet und auf Hawaii Privatdetektiv wird.

Eigentlich ist er für die Sicherheit von Bestsellerautor Robin Masters zuständig, aber nur, wenn der auf seinem Anwesen weilt. Weil er das aber nie tut, sondern höchstens mal von einem Playboy-Trip aus Europa anruft, kann es sich Magnum im Gästehaus bequem machen.

Er hat viel Zeit - zum Paddeln und Schwimmen im Pazifik oder dem nur unwesentlich kleineren Swimming-Pool. Ab und zu nimmt er auch einen Fall an, wobei er bevorzugt junge Damen erst aus Bedrängnis und dann vor Einsamkeit rettet. Bei 110 Prozent seiner Klientinnen verzichtet Magnum auf sein Honorar, löst aber natürlich jedes Mal den Fall.

Stets helfen ihm dabei seine besten Freunde, Rick und TC. Die drei wurden - Vorsicht Trauma - durch die gemeinsamen Einsätze in Vietnam eng zusammengeschweißt. Rick managt nun den King Kamehameha-Club mit direktem und nützlichem Draht zur hawaiianischen Unterwelt. TC besitzt den Helicopter-Charterservice Island Hoppers.

Mit seinem braun-gelb-orangen Hubschrauber muss er aber meistens Magnum beistehen. Dann gibt es noch Jonathan Quayle Higgins III. Als penibler Verwalter des Masterschen Anwesens erträgt der Brite und frühere Soldat Magnums laxen Lebensstil und -wandel nur schwer.


Hat Magnum etwas ausgefressen, etwa den Ferrari 308 GTS ohne Erlaubnis geborgt, lässt ihn Higgins von seinen Dobermanns Zeus und Apollo stellen. Dabei ist der Ferrari doch Magnums Markenzeichen. Auf Colin Masters Zweitwagen, einen Audi 5000, Ricks Mercedes R107 oder TCs VW T3 greift Magnum deshalb nur dann zurück, wenn Higgins ihm die Ferrari-Schlüssel verwehrt oder wenn der GTS Schaden nehmen könnte.

Denn schon einen Kratzer würde Higgins sicher mit zwei Wochen Ferrari- und Tennisplatzverbot ahnden. So geht Magnum mit dem Spider immer sehr pfleglich um. Das klingt vernünftig, wenn man es mit einem offenen, zumal italienischen Sportwagen zu tun hat.

Dabei gibt sich der GTS ganz unprätentiös alltagstauglich. Allerdings muss man erst einmal in den niedrigen GTS reinkommen. Für Tom Selleck wurden Sitze und Lenksäule geändert, damit er überhaupt in den Sportwagen passte. Weil sein Kopf aber dennoch über den Scheibenrahmen hinausragte, fuhr er den GTS immer offen.

Der offene 308 macht einen sehr soliden Eindruck

Das empfiehlt sich beim Spider ohnehin, und hat auch dank des stabilen Gitterrohrramens keine nachteiligen Auswirkungen auf die Karosseriesteifigkeit. 60 Kilo schwerer als die Berlinetta, macht der offene 308 einen sehr soliden Eindruck. Mit der Ergonomie im Innenraum passt es nicht so ganz.

Das Lenkrad sitzt tief, Brems- und Gaspedal stehen so nah beieinander, dass sie sich selbst mit schmalen Schuhen nur selten separat bedienen lassen, die Nackenstützen der bequemen Ledersitze reichen nur bis zur Schulter. Direkt dahinter wohnt der Dreiliter-Vergaser-V8, der zahnlos sprotzelt, solange Öl und Wasser noch kalt sind. Zehn Kilometer dauert das auch im Sommer. Etwa so lange bockt auch das Getriebe und blockt trotz Doppelkupplungs- und Zwischengasakrobatik jeden Versuch ab, den zweiten Gang einzulegen.


Hat sich die ganze Maschinerie schließlich erwärmt, lässt sich der Schalthebel aber mit etwas Autorität durch die offene Kulisse führen, die Gänge rasten mit mechanischem Klacken sauber ein. Dann hat auch der V8 seinen Biss gefunden.

Die Vergasermaschinen der ersten 308-Jahrgänge drehen williger hoch und pressen mächtiger voran als die späteren 3,2- Liter-Einspritzer im GTSi. Bei niedrigen Touren rauchigröchelnd, giert der V8 nach höheren Drehzahlen, prustend bei 5.000, kreischend bei 7.000 Umdrehungen.

Wenn es sein muss, kann er auch noch manierlich durchziehen. Doch nicht nur wegen des grandiosen Motors, sondern auch wegen des kompetenten Fahrwerks muss Magnum bei Verfolgungsjagden keine Gegner fürchten. Durch Kurven räubert der 308 von seiner servolosen Lenkung zackig und präzise geführt bis in den Grenzbereich des Fahrers neutral.

Noch ein gutes Stück darüber liegt der Grenzbereich des GTS. Dort oben balanciert man mit dem 308 – der mal über-, mal untersteuert – auf einem schmalen Grat zwischen Crash und Glorie. Wenn es mal weniger brennt – auf dem Weg zum Bier mit Rick und TC zum Beispiel – bemüht sich der 308 im Rahmen seiner bescheidenen Federungsmöglichkeiten um annehmbaren Komfort.

Die Gefahr, dass der Fahrer dabei verwöhnt wird, besteht aber nie. Nicht schlimm, denn Magnum muss ja auch sonst einiges einstecken. Es gehört zu seinem guten Ruf, dass er sich mindestens ein Mal in jeder Folge, fast immer abends, ordentlich schlägert.

Meist schaut er danach sehr derangiert aus, und ein Hawaiihemd erliegt schweren Rissverletzungen. Im Gästehaus legt sich Magnum dann aufs Sofa und bekommt von seiner Mandantin einen liebevollen Eisbeutel auf die Stirn. Sie sagt dann irgendwas von wegen Das-tut-mir-so-Leid-ich-hätte-es-Ihnen-schon-viel-früher-sagen-müssen.

Magnum wird böse und knarzt, er werde den Fall niederlegen. Darauf weint die Mandantin. Magnum schaut bedröppelt, nimmt sie in den Arm und tröstet: "Nicht doch." Schnitt. In der nächsten Szene ist es Morgen, und als er zum Ferrari schlendert verrät Magnums breites Grinsen, dass er nicht auf dem Sofa übernachtet hat.

Dabei spricht er aus dem Off mit den Zuschauern: "Ich weiß, was Sie denken, und Sie haben Recht. Ich hätte den Fall niederlegen und Melinda nach Hause schicken sollen. Aber ich konnte sie doch nicht im Stich lassen." Dann steigt Magnum in den Spider und braust am Pazifik entlang. Es wäre wohl doch nicht schlecht, Magnum zu sein.

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