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Ferrari 365 GTB/4 bei Amelia Island-Auktion

Wer küsst den Dornröschen-Daytona wach?

Ferrari 365 GTB/4 Daytona Foto: Darin Schnabel © 2015 RM Auctions 59 Bilder

Ein echtes Märchen: Winterurlaub in Chamonix - Flug hat Verspätung - Kurztrip zum Autosalon Genf 1971 - Liebe auf den ersten Blick. Und dann eine Vierteljahrhundert-Dornröschenschlaf. Was das Ganze mit dem Ferrari Daytona zu tun hat? Die Auflösung gibt's hier.

21.02.2015 Kai Klauder Powered by

RM Auctions versteigert am 14. März 2015 im Rahmen des Amelia Island Concours d'Elegance zwei Ferrari 365 GTB/4 Daytona. Ein Coupé aus erster Hand im Originalzustand (Lot 196) und einen von 121 gebauten Daytona Spyder (Lot 183) in prämiertem Concours-Zustand werden angeboten. Bei der hochkarätigen Auktion kommen insgesamt rund 100 Automobile unter den Hammer.

Durch Flugverspätung zum Traumwagen

Die Geschichte des Ferrari Daytona Coupés beginnt 1971: Patrick Sinn ist auf der Rückreise nach Kanada. Der Geschäftsmann war im französischen Chamonix im Skiurlaub und will von Genf aus zurück in die nordamerikanische Heimat fliegen. Doch sein Flug nach Toronto hat Verspätung. Also denkt er sich "warum nutze ich nicht die Gelegenheit und fahre kurz zum Autosalon Genf, um mir ein paar neue Autos anzuschauen?", erinnert er sich rund 45 Jahre später.

Gedacht, getan. Patrick Sinn schlendert über die Messe, als er sich am Ferrari-Stand sofort verliebt. Dort stehen neben einem Dino 246 auch zwei 356 GTB/4, besser bekannt als Daytona. "Ich sah ihn zum ersten Mal, setzte mich hinein, umkreiste ihn eine Million Mal und sagte zu mir selbst: den will ich haben." Er fragte den Ferrari-Repräsentanten auf der Messe, wie er an solch einen Wagen komme. Als der ihm sagt, er möge doch bitte bei einem Händler den Daytona bestellen, antwortet Sinn nur "Nein, ich möchte nicht schon wieder warten" und handelt entschlossen.

Er cancelt seinen Rückflug, bucht um, fliegt nach Mailand, setzt sich in ein Mietauto - und fährt direkt ins Werk nach Maranello. Dort bestellt er bei Signore Boni, dem damaligen Chef-Verkäufer, seinen Ferrari 365 GTB/4 Daytona in einer Kombination aus Lack in "Rosso Rubino", einem Bordeauxrot, und zweifarbiger Lederpolsterung in Schwarz-Rot.

Überfahrt auf der Queen Elisabeth II. nach New York

Rund 18.000 Dollar plus einige Dollar für Ersatzteile kostet ihn sein Traumwagen, den er auch tatsächlich in Rekordzeit bekommt - er holt ihn direkt im Werk ab. Im Juli 1971 fliegt er nach Italien und nimmt in Maranello seinen Daytona in Empfang. Rund einen Monat reist Patrick Sinn in seinem Ferrari durch Europa und lässt den ersten Service im Werk erledigen, bevor er in Marseilles mit dem Sportwagen auf der Queen Elisabeth II einschifft, um nach New York überzusetzen.

Dort angekommen, fährt Sinn in seinem Ferrari 365 GTB/4 Daytona die rund 750 km in seine Heimatstadt Toronto. An der Grenze gibt es allerdings einige Schwierigkeiten. Denn wie soll man diesen Wagen, der laut den Grenzern einige Sicherheits- und Umweltauflagen nicht erfüllt, nach Kanada einführen? Nach langen Diskussionen und mit dem Hinweis, dass ein Einzelstück doch kaum Auswirkungen auf die Umwelt haben könne, schafft es Patrick Sinn mit Argumenten und Sonderzahlungen, dieses Problem zu lösen.

90.000 km in 18 Jahren - danach 25 Jahre nichts

Bis 1989 nutzt Sinn seinen Daytona recht häufig, rund 90.000 km kommen so zusammen. Doch 1989 stirbt sein Vater, und er muss die Familiengeschäfte in Asien fortführen. Aus geplanten Monaten werden schließlich 6 Jahre. Zum Glück hat Sinn vor seiner Abreise den Ferrari eingemottet - er stellt ihn in seiner Tiefgarage auf Böcke und bedeckt mit einer Plane.

Als er nach Toronto zurückkehrt, fährt Sinn allerdings lieber einen Mercedes 280 SL - und der Ferrari bleibt im Trockenen stehen. Die Jahre vergehen, und als er mal wieder nach seinem Traumwagen schaut - es ist mittlerweile 2014 geworden, erkennt er, dass nicht nur der Lack etwas verblasst ist, sondern auch seine Leidenschaft für den Daytona.

Darum heißt dieser Ferrari "Disco-Daytona"

Er denkt noch gerne an die vielen Ausfahrten mit dem Sportwagen zurück - oft hat er in dem 8-Spur-Radio die Cassette "Disco-Rock" gehört, das Tape steckt übrigens immer noch in dem Radio - und gibt Daytona #14385 nun einen seiner Spitznamen. Dornröschen und "Condo" sind weitere. Letzteres steht für "condominium parking garage", einen Stellplatz, der zu einer Eigentumswohnung gehört.

Patrick Sinn steht letztlich vor einer schwierigen Entscheidung: Entweder viel Geld in die Hand nehmen, um den Wagen seinen alten Glanz wiederzugeben, oder einen anderen Ferrari-Enthusiasten glücklich machen. Er realisiert, dass er nun 77 Jahre alt ist - und entscheidet sich für den Verkauf. Doch wie soll man solch einen Ferrari Daytona verkaufen? Patrick Sinn recherchiert und findet das kanadische Auktionshaus RM Auctions, nimmt den Hörer in Hand, und ruft einfach an. Dort war man natürlich sofort Feuer und Flamme für das Ersthandauto.

RM Auctions lässt Chassisnummer 14385 behutsam in fahrbereiten Zustand versetzen, doch das Auktionshaus gibt an, dass weitere Restaurierungsmaßnahmen nötig sind.

Die Geschichte von diesem Ferrari Daytona ist einzigartig, dürfte den US-amerikanischen Ferrari-Fans besonders gut gefallen - und für Höchstgebote sorgen. RM Auctions setzt das Estimate recht verhalten mit 600.000 bis 750.000 Dollar an. Da ist aber noch deutlich mehr drin.

Einer von 121 Ferrari Daytona Spyder

Eine ganz andere Historie besitzt dagegen der zweite Daytona, den RM Auctions bei der Amelia Island-Versteigerung anbietet. Hier geht das Auktionshaus selbstbewusst mit einem Estimate von 3 bis 3,5 Millionen Dollar ins Rennen. Die letzten Auktions-Ergebnisse für den bei Scaglietti nur 121-mal gebauten Ferrari Daytona Spyder lassen diesen hohen Preis allerdings realistisch erscheinen.

Bei dem angebotenen Exemplar handelt es sich um ein ebenso bekanntes, wie gefeiertes - und komplett restauriertes Exemplar. Der 1972er Ferrari 365 GTB/4 Daytona Spyder trägt die Chassis- und Motornummer 15417, bringt ein Ferrari-Classiche-Zertifikat mit und wurde 2013 bei der Cavallino Classic mit dem Platinum Award ausgezeichnet.

Die gesamte Historie ist bekannt und dokumentiert, zahlreiche Unterlagen - von der originalen Betriebsanleitung über das Werkstatthandbuch bis zu Service-Unterlagen - gehören ebenso zu dem Wagen wie das originale Bordwerkzeug.

Angebetet statt gefahren - nur knapp 39.000 Meilen in 42 Jahren

Die Komplettrestaurierung liegt nun zwar schon rund 15 Jahre zurück, doch der seltene Spyder sieht immer noch aus, wie gerade aus der Endmontage gerollt. Kein Wunder, wurde dieser Ferrari 365 GTB/4 Daytona Spyder doch fast nur angebetet statt gefahren. In den 42 Jahren kamen gerade einmal 38.890 Meilen zusammen. Nach der Restaurierung stand er 12 Jahre in einer klimatisierten Garage und wurde in der Zeit nur 150 Meilen bewegt. Dafür bekam er alljährlich einen Service durch einen Ferrari-Spezialisten.

Beide Ferrari 365 GTB/4 Daytona werden am 14. März im Rahmen des Amelia Island Concours d'Elegance (13. bis 15. März 2015) auf der gleichnamigen Insel vor der Ostküste der USA angeboten.

Weitere Informationen unter www.rmauctions.com und www.ameliaconcours.org.


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