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Ferrari 599XX im exklusiven Tracktest

Exklusive Fahrt in der Rennversion mit 730 PS

Ferrari 599XX Foto: Roberto Carrer 37 Bilder

Dem professionellen Auftritt nach zu urteilen, handelt es sich bei dem neuen, 730 PS starken Ferrari 599XX um eine reinrassige Rennversion. Schon richtig - aber dabei wird es nicht bleiben: Die straßenzugelassene Variante folgt noch diesen Sommer.

10.08.2011 Horst von Saurma Powered by

Nein, eine kurzfristige Reaktion auf die von Schumi erst kürzlich unternommene Werbetour im Ferrari-roten Mercedes SLS AMG ist es nicht. Und auch keine Antwort auf die angekündigte GT3-Variante des neuen AMG-Supersportwagens, der - wenn man so will - ja durchaus auch Ferrari-typische Gene in sich trägt. Es ist, so die glaubhafte Darstellung des vom langjährigen Repräsentanten Schumacher kurzfristig verlassenen Ferrari-Rennstalls nur "die logische Fortführung" eines mit dem FXX begonnenen Sportprogramms.

Fortsetzung des Ferrari Enzo-basierten FXX-Projekts

Wenn es denn nur so wäre, dass (wie beim Ferrari Enz o-basierten FXX) nach Beendigung der projektierten Auflage von 30 Exponaten das jähe Ende des Ferrari 599XX eingeläutet werden würde, dann könnte man ja zum Tagesgeschäft übergehen - frei nach Motto: Wieder 30 Menschen glücklich gemacht, auch wenn sie dies mit 1,3 Millionen Euro teuer bezahlen mussten. Die interessante Ansage aber, aus dem zunächst ausschließlich für den Rennstrecken-Gebrauch entworfenen und nur innerhalb des weltweit stattfindenden Ferrari-Trackday-Programms einsetzbaren 730-PS-Boliden auch eine Straßenversion abzuleiten, könnte mit den zunehmenden modellpolitischen Angriffen auf die "Roten" aus Maranello durchaus in Zusammenhang gebracht werden. Schließlich hat Ferrari als supersportliche Traditionsmarke etwas mehr zu verlieren als solche Newcomer, wie sie von Mercedes (SLS AMG) oder Audi (R8 V10) präsentiert werden.

Basis bildet die Zwölfzylinder-Berlinetta 599 GTB Fiorano
 
Der intelligente neue Ansatz, das jahrzehntelange Formel 1-Engagement technisch intensiver mit dem zu verknüpfen, was als Geschäftsmodell die Grundlage bildet - nämlich Straßensportler zu bauen -, ist naheliegend. Die Sportvariante, wie sie nun in Form des auf der Zwölfzylinder-Berlinetta 599 GTB Fiorano basierenden Ferrari 599 XX auf die Räder gestellt wurde, zeigt in extremer Form in etwa das auf, was auch der im Sommer folgenden straßenzugelassenen Variante tendenziell den Vorsprung sichern soll. (Hier geht es zum Supertest Ferrari 599 )
 
Gemessen an den vielfach unsichtbaren, pfiffigen Aerodynamik-Lösungen, die der XX-Variante einen Gesamtabtrieb von 280 Kilogramm bei 200 km/h bescheren soll - ohne großes Flügelwerk wohlgemerkt -, nehmen sich die Eingriffe am bewährten Sechsliter-Zwölfzylinder sowie am automatisierten Sechsganggetriebe scheinbar eher bescheiden aus. Wenngleich: Im Inneren des mit gleichem Hub/Bohrungsverhältnis wie die Basis antretenden Motors blieb kaum etwas unangetastet. Eine erleichterte Kurbelwelle mit am Ende, zwecks geringerer Innenreibung, zugespitzten Gegengewichten, überarbeiteten Pleueln und graphitbeschichteten Kurzhemd-Kolben sorgen im Zusammenspiel mit einer Vielzahl von versteckten Optimierungsmaßnahmen im Inneren des Aluminiumgehäuses für eine um gut 12 Prozent verminderte Innenreibung gegenüber dem stärkeren, auf gleicher Basis aufgebauten FXX-Aggregat. In diesem Zusammenhang ein interessanter Hinweis: Bei der Maximaldrehzahl von 9.000/min sind immerhin 150 PS vonnöten, um die innere Reibung des Motors zu überwinden.
 
Mit 730 PS weniger Leistung als der Mittelmotor-Sportler FXX
 
Dass der Kurzhuber mit 730 PS und 686 Newtonmeter Drehmoment leistungsmäßig etwas unterhalb des FXX rangiert, hat mit den beengteren Platzverhältnissen unter der lang gewölbten und mit einer Vielzahl von Be- und Entlüftungsschlitzen perforierten Motorhaube zu tun. Der imposante Einlasstrakt aus Karbonmaterial nutzt zwar jeden Millimeter aus, kann aber nicht das Volumen bereitstellen, das der Mittelmotor-Sportler FXX mit seinem riesigen, rückwärtigen Motorenabteil offeriert. Das koste leider, so Motorenmann Vittorio Ghini, rund 70 PS.
 
Aber wir wollen den Kopf nicht hängen lassen: Mit 730 PS unter der mit wunderschönen Proportionen aufwartenden Karosserie steht ein Leistungsaufgebot im Fahrprogramm, das nichts unversucht lässt, um auch dem abgebrühtesten PS-Profi allerhöchsten Respekt abzuringen. Die Tatsache, dass die granatenmäßige PS-Macht des um rund 250 Kilogramm erleichterten Frontmotor-Renners keine Angst und Zweifel erzeugt, hat mehrere gute Gründe: Die kontinuierliche, sozusagen sämig-explosive Leistungsentfaltung des Zwölfzylinders beschreibt im Zusammenwirken mit dem deutlich kürzer übersetzten, per üppig dimensionierter Schaltpaddel hinterm Lenkrad bedienten Transaxle-Sechsganggetriebe eine so harmonische, schlüssige und seidig agierende Allianz, dass es einem selbst als Gaststarter geradezu wie Zuckerschlecken vorkommt, wenn es gilt, die zur Verfügung stehende Gewalt in ihrer effektvollen Wirkung nahezu vollständig auszunutzen - auch bei nassen Bedingungen.
 
Aerodynamische Kompetenz zeigt das Actiflow-System
 
Die aerodynamische Kompetenz, die sich etwa an den die Luft organisierenden Winglets an den aufgesetzten C-Säulen ablesen lässt oder an dem pfiffigen Actiflow-System, das die Luft unter dem vollständig geschlossenen Unterboden absaugt und unterhalb des stark ausgeformten Heckspoilers wieder rauspustet, trägt zur Einfachheit des Umgangs mit den 730 Pferdestärken sicher in ähnlich hohem Maße bei wie das konzeptionell der Serie entlehnte, jedoch stark modifizierte Fahrwerk.
 
Das in drei Stufen vorwählbare Dämpfersystem reagiert hier um nochmal 15 Millisekunden schneller und sorgt schließlich in Verbindung mit den rundum optimierten Radund Achsaufnahmen für ein Fahrverhalten, das - ohne Übertreibung - als traumwandlerisch sicher und dabei extrem Fahrspaßorientiert bezeichnet werden kann. Dem wie beim Manettino in den Straßenmodellen in mehreren Stufen einstellbaren elektronischen Stabilitätsprogramm und der stufenweise von eins bis neun aktivierbaren Traktionskontrolle sei Dank.
 
Unter sieben Minuten auf der Nordschleife
 
Das vorbildhaft fahrerorientierte Cockpit mit seinem virtuellen Renningenieur, der alles über den Aggregatzustand des Fahrzeugs notiert und sogar aufzeigt, wann der Point of no return erreicht ist und die extrem guten Umgangsformen im Grenzbereich erreichen im 599XX tatsächlich eine bisher kaum dagewesene Qualität. Folglich heißt es seitens Ferrari ganz selbstbewusst: "Unter sieben Minuten sollten drin sein." Gemeint ist die Rundenzeit auf der Nordschleife - aber doch wohl mit diesem Renngerät und nicht mit dem zukünftigen Straßensportler, oder?

Inzwischen hat der Ferrari 599XX die Rundenzeit-Rekordfahrt auf dem Nürburgring absolviert - mit beeindruckendem Ergebnis.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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