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Ferrari, Lamborghini und Maserati

Die Testfahrer der italienischen Luxusmarken

Mario Fasanetto Foto: Hans-Dieter Seufert 15 Bilder

Testfahrer bei Ferrari, Lamborghini oder Maserati - was schwingt da nicht alles in der Fantasie mit. Glamour, Machismo, Playboy-Attitüden. Wer ist das fahrerische Gewissen der Mythen-Marken?

02.05.2009 Marcus Peters

Was will ein italienischer Junge werden? Feuerwehrmann, Astronaut, Jet-Pilot? Nein, natürlich Testfahrer bei Ferrari, Lamborghini oder Maserati. Und einige werden es tatsächlich, so wie Dario Benuzzi, Mario Fasanetto und Andrea Bertolini. Doch sind sie wirklich verwegene Draufgänger, wie sie das Klischee gerne sieht? Wer zufällig einem der drei begegnet, wird feststellen, dass sie dem Vorurteil kaum entsprechen.

Michael Schumacher fährt den Ferrari 430 Scuderia 1:38 Min.

Ferrari-Cheftester fährt Alfa 147

Allenfalls Ferrari-Cheftester Dario Benuzzi umweht eine Helden-Aura. Optisch ist er der Prototyp des graumelierten Grandseigneurs. Dass er es auch derb kann, zeigen Internet-Filmchen, in denen Dario einen Parkplatz in Burnout-Rauch hüllt. Die Besonderheit: Es hagelt keine bissigen Kommentare. Der berühmte italienische Reifen-Rubbler ist eine Lichtgestalt mit Freibrief. Bei Ferrari-Treffen wird er sofort umringt, was ihm sichtlich unangenehm ist - seine Scheu legt er nur im Auto ab, steigt ungern aus, lässt lieber jemanden zusteigen, um ihn mit Lenkrad- statt Wortakrobatik zu beeindrucken.

Sein schnarrendes Italo-Englisch reicht nur für Smalltalk. Wer sich mit Dario austauschen möchte, muss seine Sprache sprechen. Alle anderen lächelt er entschuldigend an. Gerade weil Dario Benuzzi so schwer zu fassen ist, blieb er stets ein Mysterium, das die Pressevertreter bei Präsentationen in die Welt der Querbeschleunigung mitnimmt, nicht aber in seine eigene. So kursieren wenige Fakten, aber viele Gerüchte. Eines davon: Dario besitzt einen Enzo Ferrari, was er indigniert verneint. "Ich fahre einen Alfa Romeo 147. Wie soll ich mit meinem Gehalt einen Enzo bezahlen?" Angesprochen auf das Highlight als Tester fällt ihm nicht etwa der Ferrari Enzo ein, sondern das elektro-hydraulische Schaltgetriebe namens F1.

Es kam 1989 in der Formel 1. Benuzzi war Teil des Entwicklungsteams und fuhr zu diesem Zweck auch die Tests - im Formel 1. Als er Zeichen der Ehrfurcht in der Mimik seines Gesprächspartners erkennt, schickt er nach: "Verglichen mit einem Ferrari F40 ist ein Formel 1 leicht zu fahren. Perfektes Handling, alles geht leicht. Schwer wird erst die Jagd nach Zehntelsekunden." Heute begnügt er sich mit gelegentlichen Shakedowns alter Formel 1, den Tests vor deren Einsätzen bei historischen Rennen. Obwohl er als Testfahrer in unmittelbarer Nähe zu den Größen der Szene stand, strebte Dario nie nach Rennfahrer- Ehren. Ungewöhnliche Erklärung: "Die Entwicklung vom kaum fahrbaren Prototyp zum perfekten Allrounder ist anspruchsvoller. Ein Straßenauto muss alles sein: komfortabel, aber auch schnell, leise und gleichzeitig klangstark. Und für alle fahrbar. Ein Rennwagen muss nur schnell sein."

Dario Benuzzi lebt seinen Traum

Ob er denn seinen Traum lebe? "Ja. Und eigentlich noch mehr. Als Junge aus der Emilia Romagna ist es das Größte, bei Ferrari zu arbeiten. Und dann sogar als Cheftester." Jetzt, nach so vielen Jahren, was ist das Geheimnis eines Testfahrers? "Wichtiger, als schnell fahren zu können, ist es, zum richtigen Zeitpunkt mit dem Entwickeln aufzuhören. Sonst gibt es nie fertige Produkte auf dem Markt", so Dario.

Andrea Bertolini, in Deutschland vor allem als FIA GT Champion und Teamkollege von Michael Bartels bekannt, testet ebenfalls für Ferrari. Für Corse clienti, die Kundensport-Abteilung, absolviert er Shakedowns, sitzt im Formel 1-Simulator, stimmt die Rennversion des Ferrari F430 für den Einsatz in der GT2-Klasse ab und war bei der Entwicklung der Sonderedition Ferrari FXX auf Enzo-Basis beteiligt, Benuzzis Baby. Andreas Verhältnis zu Dario ist von tiefer Dankbarkeit geprägt. Benuzzi hat Bertolini zum Testfahrer berufen, nachdem er ihn in einem Ferrari F355 Challenge fahren sah. Dario fragte: "Sag mal, arbeitest du nicht bei Ferrari?" Bertolini bejahte. Dann hakte Dario nach: "Wie alt bist du?" Auf die Antwort "Ich bin 17" stellte sein künftiger Chef fest: "Dann fährst du nächstes Jahr für mein Team."

Bertolini stimmt Fiat 500 Abarth ab

Für Bertolini ist es eine Abwandlung des Tellerwäscher-Traums vom Kartfahrer zum Formel 1-Piloten. "Meine Familie hatte nicht genug Geld, um mir eine Rennfahrer-Karriere zu ermöglichen; es hat nur für die italienische Kart-Meisterschaft gereicht. Aber sie hat mir genug Leidenschaft vererbt, immer 100 Prozent zu geben." Auch Maserati wollte die Dienste des schnellen Nachbarn - Bertolini stammt aus dem nahegelegenen Sassuolo. Mittlerweile übertrifft er in der Vielfalt seines Jobs sogar Benuzzi, fährt die FIA GT-Meisterschaft im Maserati MC12, testet die Straßen-GT mit dem Dreizack im Grill, bleibt weiterhin in Ferrari-Diensten und stimmt auch noch die Rennversion des Fiat 500 Abarth ab. Natürlich hat Bertolini vor allem die Highspeed-Expertise. "Aber um den Komfort zu beurteilen, fahre ich langsam." Dennoch ist sein erster Griff nach dem Starten stets derselbe: Andrea schaltet die Fahrdynamikkontrolle ab.

"Das Limit muss leicht zu erreichen sein." Spricht’s und malt im Gran Turismo ein paar schwarze Striche in die Kurve. "Übersteuern macht einfach Spaß." Ob er keine Angst habe, bei ähnlichen Versuchen einen teuren Maserati in die Leitplanke zu setzen? "Nein. Schließlich habe ich noch nie ein Straßenauto bei Testfahrten zerstört." Dies sagt er mit dem Selbstverständnis eines Könners. Und welche Rolle nimmt der Testalltag privat ein? "Das Fahren ist mein Leben, klar. Aber wenn ich Freunde treffe, dann sprechen wir nicht darüber. Dann albern wir herum." Und wenn er nach Hause kommt, wartet der kleine Sohn. "Obwohl er noch kein Jahr alt ist, liebt er schon Motorengeräusche", sagt der 35-Jährige und zeigt ein Foto seines Filius in einem Bobbycar.

Lamborghini-Testfahrer Mario Fasanetto fährt privat BMW 320d

Auch Mario Fasanetto - Erkennungszeichen: hochgeklappter Kragen - ist Familienmensch. Kein Glamour, keine großen Gesten, wie man sie von einem Lamborghini-Testfahrer erwarten könnte. Schließlich pilotiert er nahezu täglich die Macho-Variante eines Sportwagens. Wie reagieren die Nachbarn darauf? "Für die bin ich einfach ein Lamborghini- Werker. Nur meine besten Freunde wissen, dass ich Testfahrer bin." Wie sollten alle anderen auch darauf kommen, wenn der Vater zweier Kinder im Privatleben stets mit einem BMW 320d Touring zu sehen ist? Während der abgestellte Lamborghini-Prototyp im Werk noch den Stress des Arbeitstages abknistert, kehrt Mario ins normale Leben zurück.

Fasanetto war Mechaniker

Einziger Hinweis auf den Speedhead in ihm: Mario fährt Motorrad. Allerdings keine KTM 520 EXC, den Drifter unter den Supermotos, sondern eine Kawasaki KLR 650, eine softe Enduro. Wieder kein Testfahrer-Klischee erfüllt. Bleibt das Go-Kart. Darin hat der Lamborghini-Tester einst den Vierrad-Grenzbereich kennen gelernt. Doch anders als sein Kollege Giorgio Sanna ist Mario Fasanetto nie Rennen gefahren, obwohl er schon Rennwagen wie den Lamborghini Diablo GTR mitentwickelt hat. Ähnlich wie Benuzzi und Bertolini begann Fasanetto seine Laufbahn als Mechaniker und hatte einen Mentor: Valentino Balboni, Lamborghinis Pendant zu Dario Benuzzi.

Mario Fasanetto testet auf der Nordschleife

Damit war der erste Gang für die Beschleunigung zum Testfahrer in der Entwicklungsabteilung eingelegt. Es war die glorreiche Zeit des Lamborghini Countach und des Lamborghini Jalpa - zwei Modelle, welche die Legendenbildung rund um Lamborghini anfeuerten. Bei Mario hinterließ eine Fahrt im Lamborghini Miura ein Brandzeichen in der Erinnerung. "Die erste Tuchfühlung mit dem V12 war der Gänsehaut-Moment. Zwölf Zylinder, über eine Vergaseranlage befüllt, was für ein irres Ansauggeräusch." Und wo testet er heute am liebsten? Antwort: "In Deutschland, auf der Nordschleife." Dort schwappe die Begeisterungswelle regelmäßig durch die Lamborghini. "Nach einer schnellen Runde weißt du alles über das Auto. Dann ist es gläsern." Mit den Tests auf anderen Rennstrecken verbringt Fasanetto pro Jahr rund 100.000 Kilometer in seinen Dienstwagen. "Und jeder von ihnen ist immer noch ein Genuss. Auch nach so vielen Jahren." Um das zu überprüfen, fahren wir seine bevorzugte Strecke rund ums Werk nahe Modena.

Die Straße schlängelt sich hinauf in den Appennino Emiliano, eine schroffe Gegend. So wie die Bewohner? "Nein", sagt Mario, auf den Empfang in den Bergen angesprochen. "Die meisten sind stolz, wenn sie uns im Lamborghini sehen. Schließlich sind wir nicht nur eine italienische, sondern eine regionale Marke." Und wenn die Polizei naht? "Dann am besten nichts wie weg ..." Ein kleiner Hauch Draufgänger steckt also doch im Testfahrer.

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