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Ferrari Testarossa Gebrauchtwagen

Ich kauf mir einen Ferrari

Ferrari Testarossa, Seitenansicht, Verkaufsraum Foto: Hans-Dieter Seufert 27 Bilder

Für 50.000 Euro kann man sich ausgefallene Youngtimer-Träume erfüllen, etwa den vom Ferrari Testarossa. Mitunter gibt es sogar einen beim Vertragshändler, wie Heinrich Lingner herausfand.

14.07.2013 Heinrich Lingner Powered by

Vielleicht sollte ich Sie warnen. Wenn Sie in den achtziger Jahren einigermaßen jung waren und – einigermaßen – männlich, dann hing in Ihrem Jugendzimmer womöglich neben den Postern von Charlies Engeln und Jody Banks eines vom Ferrari Testarossa. Ja, dann sollten Sie nur auf eigene Gefahr weiterlesen. Weil Sie sonst bald im Internet stöbern und durch Auto-Showrooms schlendern auf der Suche nach einem Testarossa.

50.000 Euro sollten allerdings schon zur Verfügung stehen, wenn die Sache ernst wird. Klingt nach viel Geld – ist es auch, doch andererseits ist das so ungefähr der Preis einer ordentlich motorisierten Limousine der oberen Mittelklasse. Und es ist guter Durchschnitt im breiten Klassiker-Mittelfeld, in dem etwa ein 40 Jahre alter 911 oder ein Mercedes 280 SL Pagode gehandelt werden. Aber auch einen Ferrari findet man zu diesem Kurs. Nicht irgendeinen, sondern einen Testarossa: eine Design-Ikone, ein fast 300 km/h schnelles Zwölfzylinder-Geschoss und – wie erwähnt – Posterheld in unzähligen Kinderzimmern zwischen Maranello, Malibu und vielleicht Magadan.

Womöglich hilft eine weitere Zahl, den Gebrauchtpreis des Testarossa richtig einzuordnen. Neu kostete er 1987 rund 230.000 Mark. Und sein Nachfolger, der aktuelle F12 Berlinetta, liegt heute bei knapp 270.000 Euro. Ein Schnäppchen also, wie auch Christian Villhauer, Chef und Oberenthusiast im Autohaus Mille Miglia Motors am Starnberger See, meint. "Billiger werden die nicht mehr", sagt er und entfernt das Preisschild hinter der Scheibe des roten Ferrari in seinem Showroom. Das sei ein absoluter Winterpreis gewesen, kommentiert er die Notierung von knapp unter 50.000 Euro und erwähnt, dass das Auto kürzlich verkauft worden sei.

Ferrari Testarossa ist ein Auto aus einer anderen Welt und Zeit

Da macht sich fast ein wenig Erleichterung breit. Puh, ich muss nicht ernsthaft überlegen, ob ich ihn mitnehme, denke ich. Denn die Versuchung ist schon groß. Oder eher breit. Und flach. Neben den modernen Ferrari in Villhauers Autohaus – die gesamte aktuelle Palette vom California bis zum FF sowie ein, zwei Maserati dazwischen ist vertreten – wirkt der Testarossa wie ein Auto aus einer anderen Welt. Filigran, geradlinig und unverschnörkelt kauert er neben den neuen Autos, nur die 18-Zoll-Räder sehen etwas zu neuzeitlich aus.

Dabei war gerade das die Absicht von Pininfarina-Designer Leonardo Fioravanti, als er sich Ende der Siebziger daranmachte, einen Nachfolger für das Topmodell 512 BB zu entwerfen. Es sollte eine Form werden, die bis 300 km/h auf Flügelanbauten verzichten konnte. Also formte Fioravanti den gesamten Ferrari zu einer einzigen riesigen Abtriebsfläche, die am Bug oberhalb des Frontflügels beginnt und mit der kleinen Abrisskante am Heck endet. Die Wärmetauscher für Kühl- und Schmiermittel wanderten vor die Hinterräder.

So sind die charakteristischen Lamellen an Türen und Flanken kein Design-Chichi, sondern Luftführung zu den Kühlern, getreu jenem Lehrsatz von Fioravantis Chef Sergio Pininfarina, wonach es für jede Form einen technischen Grund geben müsse. Diese Balance zwischen harmonischer Formgebung und technischer Funktionalität ist es, die den Reiz des Testarossa-Entwurfs ausmacht. Keine Gimmicks, keine überflüssigen Linien, eine technische Skulptur, klar und rein wie ein Renaissance-Palast. Doch wir schweifen ab, zurück zum Auto.

Ferrari Testarossa wird zur Versuchung

Christian Villhauer bittet zur Besichtigung, öffnet Türen und Hauben, erklärt das Auto mit der Freude des Fachmanns und weist auf einige Details hin, die auch dem kundigen Interessenten nicht auffielen. Die Spaltmaße, erläutert er etwa, seien damals in Maranello eher großzügig ausgefallen, besonders bei den großen Einzelteilen wie der riesigen, von unzähligen Luftschlitzen durchlöcherten Motorhaube. Zu perfekte Spalte deuteten oft auf eine nachträgliche Anpassung – etwa nach einem Unfallschaden – hin. Solche Vorschäden, rät Villhauer weiter, seien am einfachsten am Gitterrohrrahmen zu erkennen, weshalb eine Inspektion auf der Hebebühne zum Pflichtprogramm der Testarossa-Besichtigung gehört. Villhauers Team hat vorsorglich einen Arbeitsplatz in der Werkstatt geräumt, doch vorher kommt die Probefahrt. Ein Mitarbeiter übernimmt es, den zwei Meter breiten Ferrari durch die geschätzte 2,15 Meter schmale Tür zu zirkeln. Der Zwölfzylinder wartet beim Start mit einer weiteren Überraschung auf: Er springt nach kurzem, hochfrequentem Anlassergeheul sofort an und verfällt dann in einen leisen, seidigen Leerlauf. Selbst im Showroom ist er kaum zu hören, nachdem seine neuen Brüder unter großem Klappenauspuff-Radau beiseiterangiert wurden.

Die Probefahrt macht Lust auf mehr: Einmal warm gefahren, dreht der Fünfliter-V12 wie der Teufel, schiebt den 1.505 Kilogramm schweren Wagen sehr druckvoll an. Schaltung und Lenkung werden mit jedem km/h leichtgängiger und exakter. Servo, Fahrhilfen oder Infotainment gibt es nicht, das ist ein Ferrari und kein ICE-Abteil. Es ist eng und heiß, und das Funktionsdreieck aus Lenkrad, Sitz und Pedalen passt nur bis maximal 1,80 Meter Körpergröße.

Der abschließende Check auf der Bühne ist kurz und aufschlussreich: keine geknickten Rohre, keine Öltropfen, und die Zahnriemen werden vor Auslieferung erneuert. Puh, dieser Ferrari Testarossa kann mich nicht mehr in Versuchung führen, denn Versuchungen sollte man nachgeben. Wer wisse schon, ob sie wiederkämen, hat Oscar Wilde gesagt. Oder war es Colt Seavers?

Darauf müssen Sie achten

Ob ein Ferrari Testarossa ein Traumwagen oder ein Albtraum wird, hängt auch von der Servicehistorie ab: Da Inspektionen sehr teuer sind (mindestens 2.500 Euro mit Zahnriemenwechsel), zeigen ein gut gefülltes Scheckheft und möglichst viele Wartungsrechnungen, wie lieb der Vorbesitzer zu seinem Auto war. Zudem sind viel gefahrene Exemplare meist zuverlässiger als Garagen-Queens mit Standschäden. Achten Sie auf Originalität, Umbauten sind wertmindernd.

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