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Ferrari Testarossa in der Service-Station

Großprojekt Supersportwagen

Ferrari Testarossa, Motor, Auspuff Foto: FACT 8 Bilder

Testarossa heißt roter Kopf, und den bekommen Besitzer des gleichnamigen Ferrari beim Anblick der Zahlen auf manchen Rechnungen. Ganz vermeiden lässt sich das nicht, aber eine fachkundige Wartung kann die Kosten eindämmen.

24.05.2013 Bernd Woytal Powered by

Zumindest der Kauf eines Ferrari Testarossa muss nicht unbedingt exorbitant teuer sein. So kann man ein gepflegtes Exemplar schon für deutlich unter 50.000 Euro bekommen. Allerdings gilt es zu bedenken, dass anschließend viele Tausender in Reparaturen fließen können.

Grundsätzlich ist ein Testarossa relativ problemlos

Der Ferrari Testarossa wurde 1984 vorgestellt und war im Prinzip die Weiterentwicklung des 512 BBi. Seine Antriebsquelle basierte auf jenem bereits im 365 GT 4 BB installierten, als Boxer bezeichneten Motor, der genau genommen ein 180-Grad-V-Motor ist. Natürlich hatten die Ferrari-Techniker diese Maschine Schritt für Schritt fortentwickelt, und so präsentierte sie sich im Testarossa als Vierventiler mit einem Hubraum von fast fünf Litern und einer Einspritzanlage des Typs Bosch KE-Jetronic.

Grundsätzlich ist ein Ferrari Testarossa relativ problemlos, "wenn er fachkundig gewartet, die typischen Problemstellen stets gecheckt und sich ankündigende Schäden rechtzeitig erkannt und repariert wurden", sagt Thomas Kunz, Serviceleiter bei Ferrari Classiche Partner Eberlein Automobile in Kassel.

Ölwechsel kostet rund 500, Ventilspielkontrolle über 900 Euro

Wer sich einen solchen Mittelmotorsportwagen zulegen möchte, sollte sich aber darauf einstellen, dass die Wartungsarbeiten teurer sind als bei den meisten anderen Autos. Allein ein Ölwechsel schlägt einschließlich der Ölfilter mit gut 500 Euro zu Buche, bedingt durch die wegen der Trockensumpfschmierung große Ölmenge von rund 15 Liter. Für das etwa alle 10.000 Kilometer fällige Prüfen und Einstellen des Ventilspiels muss man beim Ferrari Testarossa mindestens 900 Euro rechnen. Immerhin hat so ein Testarossa-Motor 48 Ventile.

Sobald für irgend eine Arbeit die roten Ventildeckel demontiert werden, ist es ratsam, einen Blick auf die Ventilfedern zu werfen. Der Ferrari Testarossa-Motor hat doppelte Ventilfedern, von denen öfter eine bricht. "Die Maschine läuft dann zwar weiter, aber die Einzelteile der Feder können den Zylinderkopf erheblich beschädigen", warnt Kunz.

Zahnriemenwechsel alle drei Jahre für 3.500 Euro

Zeitlich relativ eng sind bei dem Ferrari Testarossa die Intervalle zum Wechseln der beiden Zahnriemen zum Antrieb der Nockenwellen. Alle drei Jahre sollte man diese Service-Arbeit ins Auge fassen, wozu der Motor samt Hilfsrahmen ausgebaut werden muss. Dieser Aufwand erklärt, warum ein Zahnriemenwechsel samt Spannrollen um 3.500 Euro kostet.

Ein wachsames Auge verdienen die Elektrik und die Zündung. Zwar besitzt der Ferrari Testarossa eine elektronische Zündung, doch Dinge wie Verteilerkappe und -finger verdienen trotzdem Aufmerksamkeit, während den Diagnosestecker zum Check der Zündanlage nur solche Werkstätten nutzen können, die auch ein entsprechendes Prüfgerät haben.

"Auch auf den Zustand der Zündkabel ist zu achten", sagt Ferrari-Experte Bruno Wyss aus der Schweiz. Die feine Seele in ihrem Inneren oxidiert, "weshalb bei uns zu jeder Inspektion eine Widerstandsmessung der Kabel gehört", erklärt Kunz. Für das Erneuern der Zündkabel kann man beim Ferrari Testarossa mit 1.200 Euro rechnen.

Elektrikstecker und Zündkabel prüfen

Regelmäßig geprüft gehören beim Ferrari Testarossa ferner die Steckverbindungen der Elektrik. Zum einen jene im hinteren Abteil, die zum Ausbau des Motors getrennt werden, zum anderen die des vorn untergebrachten Sicherungskastens. Denn mit der Zeit erlahmen die Federn, und der Kontaktfluss zu den Pins reißt ab. Bekommen dann die Zündspulen oder die Benzinpumpen keinen Strom mehr, bleibt der Wagen stehen. Und wenn man Pech hat, sorgt ein hoher Übergangswiderstand für Temperaturspitzen und lässt den Stecker schmelzen. Aber der Supergau wäre ein defekter Sicherungskasten, der neu kaum beschaffbar ist oder nur zu einer horrenden Summe.

Bei Ferrari Testarossa mit Katalysator liefern der entsprechende Temperaturfühler und/oder das zugehörige Steuergerät öfter eine Fehlmeldung. Der Fahrer wird dann zu einer gemäßigten Fahrweise aufgerufen, um das angeblich zu starke Aufheizen des Kats und daraus resultierende Hitzeschäden im Motorraum zu vermeiden. Man sollte deshalb die Aufforderung zum Slow Down nicht einfach ignorieren, denn vielleicht stimmt die Info ja. Bleibt nur übrig, durch entsprechende Checks dafür zu sorgen, dass das Kontrollsystem stets zuverlässig funktioniert.

Bosch KE-Jetronic anfällig für Standschäden

Wenig Probleme bereitet die Bosch KE-Jetronic, so lange der Ferrari Testarossa regelmäßig gefahren wird. Aber dies ist leider bei vielen Exemplaren nicht der Fall, weshalb die Bauteile der Benzineinspritzung mit der Zeit verharzen. Versuche, die Einspritzdüsen zu reinigen, lohnen sich zumindest für Werkstätten wegen des Arbeitsaufwands kaum, weil die Düsen relativ günstig zu bekommen sind. Trotzdem stehen nachher 1.200 Euro auf der Rechnung.

Sollte man einen Mengenteiler wieder funktionsfähig bekommen, darf man sich freuen. Sie kosten neu etwa 2.000 Euro. Und noch etwas anderes ist zu bedenken: Wenn die Bosch KE-Jetronic mal Probleme bereitet, gibt es nur wenige Werkstätten, die sich noch damit auskennen.

Zylinderkopfüberholung kostet rund 15.000 Euro

Zu den weiteren, verschleißbedingten teuren Reparaturen am Ferrari Testarossa zählen laut Wyss das Erneuern der Wasserpumpe und der Zweischeibenkupplung. Bei erster sind es die Arbeitskosten, denn es muss der Motor ausgebaut werden, bei der Kupplung ist es der hohe Ersatzteilpreis.

Komplette Motorrevisionen sind laut den befragten Experten selten, dafür ist die Laufleistung der meisten Ferrari Testarossa noch zu gering. "Manchmal ist eine Zylinderkopfüberholung fällig, für die man um 15.000 Euro einkalkulieren sollte", weiß Kunz.

Er macht noch auf ein weiteres heikles Bauteil des Ferrari Testarossa aufmerksam: das Getriebe. Das Mindeste, was man diesem gönnen sollte, ist ein regelmäßiger Ölwechsel. Das kompakte, unterm Motor sitzende Bauteil ist aber sehr stark belastet und hält brutalen Kavalierstarts oder häufigen Drifteinlagen nicht lange stand.

Anfälliges Getriebe nimmt Kavalierstarts übel

Eine abscherende Getriebewelle oder ein an den Schweißnähten aufplatzendes Differenzial können die Folgen sein, die man mit fünfstelligen Euro-Summen büßen muss. Wer sich heutzutage einen Ferrari Testarossa zulegt, kann nur hoffen, dass dieser in den ersten beiden Gängen von seinen Vorbesitzern nicht allzu scharf rangenommen wurde, sonst ist man irgendwann Opfer der Folgeschäden.

Mit diversen Verschleißreparaturen muss man auch auf dem Fahrwerkssektor rechnen, speziell dann, wenn noch die ersten Fahrwerksbuchsen und Gummis montiert sind.
Zu Verwirrungen gibt manchmal die Bremse des Ferrari Testarossa Anlass. Selbst wenn die Beläge erneuert und sogar die Bremssättel überholt wurden, ist manchmal ein verzögertes Lösen der Bremse zu spüren - sprich, man nimmt den Fuß vom durchgetretenen Pedal, und dieses geht nicht sofort in seine Ausgangsstellung.

"Dann muss man den Pedalblock ausbauen und die Pedalwelle wieder gängig machen und fetten", erklärt Kunz. Von solchen Eigenheiten des Ferrari Testarossa wissen aber nur die Experten, weshalb bei ihnen die Wartung in besten Händen ist.

Das zweite, was man als angehender Ferrari Testarossa-Käufer beherzigen sollte: Ein gewisses finanzielles Polster beruhigt ungemein, wenn man den Wagen in vollen Zügen genießen will.

Ferrari Testarossa Service-Tipp

Das Beste, was man für seinen Ferrari Testarossa tun kann, ist ihn zu fahren – unter anderem, um ein Verharzen der KE-Jetronic-Bauteile zu verhindern. Wichtig sind ferner ein regelmäßiger Service, wobei man auch den Wechsel des Getriebeöls nicht vergessen sollte.

Wie im Text erwähnt, verdienen bestimmte elektrische Steckverbindungen Aufmerksamkeit. Alu-Teile an der Karosserie können oxidieren, die Stahltüren im unteren Bereich rosten. Wegen der Empfindlichkeit des Zündsteuergeräts sollte man Motorwäschen beim Ferrari Testarossa vermeiden oder dazu das Steuergerät ausbauen. Um den Kauf teurer Antriebswellen zu sparen, den Zustand der Gummimanschetten prüfen. Sie leiden unter der Hitze des Auspuffkrümmers.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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