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FIA GT Meisterschaft Finale Zolder

Hinter den Kulissen brodelte es

FIA GT Finale Zolder 2009 Foto: FIA GT 16 Bilder

Beim Abschiedsrennen der alten GT-Meisterschaft holte Vitaphone-Maserati den Titel in der GT1-Klasse mit der Macht des Überflusses. Porsche drehte das GT2-Duell gegen Ferrari mit einem Betriebsausflug der Motorsportabteilung. Beides provozierte Kritik. Die GT-Wölfe waren aufgerufen, sich zu erklären.

11.12.2009 Powered by

Es hätte ein versöhnlicher Abschluss werden sollen: Mit dem Saisonfinale in Zolder beendete die FIA GT-Meisterschaft mit dem 133. Rennen die 13. Rennsaison ihrer Geschichte. Kommendes Jahr folgt der lange geplante Schritt in das WM-Rampenlicht. Doch statt eitel Sonnenschein gab es zum Abschied Kontroversen in beiden GT-Klassen: Den Vorwurf der Stallregie beim Vitaphone-Team in der GT1-Klasse zugunsten der neuen Meister Michael Bartels und Andrea Bertolini zwang die FIA, Sonderkommissare in der Boxengasse einzusetzen. Dennoch reichten die Maserati-Gegner am Ende einen Protest ein, weshalb das GT1-Duell im Gerichtssaal entschieden werden musste - zugunsten Bartels.


Porsche vermasselte Ferrari den Titel

Und in der GT2-Klasse vermasselte Porsche mit atemberaubenden Team- und Fahrerrochaden den stolzen Ferrari-Lenkern den fast sicher geglaubten Titel. In der GT1-Klasse belegten Michael Bartels und Andrea Bertolini mit ihrem Maserati MC 12 Platz drei im letzten Rennen der alten Ära, was genügte, um die Corvette-Piloten Anthony Kumpen und Mike Hezemans im Titelduell einzudosen. Für Maserati ist die GT-Bilanz makellos: der vierte Fahrertitel und die fünfte Teammeisterschaft in Folge. Bitter war die Nummer für Hezemans, denn der Holländer sauste nach 2000 und 2008 bereits zum dritten Mal am GT-Himmelreich vorbei.

Der kleine Holländer wollte sich aber nicht geschlagen geben. Sein Team Peka Racing hatte bei der FIA einen Protest deponiert, womit der Titel am grünen Tisch entschieden werden musste. Der Vorwurf: Das Vitaphone-Team habe das Nummer- Zwei-Auto und das seit dem vierten Saisonrennen eingesetzte Nummer-Drei-Auto als strategische Waffen im Titelkampf eingesetzt, was Bartels und Bertolini einige Extrapunkte beschert haben soll. Zum Beispiel beim vorletzten GT-Lauf in Paul Ricard, wo das Nummer-Drei-Auto acht Minuten vor Rennende noch einmal zum Nachtanken und Reifenwechsel an die Boxen kam, womit sie hinter Bartels und Bertolini zurückfielen.

Proteste von Peka Racing

Schon damals wollte Peka Racing protestieren, doch die Rennstewards sagten, das sei nicht nötig, man untersuche die Angelegenheit bereits. Nachdem das Vitaphone-Team versicherte, es habe ein Problem mit der Tankanlage gegeben, wurde das Resultat von Paul Ricard jedoch bestätigt. Da knurrten die Holländer zum ersten Mal vernehmlich. Die Kritik nahm Michael Bartels ungerührt zur Kenntnis: "Wir haben über die gesamte Saison am konstantesten gepunktet, das war der Schlüssel zum Titelgewinn. Ohne Vitaphone Racing hätten drei Corvette um den Titel gekämpft. Wir haben ein drittes Auto eingesetzt, aber unter anderer Bewerbung, weil man pro Team nur maximal zwei Autos an den Start bringen darf. Doch was würden sie machen, wenn ihr Sponsor sagt: Wir haben das Budget, um einen dritten Maserati einzusetzen?"

Geld kann im Motorsport eben ein ausschlaggebender Faktor sein. Natürlich basiert der Erfolg von Vitaphone Racing auch auf der schieren Teamstärke. Keine andere private Mannschaft hat eine vergleichbare Infrastruktur und Logistik aufzubieten, Personal und Finanzstärke entsprechen der Champions League. Im Gegensatz dazu fahren die drei Corvette-Teams in der Bettelklasse. Und obendrein arbeiten sie auch noch gegeneinander, während Maserati eine solide Mauer unter dem Teamzelt bildet. "Ich verstehe, dass es für Hezemans bitter ist, abermals einen Titel knapp verloren zu haben", zeigt Bartels Mitgefühl, verweist aber auch auf die Glückssträhne von Vitaphone Racing: "In Spa haben wir trotz eines schweren Unfalls noch die Zielflagge gesehen und hatten immenses Glück, weil dort 2009 keine doppelten Punkte vergeben wurden. Und Dusel hatten wir auch in Portimão mit einem Reifenschaden."

Zusätzliche Stewards in der Boxengasse

Und was passierte in Paul Ricard? "Was hätten wir denn machen sollen? Beim zweiten Stopp ist nicht genügend Benzin geflossen. Hätten wir das Auto ohne Benzin ausrollen lassen sollen? Oder im Kriechgang in den Parc fermé rollen, um dann mit zu wenig Restbenzin disqualifiziert zu werden?" Die Anschuldigungen der Holländer bewogen die FIA, in Zolder zusätzliche Sportkommissare in der Boxengasse zu stationieren, um sicherzustellen, dass kein Manipulationsversuch unentdeckt bleibt. Peka Racing war trotzdem nicht zufrieden: "Bei den Stopps darf der Vitaphone- Mechaniker für die Säuberung der Windschutzscheibe bereits vor Beendigung des Tankvorgangs in die Radwechselposition übergehen", so Mike Hezemans. "Das machen sie schon die ganze Saison - während wir das nicht dürfen." All die ungeklärten Fragen des GT1- Gewusels sollen nun von den FIA-Juristen entknotet werden. Fröhliche Weihnachten!

Auch im GT2-Fahrerlager gab es Unmut

Nicht minder streitbar gab sich das GT2-Camp beim Ausstand in Zolder. Das Grundmuster der Saison 2009 ist schnell erzählt: Porsche konnte endlich wieder mit Ferrari mithalten, stellte sich aber kunstvoll mit nicht homologierten Zylinderlaufbuchsen selbst ein Bein, was Wertungsausschlüsse in Oschersleben und Spa zur Folge hatte. Trotzdem reisten die Prospeed-Piloten Richard Westbrook und Emmanuel Collard mit intakten Titelchancen nach Belgien. Begleitet wurden sie von einer erlesenen Karawane von Werkspiloten: Porsche Motorsport hatte alles nach Belgien gekarrt, um die Ferrari zu verprügeln. Erst am Rennplatz erfuhren die Stammfahrer Westbrook und Collard, dass sie zum Zweck der "Chancenoptimierung" gesplittet wurden: Westbrook wurde mit Marco Holzer zusammengespannt, Collard mit Martin Ragginger.

Das hatte auch den bestechenden Vorteil, dass die Haudegen in der neuen Konstellation mit weniger Gewicht antreten durften. Laut unbestätigten Gerüchten spuckte der in der Meisterschaft führende Ferrari-Pilot Gianmaria Bruni Rasiermesser vor Wut, als er von diesen Rochaden hörte. Seine Wut dehnte sich nach dem Rennen auch auf das eigene Lager aus: Westbrook gewann das Rennen souverän und holte den Titel, weil sich die im Rennen zweit- und drittplatzierten Ferrari- Teams BMS Scuderia Italia und CRS weigerten, den auf Platz vier abgesackten AF Corse-Ferrari von Bruni vorbeizuwinken.

Porsche reagierte auf die Nachrüstung von Ferrari

Der Italiener war nach dem Rennen leicht stinkig: "Wir wurden heute nicht von Porsche geschlagen, sondern von Ferrari. Aber das beweist immerhin, dass wir im Gegensatz zu Porsche faire Sportsleute sind." Porsche reagierte mit der Fahrerumverteilung auf die Nachrüstung von Ferrari: In Paul Ricard debütierte die Breitbau-Version des F 430 GT mit fülligeren 14-Zoll-Reifen im GT1-Format, neuer Frontaerodynamik und überarbeitetem Differenzial. Laut Tuner Michelotto musste man reagieren, weil die Titelkandidaten Bruni und Toni Vilander fast die ganze Saison mit 50 Kilo Ballastgewicht für die Fahrergraduierung und 50 Kilo Erfolgsgewicht fahren mussten. Dabei geriet der Reifenverschleiß der Spec-Reifen von Michelin außer Rand und Band.

Beim Debüt in Paul Ricard siegten Bruni und Vilander prompt mit 40 Sekunden Vorsprung. "Wenn beim Finale in Zolder alles so bleibt, dann haben wir keine Chance", orakelte Westbrook. Falsch gedacht: Porsche Motorsport beorderte mit Marc Lieb, Sascha Maassen und Jörg Bergmeister drei Könner nach Belgien und würfelte die Fahrerpaarungen durcheinander. Der Plan war wohl, die Italiener im Zeittraining aus dem Tritt zu bringen, was aber misslang: Bruni stand auf Pole. Immerhin schwor Porsche seine Fahrer vor dem Start auf faires Verhalten ein: Feindliche Kontaktaufnahme mit Ferrari war ebenso untersagt wie freundschaftlicher Lackaustausch in der Elfer-Brigade. Westbrook schnappte sich im Rennen die Führung bereits im ersten Stint von Bruni. Entgegen aller Erwartungen verzichtete Ferrari auf Stallregie zugunsten von Bruni. Das bescherte dem Finale der alten GT-Serie wenigstens einen neuen Meister.

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