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FIA GT1-Zukunft

Die Pläne der Teams für die GT1-WM 2010

FIA-GT 24-Stunden-Rennen Spa Foto: FIA GT 40 Bilder

Beim Saisonhöhepunkt der FIA GT-Meisterschaft, dem 24h-Rennen in Spa, loderte die GT1-Zukunft am Himmel. Sieg und Niederlage auf der Rennstrecke waren nebensächlich in Anbetracht der entscheidenden Frage: Welche Teams starten im nächsten Jahr mit welchen Autos in der neuen GT1-Weltmeisterschaft?

28.08.2009 Powered by

Die Zukunft wirft kräftige Schatten voraus: In sieben Monaten soll mit dem WM-Rennen in San Luis in Argentinien ein neues Kapitel in der Geschichte des GT-Rennsports aufgeschlagen werden. „Dann geht mein lang gehegter WM-Traum endlich in Erfüllung“, so Promoter Stéphane Ratel. Die FIA hat seine Pläne abgesegnet und den WM-Status erteilt, das technische und sportliche Reglement steht. Was fehlt sind der Kalender - und ein Bekenntnis der Teams zur WM.

Rennwagen von fünf bis sechs Herstellern
 
„Der Zug steht auf dem Gleis“, sagte Ratel bei seiner WM-Pressekonferenz in Spa. „Wir werden Rennwagen von fünf, wahrscheinlich von sechs Herstellern am Start haben.“ Was Ratel verschweigt: Das Wagenfeld schmeckt ein wenig nach altem Wein aus neuen Schläuchen, vom angestrebten Neubeginn ist wenig geblieben. Wenn die FIA zustimmt, können die bisherigen GT1-Rennwagen auf den neuen Technikstand umgerüstet werden, was Corvette, Aston Martin und möglicherweise sogar Maserati ins Spiel bringt. Dazu kommt der Lamborghini Murciélago von Hans Reiter - auch dies ein Auto, das in seiner Grundsubstanz bekannt ist.
 
Es könnte also passieren, dass neben den neuen GT1-Wummen Ford GT und Nissan GT-R bis zu 16 modifizierte Rennwagen der Vorgängergeneration in San Luis am Start stehen. Ratel träumt weiter von einer zusätzlichen Marke - Audi oder Jaguar oder Ferrari könnten noch dazustoßen und das bekannte Einerlei etwas aufhübschen. „Ich habe Anfragen von 24 Teams, die an der WM teilnehmen wollen“, prahlte Ratel in Spa. Doch wer die Teamchefs zur neuen WM befragt, erntet bestenfalls gedämpften Optimismus.
 
Gute Plattform für die Teams um Sponsoren anzulocken
 
Wo soll das Geld für die weltumspannende GT-Formel mit Rennen auf vier Kontinenten herkommen? So lautete die meistgestellte Frage im Fahrerlager von Spa. Ratel retourniert diesen Ball umgehend ins Spielfeld der Teams: „Um die Sponsoren müssen sich die Teams selbst kümmern. Meine Aufgabe besteht darin, den Teams eine gute Plattform zu bieten, damit sie ihr Paket verkaufen und Sponsoren anlocken können.“ Womit wir bei der Kostenfrage sind.
 
Die alten GT1-Autos sollen in der Mottenkiste verschwinden, weil sie schlicht zu teuer sind - das war einer der Hauptgründe für den Reglementwechsel. Doch die neuen Autos sind ebenfalls keine Billigheimer. Hans Reiter ruft für seinen überarbeiteten Lamborghini Murciélago 480.000 Euro auf, der Matech Ford kommt auf 500.000 Euro. Dazu addieren sich die Einsatzkosten, die Lambo-Konstrukteur Hans Reiter auf 80.000 Euro pro Auto und Rennen beziffert - macht bei einem Zwei-Wagen-Team ein Saisonbudget zwischen 1,8 und 2 Millionen Euro. Bis zum November müssen sich die Teams für 2010 einschreiben und einen Teil der Einschreibegebühr von 120.000 Euro für zwei Fahrzeuge überweisen.
 
Das Wagnis Weltmeisterschaft käme in Wahrheit noch bedeutend teurer, wenn Ratel den Teams nicht für die ersten zwei Jahre einen großzügigen Unterstützungsplan zugesichert hätte. Jedes Team erhält bei den sogenannten Flyaway-Rennen zu fernen Kontinenten 15.000 Euro Antrittsgeld pro Fahrzeug, dazu zusätzlich elf Flugtickets sowie freie Fracht. Dieses Geld will Ratel bei den Rennstrecken und den ausländischen Vermarktern loseisen. Der Franzose fordert für jedes außereuropäische WM-Rennen ein Antrittsgeld von zwei Millionen Euro. „Ohne diese Zuschüsse für die Teams wäre es völlig unmöglich, die GT1-WM aufzubauen“, glaubt Konstrukteur Hans Reiter.
 
Nissan GT-R speziell für diese neue Fahrzeugkategorie entwickelt
 
Reiter verhandelt gegenwärtig mit fünf zum Teil äußerst namhaften Teams, die seine Rennwagen einsetzen wollen. „Ich schätze die Situation sehr positiv ein“, sagt der Bayer. „Wenn alles nach Plan läuft, dann werden die vier Murciélago LP670 SR-V von zwei Kundenteams eingesetzt. Dieses Szenario ist mir lieber, als die Autos selber einzusetzen. Wir würden die Teams jeweils mit einem Ingenieur sowie technischem Support an der Rennstrecke unterstützen.“ Nismo hat Ratel den Einsatz von vier GT-R-Rennwagen bereits zugesichert, zwei Wagen sollen vom bisherigen Entwicklungsteam Gigawave an den Start gebracht werden. Im Nismo-Team herrschte nach Ratels Präsentation in Spa Hochstimmung: Man wertete die Tatsache, dass aller Voraussicht nach mindestens fünf Marken in der WM vertreten sein werden, erleichtert als Bestätigung für die Aktivitäten in Richtung GT1-Kundensport - schließlich sind die Japaner die Einzigen, die ein Auto speziell für diese neue Fahrzeugkategorie entwickelt haben.
 
Auch das Matech-Team, das den Ford GT für die GT1-Klasse entwickelte, will vier Wagen an den Start bringen: „Wir werden selbst zwei Autos einsetzen, die beiden anderen Wagen werden von unserem Partnerteam Marc VDS eingesetzt“, so Matech-Boss Martin Bartek. Er darf sich weiter Hoffnungen auf eine verstärkte Unterstützung von Ford machen: John Fleming, CEO von Ford Europe, kam auf eine Stipvisite in die Ardennen. „Es ist großartig, dass das Matech Team mit dem Ford GT in der WM antreten wird“, unterstreicht Fleming. „Im Moment beobachten wir das Engagement nur, auch wenn wir kleine Hilfestellungen wie Windkanaltests geleistet haben. Wir werden auch weiter helfen wo wir können, aber die Wirtschaftslage lässt es im Moment nicht zu, dass wir uns größer engagieren, zum Beispiel als Sponsor.“
 
Notfallpläne für FIA Absage der alten GT1-Autos
 
Das zweite Ford-Team, Marc VDS, hat das Budget für 2010 bereits zusammengekratzt. „Unsere Partner Best Western Hotels und DHL werden einen Großteil des Budgets schultern“, so Marc VDS-Teammanager Jean-Michel Delport. „Wir kalkulieren mit einer Million Euro pro Auto, die Paydriver werden einen Teil der Kosten tragen.“ Sollte im unwahrscheinlichen Fall die FIA die Zulassung der alten GT1-Autos abschmettern, existieren Notfallpläne für ein größeres Engagement von Matech. „Wir haben Anfragen von Teams für den Fall, dass zu wenig Marken in der WM vertreten sind und somit mehr als die bisher maximal erlaubten vier Autos pro Marke eingesetzt werden können“, enthüllt Martin Bartek. Doch Stéphane Ratel hofft weiter, dass dies nicht notwendig sein wird.
 
Aller Voraussicht nach wird die FIA Anfang September die Umrüstung alter GT1-Autos auf den neuen Technikstand zulassen. Corvette-Teamchef Toine Hezemans gehört zu den Antreibern dieser Idee. „Ich habe zwei Autos und Tonnen von Ersatzteilen - und Ratel hat zu wenig neue Autos“, verrät der knorrige Niederländer. „Also habe ich Ratel vier Autos für die nächsten zwei Jahre zugesichert, wenn er sich für die Zulassung unserer Altwagen bei der FIA einsetzt.“ Der amerikanische Entwicklungspartner von Corvette, Pratt & Miller, hat bereits die Kosten hochgerechnet: 70.000 US Dollar oder 55.000 Euro soll der Umbaukit kosten, der Heckflügel, Frontsplitter, Diffusor, Kabelbaum und aerodynamische Detailmodifikationen beinhaltet. „Die vier Autos bekommen wir locker zusammen“, rechnet Hezemans vor, „schließlich befinden sich acht Corvette C6-R in den Händen europäischer Kundenteams.“
 
Einsatz nur mit Altmaterial möglich
 
Die Chancen auf Sponsorship für die WM-Saison schätzt Hezemans als mies ein: „Der Markt ist platt, wir fahren hier in Spa beim 24h-Rennen mit einem Mickey-Mouse-Budget.“ Hezemans will die Refinanzierung über Paydriver bewerkstelligen. „Das ist die einzige Chance, um an Geld heranzukommen.“ Corvette-Teamchef Patrick Selleslagh könnte die WM überhaupt nur dann bestreiten, wenn er seine alte Corvette weiter verwenden kann: „Mit einem günstigen Umbaukit und den Zuschüssen von Ratel könnte ich meine Corvette noch zwei Jahre einsetzen“, bestätigt der SRT-Teamchef.
 
Auch bei Aston Martin bietet sich eine Anpassung der GT1-DBR9 an die neuen Bedingungen an - schließlich sind genügend Fahrzeuge im Umlauf. Andererseits war der GT1-Renner nie ein Schnäppchen. Mit Anschaffungskosten in Höhe von 900.000 Euro und Einsatzkosten von 1,8 Millionen Euro pro Auto und Saison war Aston-Fahren schon immer ein besonders teures Vergnügen. „Mit den neuen Motorregeln, wonach Straßenmotoren mit Einheitssteuergerät verwendet werden müssen, würden sich die Einsatzkosten substanziell verringern“, glaubt Prodrive-Technikdirektor George Howard-Chappell. Andererseits hat die Preispolitik der Engländer in den letzten Jahren so viele Kunden verprellt, dass es schwierig werden dürfte, vier Fahrzeuge für 2010 zusammenzukratzen - auch wenn das GT3-Team Hexis Racing bereits vollmundig einen GT1-Einsatz für 2010 angekündigt hat.
 
Gerüchte um Einsatz von Maserati MC12
 
Am heftigsten lodert die Gerüchteküche beim Thema sechste Marke. Ratel könnte es sich einfach machen und auf Michael Bartels hören. Der hat Ratel vier Maserati MC12 zugesagt, wenn auch die Italiener die Chance erhielten, ihren Altwagen mit Modifikationen weiterzuverwenden. Doch Ratel hält diese Lösung für eher unwahrscheinlich „weil das nicht von der Technical Working Group und der GT Kommission der FIA entschieden werden kann. Die Sonderhomologation des nach dem Supercar-Reglement gebauten Maserati läuft 2009 aus. Deshalb müsste der FIA-Weltrat einen Maserati-Start per Sonderzulassung absegnen. Und abgesehen davon, dass von einer solchen Zulassung eine falsche Botschaft für die Zukunft ausgeht, hätte ich lieber ein neues Auto als ein altes“, bekennt Ratel.
 
Im Visier hat der Franzose Audi. Weil das führende Team in der GT-Meisterschaft von Michael Bartels eine stille Kooperation mit der Joest-Mannschaft pflegt, wähnen viele Insider Vitaphone Racing als Kandidaten. Zwar hat Audi in den letzten Wochen immer wieder die Möglichkeit eines GT1-Audi R8 in Abrede gestellt, doch erstens beweist das nichts, und zweitens nährt die hervorragende Darbietung beim 24h-Rennen in Spa, wo das Phoenix- Team bei einem „rein privaten“ Evaluierungstest einen eindrucksvollen dritten Platz im Gesamtklassement herausfuhr, die Spekulationen. So könnten Joest und Phoenix einen GT1-Kit für den R8 entwickeln und 2010 jeweils zwei Autos einsetzen. Ein waghalsiges Phantasieprodukt aus Journalistengehirnen?
 
Ferrari auf Basis des F430 ausgeschlossen
 
„Ich weiß nicht, wer auf dieses schmale Brett gekommen ist“, wehrt Michael Bartels ab. „Wir haben bisher keine Sekunde über einen Audi-Einsatz nachgedacht, und zwar aus verschiedenen Gründen. Erstens haben wir eine lange Kooperation mit Maserati und dem Fiat-Konzern. Diese Kooperation würden wir gern weiterführen, das hat Priorität. Es stimmt allerdings, dass eine Sondergenehmigung für den Maserati eher unwahrscheinlich ist. Denkbar wäre natürlich ein Fabrikatwechsel, Stichwort Ferrari. Aber darüber haben wir bisher weder mit Ferrari noch mit Michelotto gesprochen. Ich habe bei dieser Lösung meine Bedenken, denn der Ferrari hat einen zu hubraumschwachen Motor, um konkurrenzfähig zu sein, und das Nachfolgemodell steht auch schon in den Startlöchern. Also müsste Ferrari einen Upgrade-Kit für ein Jahr bauen - das ist wohl eher unwahrscheinlich. Und drittens: Sollte Audi einen GT1-Kit machen, so wären nicht wir erste Wahl für einen Einsatz, sondern Teams mit einer langjährigen Audi-Vergangenheit.“
 
Michele Rayneri, bei Ferrari zuständig für den kommerziellen Teil des GT2-Programms, hat in Spa klipp und klar erklärt: „Es wird kein GT1-Auto von Ferrari auf Basis des F 430 geben, weder vom Werk noch von unserem Technikpartner Michelotto.“ Es wäre natürlich eine böse Ironie des Schicksals, sollte das mächtige Vitaphone-Team der GT-Meisterschaft just in dem Moment den Rücken kehren, wenn die Serie das verdiente WM-Prädikat erhielte. „Wir wollen nicht den Teufel an die Wand malen“, beruhigt Bartels. „Wir suchen nach Lösungen - ich bin sicher, wir werden auch eine finden.“ Eines jener Teams mit langjähriger Audi-Vergangenheit ist Phoenix Racing. „Wir wollten mit unserem Einsatz beim 24h-Rennen in Spa überprüfen, wo wir im Vergleich zu den neuen GT1-Autos von Nissan und Ford stehen“, so Teamchef Ernst Moser. „Das Ergebnis ist hinreichend bekannt. Die notwendigen Modifikationen für die neue GT1-Klasse ließen sich mit überschaubaren Mitteln bewerkstelligen. Ich persönlich würde mir wünschen, wenn wir mit Audi 2011 in der WM starten könnten. Aber diese Entscheidung trifft allein Audi.“ Fakt ist: Wer jetzt noch auf den GT1-Zug aufspringen will, dem geht bald die Zeit aus. Die Schatten bis zum Saisonstart werden immer kürzer.
 

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