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Fiat 500 in den USA

Logenparkplatz in Motor City

Fiat 500, USA , Reportage,  Teil 6 Foto: Dani Heyne 6 Bilder

auto motor und sport kreuzt mit einem Fiat 500 durch Amerika. Im Teil 6 der Geschichte fahren wir nach Detroit.

11.02.2013 Dani Heyne

Der gut gefüllte Highway nach Motor City gibt ein trügerisches Bild. Der Fiat reiht sich brav zwischen neue und alte Modelle ein und schwimmt zum Zentrum der amerikanischen Autoträume. Detroit, das ist heiliges Land für jeden Autofan. Hier hat GM sein Markenimperium aufgebaut und war über Jahrzehnte größter Autohersteller, hier ganz in der Nähe hat Ford die ersten Fließbänder laufen lassen, hier lockte Chrysler Mercedes in eine wilde Ehe, hier wurde Amerikas erste Straße asphaltiert, hier wuchs die erste Stadtautobahn.

Die Modelle aus Detroit gaben Mitte des vergangenen Jahrhunderts modisch und technisch den Ton an und füllten die Kassen in Detroit bis zum Anschlag. Wohlstand dekorierte die Straßen, Wolkenkratzer und Vorstadtvillen. Irgendwann war all' das Geschäft wichtiger als die Talente von Automobilen - so verkamen sie in den letzten Jahrzehnten überwiegend zu charakterlosen Riesen und der Erfolg schrumpfte. Und trotzdem wäre in jenen Tagen ein Fiat 500 in Detroit sicher sanft belächelt worden, behutsam getätschelt wie der schwächste Welpe im Rudel, der eh nicht überleben wird.

Volle Breitseite

Der schleichende Niedergang von Motor City wurde durch die Bankenkrise extrem beschleunigt, das neue Land taumelte und Detroit bekam eine gefährliche Breitseite: Überall platzten Kredite, die Autoverkäufe brachen ein, die drei Giganten GM, Ford und Chrysler standen kurz vor dem Aus. Und mit ihnen Detroit. Erst fielen ein paar Schichten aus, dann wurden die Bänder angehalten, schließlich ganze Marken beerdigt. Tausende Menschen verloren ihre Jobs, ihre Häuser, ihren Glauben. Das Leben in Detroit, ohnehin schon beschädigt, brach zusammen - wer sich davon überzeugen will, steuert eines der kleinen zentrumsnahen Wohnviertel an. Hier stehen die Häuser wie im Bilderbuch nebeneinander. Kleine Villen mit viel Grün drum herum und Blick auf das Zentrum der Stadt. Die einstigen Traumimmobilien sind heute verlassen, notdürftig vernagelt, einige ausgebrannt, viele beschädigt. Die Menschen sind wie in schlechten Alienfilmen geflüchtet.

1950 lebten rund zwei Millionen Menschen in Motor City, heute sind es noch 800.000. So rollt der Fiat durch gespenstisch leere Straßen und trifft auf Menschen, denen es offensichtlich schlecht geht. Menschen, die keine Arbeit finden und trotzdem bleiben. Menschen, die dem kleinen Fiat zujubeln - genau genommen beklatschen sie die Flagge. Das Symbol von Auch-du-kannst-es-schaffen ist heute vielleicht wichtiger denn je.

Logenparkplatz

Nathan wohnt in einer dieser verlassenen Straßen, dicke Gitter vor den Fenstern, Flicken auf dem Dach. Sein Haus sieht weniger mitgenommen aus als die anderen - er pflegt es so gut er kann. Überhaupt scheint der junge Amerikaner nicht an Kraft verloren zu haben. Er sieht die Entwicklung als Chance: "In keiner amerikanischen Stadt ist momentan so viel möglich wie hier", fasst er zusammen und deutet in die Nachbarschaft, wo sich Freunde von ihm gerade eines dieser heruntergekommen Häuser gekauft haben. Für weniger als 15.000 Dollar. Eine Jugendherberge ist daraus geworden und im kommenden Frühling wollen sie einen großen Gemüsegarten eröffnen. Die Stadt, so sagt er, brauche solche Projekte, sonst gingen hier irgendwann die Lichter aus. "Ein anderes gutes Beispiel für Hoffnung ist euer kleiner Fiat und die Geschichte mit Chrysler", lächelt er und schlägt als Fotolocation ein Parkhaus vor, "das einmalig ist".

Zehn Minuten später kreuzt der 500 durch Downtown, auch hier hat die Stadt an Strahlkraft verloren, die einstmals schmucken Hochhäuser wirken grau, abgenutzt, müde. Im Michigan Building versucht der Hausmeister verzweifelt, die Beleuchtung des Foyers zu retten. Als wir ihn um Erlaubnis bitten, ins Parkhaus fahren zu dürfen, lehnt er genervt ab. Dann entdeckt er den Fiat, lächelt und lässt uns für zehn Minuten herein. Nach drei Kurven und zwei kurzen Steigungen können wir es kaum glauben. Der Fiat steht mitten in einem der ehemaligen Stadttheater, die Ränge rechts oben und der pompöse Stuck an der Decke belegen es einwandfrei.

Verrückt - das Wort beschreibt den Zustand von Detroit aktuell ziemlich genau. Die schlimmsten Tage scheinen vorüber und so langsam besinnen sich die Menschen darauf, eigene Projekte umzusetzen. An eine große Autozukunft glaubt hier keiner mehr. Dafür scheint so ziemlich alles möglich zu sein. Und die, die noch hier sind, haben längst verstanden, dass sie sich nur selbst helfen können.

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