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Fiat-Chrysler-Konzern

Die letzte Chance

Bernd Ostmann Foto: auto motor und sport 48 Bilder

Bernd Ostmann über den neuen Fünfjahresplan von Fiat-Chef Marchionne – der diesmal unbedingt aufgehen muss.

12.06.2014 Bernd Ostmann

Er ist berüchtigt für seine Zielvorgaben: Sergio Marchionne, der Fiat-Boss, hat für Alfa Romeo in den letzten zehn Jahren drei Planungen abgegeben – und alle in den Sand gesetzt. Die letzte gab es 2010 mit dem Ziel, dass Alfa Romeo, Chrysler und Jeep durch gemeinsame Synergien nachhaltig wachsen sollten. 2014 sollte Alfa Romeo eine halbe Million Fahrzeuge absetzen. Für Lancia versprach er immerhin 300.000 Einheiten. Fakt ist: Lancia ist praktisch tot. Und Alfa Romeo verkaufte 2013 mit zwei Modellen gerade mal 74.000 Autos.

Doch jetzt soll alles anders werden. Der hemdsärmelige Fiat-Boss, der seinen schwarzen Pullover dem feinen Sakko vorzieht, verkündete in Detroit einen neuen Fünfjahresplan. Bis 2018 sollen bei Alfa Romeo fünf Milliarden Euro investiert werden. Marchionne gibt sich selbstkritisch: "Wir haben aus den Fehlern gelernt, die Alfa Romeo unter meinen Vorgängern gemacht hat – und unter mir." Alfa werden künftig nur noch in Italien gebaut. "Es gibt Marken, die brauchen ein Zuhause." Bis 2018 sollen acht neue Autos entwickelt werden.

Bis Ende 2015 kommt das Mittelklassemodell Giulia, dann folgt die Alfetta, eine große Limousine zwischen Maserati Ghibli und Quattroporte. Es wird zwei SUV geben und einen Spider. Dazu noch zwei Kompaktmodelle und sicher eine Kombivariante der Giulia. Und was ist mit der Kooperation mit Mazda, wo auf Basis des MX-5 in Hiroshima eigentlich ein Alfa Spider entstehen sollte? Dieses Gemeinschaftsprojekt wird offensichtlich an Fiat und Abarth gehen.

Harald Westers Devise: Keine Kompromisse

Alfa soll künftig eng mit Maserati und Ferrari gekoppelt werden. Und Marchionnes Allzweckwaffe, der Deutsche Harald Wester, Entwicklungschef über alle Marken und gleichzeitig Alfa-Romeo- und Maserati-Boss, scheint sich im Konzern durchgesetzt zu haben. Lange war unklar, wie es bei Alfa Romeo weitergehen sollte. Marchionne hatte nur immer darauf hingewiesen, dass Alfa neben Maserati und Jeep eine der Säulen seiner neuen Premiumstrategie sein sollte. Im Konzern hatte es aber auch Zweifler gegeben. Sie hätten die Jetons lieber komplett auf Jeep gesetzt. Eine erfolgreiche SUV-Marke weiterzuentwickeln, schien ihnen leichter, als eine Zwei-Modell-Marke wie Alfa wieder neu zu beleben. Wester, der Alfa-Fan, der auf seinem Handy als Hintergrundbild einen Alfa 6C gespeichert hat, scheint sich durchgesetzt zu haben.

Der Entwicklungschef brachte bereits Maserati in die Spur. Nach dem neuen Quattroporte und dem Ghibli erzielte die Marke 2013 mit 15.400 Exemplaren einen Rekordabsatz. Jetzt folgen der Crossover-SUV Levante, danach der Sportler Alfieri als Coupé und Cabrio und schließlich ein neuer Gran-Turismo-Supersportwagen. Wie bei Alfa gibt es nur Heck- oder Allradantrieb. Dazu kommen neue Motoren: bei Alfa Vier- und Sechszylinder-Benziner zwischen 100 und 500 PS, dazu Vier- und Sechszylinder-Diesel zwischen 100 und 350 PS. Bei Maserati werden die Diesel zwischen 250 und 340 PS haben.

Die V6-Motoren haben eine Bandbreite von 350 bis 520 PS. Dazu gibt es einen V8-Benziner mit 560 PS. Westers Prämisse: keine Kompromisse. Dies gilt für Maserati und jetzt auch für Alfa Romeo. Deshalb werden die beiden Premiummarken auch eng mit Ferrari vernetzt. Maserati bezieht jetzt schon Motoren vom italienischen Sportwagen-Produzenten. Bei den Alfa-Topmotoren dürfte es ähnlich laufen. Denn Wester setzt auf "fortschrittliche, innovative Motoren". Dazu kommen eine "ausgewogene Gewichtsbalance von 50 : 50 zwischen Vorder- und Hinterachse", ein Set von "einzigartigen technischen Lösungen, ein konkurrenzloses Leistungsgewicht und dazu ein bahnbrechendes, überzeugendes italienisches Design".

Zwei ehemalige Ferrari-Entwickler und 200 Ingenieure arbeiten bereits an den neuen Modellen. Bis Ende 2016 soll das Entwicklungsteam auf 600 Mann aufgestockt werden. Und 2018 kommt das Jahr der Wahrheit: Wenn Marchionnes Plan aufgehen soll, dann wird Maserati 75.000 Exemplare jährlich verkaufen und eine Rendite von 15 Prozent einfahren. Bei Alfa Romeo erwartet der unkonventionelle Unternehmensführer einen Absatz von nur 400.000 Autos. Wir erinnern uns: Seine Planung für 2014 lag schon mal bei einer halben Million.

Dafür sind die Wachstumsziele beim dritten Premium-Standbein, bei Jeep, sehr ambitioniert: Verkaufte die amerikanische SUV-Marke 2013 noch 732.000 Wagen, so sollen es 2018 immerhin 1,9 Millionen sein. Und der gesamte Konzern? Der soll von 4,4 Millionen auf sieben Millionen wachsen. Marchionne, der Gambler, glaubt an seine Ziele. Er will den Erfolg auskosten und hat angekündigt, dass er als Firmenlenker bis 2018 an Bord bleiben wird.

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