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Fiat

GM steht bereit

Die Krise bei Fiat verschärft sich weiter. Die Investmentbank Mediobanca versuche, eine Kapitalerhöhung ohne den Firmenpatriarchen Gianni Agnelli (Foto) zu organisieren.

27.05.2002

Die Krise bei Fiat verschärft sich weiter. Die Investmentbank Mediobanca versuche, so italienische Medien am Wochenende, eine Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Firmenpatriarchen Gianni Agnelli (Foto) und seiner Familie zu organisieren. Sind die Banker erfolgreich, würde die Gründer-Familie nur noch einen zehnprozentigen Anteil an Fiat halten. Derzeit befinden sich noch 30 Prozent von Fiat im Besitz des Industriellen-Clans.

Fiat ist hoch verschuldet.

Der größte italienische Industriekonzern ist derzeit mit rund 33 Milliarden Euro verschuldet. Nach dem Willen der Gläubigerbanken soll Fiat durch Sparmaßnahmen, zu denen auch die Entlassung von 6.000 Mitarbeitern zählen, und den Börsengang der zu Fiat gehörenden Sportwagen-Schmiede Ferrari seine Finanzlage bis Jahresende wieder konsolidieren. Im Gespräch sind auch die Veräußerungen einiger Unternehmensbeteiligungen, im Gesamtwert von rund zwei Milliarden Euro. Wie das "Handelsblatt" am Montag (27.5.) berichtet, würden die entsprechenden Maßnahmen nur schleppend umgesetzt - potenzielle Käufer nutzten die missliche Situation, um die Preise zu drücken. Hinzu kommt, dass die Banca d´Italia, der als Zentralbank auch die Oberaufsicht über das italienische Bankenwesen zusteht, offenbar den Fiat-Hausbanken untersagt hat, dem angeschlagenen Konzern weitere Kredite zu gewähren. Hintergrund dieser Aktion sind negative Signale seitens der Ratingagenturen S&P und Moody´s.

Doch während die Vorstände der größten Gläubigerbanken in Turin über Lösungen der Miesere beraten, nahm die Familie-Agnelli nur in Person des Gianni Agnelli-Vertrauten Gabriele Gallateri an den Beratungen teil. Der inzwischen 82-jährige Patriarch hält sich derzeit in den USA auf, wo er sich wegen seines Prostataleidens behandeln lässt. Auch die Leitung des Fiat-Konzerns war im Turiner Krisengipfel nicht involviert. Kein Wunder, denn schließlich gilt Konzernchef Paolo Cantarella, der mit einer Agnelli-Nichte verheiratet ist, als Teil des Problems.

Fiat-Boss ist Teil des Übels

Cantarella hatte in seiner einstigen Funktion als Präsident von Fiat Auto eine überzogene Investitionsplanung gefahren und damit Überkapazitäten aufgebaut, deren Kosten nun auf dem Konzern lasten. Außerdem sieht sich der oberste Fiat-Lenker immer noch als Chef-Entwickler. Nicht einmal ein Jahr vor Start des Fiat Stilo hatte Cantarella veranlasst Heckleuchten und Fahrwerk des Neulings zu ändern. Und auch der Rauswurf des talentierten Alfa-Designers Andreas Zapatinas erfolgte auf Betreiben Cantarellas.

Reaktion der Börse: Die Fiat-Aktie fällt und fällt. Die Verluste im Auto-Geschäft können die anderen Konzern-Bereiche – Lastwagen, Luft- und Raumfahrt, Versicherungen und Landmaschinen – nicht mehr ausgleichen. Gerade im Autogeschäft geht es weiter bergab und die Marken der Division Fiat Auto (Fiat, Lancia und Alfa Romeo) verlieren zunehmend Marktanteile. Konnte Fiat Auto im Jahr 2000 in Westeuropa noch zehn Prozent des Marktes für sich verbuchen, waren es im ersten Quartal 2002 nur noch 9,3 Prozent. Noch dramatischer sieht es in Italien aus: von ehemals 35,5 Prozent im Jahr 2000 sind im ersten Jahresviertel diesen Jahres nur noch 33,3 Prozent geblieben.

Jahrelanger Betrug bei Zulassungszahlen

Ein Einbruch, der sich sicherlich nicht mit Zahlenakrobatik bekämpfen lässt. Wie Fachmedien berichten, hat Fiat jahrelang die europäischen Zulassungszahlen gefälscht. Neuwagen wurden in Italien registriert und anschließend nach Deutschland gebracht, wo sie erneut als Neuwagen gezählt wurden. Manches Auto sei auf diese Weise in drei verschiedenen Zulassungsstatistiken eingegangen. Von den 380.000 Fiat-Fahrzeugen, die Ende 2001 bei den europäischen Fiat-Händlern gestanden haben, seien 100.000 registrierte "Null-Kilometer-Autos" gewesen, berichtet eine interne Fiat-Studie.

Sollte sich der kränkelnde Patient Fiat nicht bald auf dem Weg der Genesung befinden, wird sich der Konzern doch noch von seiner Autosparte trennen müssen. Als Käufer steht US-Autoriese General Motors (GM) bereits in den Startlöchern. Die Amerikaner besitzen bereits 20 Prozent von Fiat Auto. Der Joint-Venture-Vertrag zwischen Fiat und GM räumt dem größten Autokonzern ein Vorkaufsrecht ein. Für den großen alten Mann bei Fiat, Gianni Agnelli, wäre dies eine schmerzliche Stunde – für das Unternehmen möglicherweise der einzige Weg wieder auf die Beine zu kommen.

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