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Fiat Ritmo S85 Supermatic

Supermatic-Rhythmus im Blut

Fiat Ritmo S85 Supermatic, Seitenansicht Foto: FACT 17 Bilder

Andreas Hellmann aus Flörsheim bei Frankfurt bereicherte die Youngtimer-Szene um eine Rarität. Durch Zufall stieß er auf einen maroden, aber seltenen Fiat Ritmo S85 Supermatic und brachte ihn mit überschaubarem Aufwand auf die Straße.

23.10.2013 Bernd Woytal Powered by

Er hat Rhythmus im Blut und jede Menge davon in der Garage. Andreas Hellmann schwärmt für das Ende der 70er Jahre von Fiat auf den Markt gebrachte Kompaktmodell Ritmo, zu deutsch Rhythmus. Warum er sich ausgerechnet auf dieses Modell eingeschossen hat, kann er leicht beantworten: "Mein erstes Auto war ein Ritmo."

Fiat Ritmo statt Uno

Damals, genau gesagt im Jahr 1987, wollte er eigentlich einen Uno. Doch die kosteten relativ viel Geld, weshalb der Vater ihm einen Fiat Ritmo kaufte, der gerade auf dem Hof eines Fiat-Händlers als "Rentnerrückläufer" stand, wie der Verkäufer sich ausdrückte.

Die Fahreigenschaften der italienischen Limousine beeindruckten den Führerscheinneuling nachhaltig. Wie sehr, das stellte sich erst viele Ritmofreie Jahre später heraus, als ein am Straßenrand parkendes Ritmo Cabrio ihn plötzlich wieder an die alten Zeiten erinnerte.

"Was solche Autos in gutem Zustand heute wohl kosten, und ob es sie überhaupt noch gibt?" fragte sich Hellmann und durchstöberte neugierig die Autobörsen im Internet. Prompt fand er ein interessantes Objekt unweit seines Wohnorts, dem er letztlich nicht widerstehen konnte. So begann vor gut zehn Jahren die zweite Fiat Ritmo-Ära seines Lebens, deren Ende noch nicht in Sicht ist.

Supermatic ist so selten, das es nicht mal ein Prospekt gibt

Im Gegenteil: Mit der Zeit gesellten sich weitere Ritmo dazu. Nebenbei sammelte der Maschinenbau-Ingenieur auch Ersatzteile und Erfahrungen als Hobby-Schrauber, denn er restaurierte zum Beispiel mit viel Aufwand einen Fiat Ritmo Super 75, Sondermodell Gala.

Klar, dass er stets ein wachsames Auge auf alle Angebote im Internet richtet, die etwas mit Ritmo zu tun haben. Dabei stieß er vor vier Jahren zufällig auf einen in Freiburg zum Verkauf stehenden Fiat Ritmo Automatik. Weil er in Kürze in die Schweiz musste, wollte er sich das Auto einfach mal ansehen.

Diese Idee erwies sich als Glücksfall, denn bei dem Auto handelte es sich um ein sehr rares Sondermodell Fiat Ritmo S85 Supermatic. "Von dem hatte ich zuvor nur gelesen, aber noch nie eines live gesehen", sagt Hellmann begeistert und fügt hinzu: "Davon gab es noch nicht mal einen Prospekt."

Karosserie recht gut, Rest übel mitgenommen

Kein Wunder, dass er sich diese Gelegenheit nicht entgehen ließ - allein schon, um seine Sammlung zu komplettieren. Ein Fähnchenhändler hatte den roten Automatik-Ritmo im Auftrag seiner Nachbarin angeboten. Der Fiat Ritmo war bedingt fahrbereit und technisch sehr angeschlagen. "Die Bremsen quietschten und waren teilweise fest, die Lenkung völlig ausgeschlagen, die Tankschläuche zugequollen, der Motor lief nicht richtig und vieles mehr" fasst Hellmann einige der Mängel zusammen.

Doch, und das ließ hoffen, die Karosserie des Fiat Ritmo präsentierte sich in einem relativ guten Zustand. Denn wie jeder weiß, zierten damals nur allzu schnell kräftige Rostblüten das schicke Ritmo-Kleid. "Besonders die Winter haben den Wagen sehr zugesetzt", weiß Hellmann.

Zwar wies auch das Kleid seines Supermatic-Ritmo Korrosion an den typischen Stellen auf, aber eben nicht so intensiv. Als typisch gilt alles ab der A-Säule nach hinten - wie die Schweller, die hinteren Radläufe, der Übergang vom Radhaus zum Unterboden oder der Bereich unter den Vordersitzen. Letztere Partie bezeichnet Hellmann als Sollroststelle des Fiat Ritmo, denn die dort mehrfach übereinanderliegenden Bleche bieten dem Rostfraß optimale Bedingungen.

Großes Ersatzteillager

Der Zustand des Fiat Ritmo stellte also eine Restaurierung mit überschaubaren Kosten in Aussicht. Der Ritmo-Fan demontierte zunächst alle Anbauteile wie Stoßstangen, Scheinwerfer und Rückleuchten. Zwar besitzt er nicht das Geschick eines Profis, doch mit der nötigen Geduld und ein wenig Überlegung kommt er mit dem Schrauben ganz gut klar.
Zudem kann er beim Demontieren der Zierleisten oder der Seitenfenster relativ entspannt vorgehen, denn über die Jahre hinweg haben sich etliche Ersatzteile aus Schlachtfahrzeugen angesammelt, auf die er bei Bedarf zurückgreifen kann. Nur ans Schweißen und Lackieren wagt er sich nicht. "Ich habe einmal vor Jahren zugesehen, wie ein Radlauf ausgeschnitten und ein neuer eingeschweißt wurde und dann entschieden, dass mir dazu das nötige Knowhow fehlt. Außerdem benötigt man ja schließlich auch das entsprechende Werkzeug."

So beschränkt er sich darauf, den vorhandenen Oberflächenrost wegzuschleifen, die Stellen, an denen Bleche eingeschweißt werden müssen, zugänglich zu machen beziehungsweise diese vorzubereiten, und erforderliche Reparaturbleche für seinen Fiat Ritmo zu besorgen, sofern sie verfügbar sind.

Günstige Ersatzteile

Wie bereits erwähnt war die Korrosion an seinem Automatik-Ritmo noch nicht allzu weit fortgeschritten. Der 43-Jährige vermutet deshalb, dass die Vorbesitzerin den Wagen stets an einem gut belüfteten Ort geparkt hat, vermutlich in einem Carport. Das würde auch erklären, warum das Heck des Fiat Ritmo mehr Sonne abbekommen hatte als die Front, was sich aus dem Zustand der Kunststoffstoßstangen ableiten ließ, die unterschiedlich stark verblichen waren.

Während also die Reparatur der Rostschäden und der Beulen sowie das Lackieren von einem Fachbetrieb übernommen wurde, nahm Hellmann die Arbeiten an der Technik des Fiat Ritmo selbst in die Hand. Ein großer Vorteil ist dabei die gute Ersatzteilversorgung. "Bei Dingen wie Benzinpumpe, Wasserpumpe, Thermostat oder Lichtmaschine schaue ich erst gar nicht, ob sie funktionieren. Die erstehe ich neu für einen kleinen Betrag bei Ebay", sagt er.

Auch eine neue Lenkung ließ sich auf diesem Weg für etwa 80 Euro beschaffen. Doch es gab noch mehr zu tun. Weil sich der Vergaser nicht mehr einstellen ließ, machte sich Hellmann an dessen Überholung. Wobei er wieder feststellen musste, dass zwar Etliches an Technik-Literatur existiert, aber nicht für jedes Modell alle Details dokumentiert sind - wie etwa die Düsenbestückung des Vergasers bei diesem Fiat Ritmo-Sondermodell.

Elektrik macht dem Ruf des Ritmo alle Ehre

Der Motor selbst wurde nur abgedichtet und gereinigt, allerdings musste das Kraftstoff-System wegen der zugequollenen Schläuche und eines maroden Tanks komplett erneuert werden. Auch die Bremsanlage wurde total revidiert.

Oft eine Quelle des Verdrusses ist die Elektrik des Fiat Ritmo, zu der bei den Super-Versionen ein Check-Panel gehört, das zum Beispiel defekte Glühbirnen meldet. Der Hobby-Restaurierer prüfte alle Kabel und Verbindungen, um mögliche Kontaktschwierigkeiten auszuschließen. Im Gegensatz zu seinen bisherigen Erfahrungen entsprachen bei diesem Auto zu seiner Freude "die Verkabelung und alle Farben der Kabel dem Schaltplan".
Der Zusammenbau nach der Lackierung war für ihn eine leichte Übung. Da er aber in die Umweltzone von Frankfurt fahren wollte, entschloss er sich, den Fiat Ritmo mit einem geregelten Katalysator nachrüsten zu lassen.

Mittlerweile hat der Fiat Ritmo auch ein H-Kennzeichen, weshalb Hellmann Erlebnisse wie das vor zehn Jahren wohl künftig erspart bleiben: "Damals hatte ich einen Ritmo zu einer Klassik-Veranstaltung angemeldet - als ich ankam, wurde ich abgewiesen."

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