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Fiat wankt - Opel bangt

Die Krise bei Fiat lässt auch bei den Opel-Beschäftigten und Teilen des Managements die Alarmglocken schrillen.

14.10.2002

Die Krise bei Fiat lässt auch bei den Opel-Beschäftigten und Teilen des Managements die Alarmglocken schrillen. Die angekündigten Massenentlassungen bei Italiens größtem Industriekomplex hat nicht nur Schockwellen von Turin bis Sizilien ausgelöst. Auch in Rüsselsheim und Bochum mehren sich die Sorgen, von dem wankenden Auto-Riesen getroffen zu werden.

Ein Sanierungsfall ist für GM genug

"General Motors (GM) darf sich jetzt nicht einmischen", warnt Opel-Betriebsratschef Klaus Franz. Falls die amerikanische Opel-Mutter - wie in Italien heftig spekuliert - Fiat vollständig übernehme, wären Milliarden zur Sanierung notwendig. "Wir können uns aber keinen zweiten Sanierungsfall leisten", mahnt Franz, der zugleich oberster Arbeitnehmervertreter aller europäischen GM-Beschäftigten ist. Bei Opel muss schon jetzt ein finanzieller und personeller Kraftakt geleistet werden, um die angeschlagene Marke aus dem Absatztief zu ziehen.

Aber auch in Teilen des Opel-Managements wird mit Skepsis die Entwicklung jenseits der Alpen beobachtet. "Jetzt wird erst deutlich, wie marode Fiat ist." Es bestehen sogar Befürchtungen, die ganze Wahrheit über den einstigen "Staat im Staat" liege noch nicht auf dem Tisch. Die Ankündigung, angesichts ständig schwindender Marktanteile in Europa fast 25 Prozent der Fiat-Autobelegschaft zu entlassen und zwei Fabriken zu schließen, löst in Rüsselsheim keineswegs die Schadenfreude eines Konkurrenten aus.

Auf vertrackte Weise ist das Schicksal beider europäischer Autohersteller schmerzlich verbunden. Vor zwei Jahren hatte GM 20 Prozent der Fiat-Autosparte erworben sowie weit reichende Kooperationen für Europa unterzeichnet. Zugleich wurde vertraglich fixiert, dass zwischen Januar 2004 und Ende 2009 die restlichen 80 Prozent von GM gekauft werden müssen, wenn die Familie Agnelli dies anbietet. Insofern hat derzeit ausschließlich Fiat das Heft in der Hand, GM in Detroit hält sich zurück, und der Opel-Vorstand ist zum Schweigen verdammt.

Die Gegner einer möglichen Fusion Opel-Fiat verweisen auf die riesigen Überkapazitäten bei den Italienern sowie den bereits gemeinsamen Fabriken für Motoren und Getriebe. Auch sei völlig unklar, welche Zielgruppen die Marken Fiat, Alfa Romeo und Lancia sowie Opel, Vauxhall (in Großbritannien) sowie Saab bedienen sollen. Beide Autogruppen sind direkte Konkurrenten. Warnende Beispiele müssten schon die Milliardenverluste bei den Übernahmen von Rover/BMW, Chrysler/Daimler und Nissan/Peugeot-Citroen sein.

Fiat und Opel: Europas Nummer 1 auf einen Schlag

Doch im GM-Imperium gibt es auch gegenteilige Positionen. Sie können sogar auf die traditionelle Philosophie - Wachstum durch Zukauf - verweisen. Der Einstieg in Deutschland fand 1929 auf diese Weise statt. Fiat und Opel zusammen wären in Europa auf einen Schlag die Nummer eins - noch vor Volkswagen. Damit entstünde eine gigantische Einkaufsmacht. Auch für Standorte und Fabriken böte sich ein "verführerisches Monopoly". Die produktivsten Fabriken in Europa könnten ausgewählt und die alten und teuren Werke dicht gemacht werden.

Die Amerikaner wollen bei der ersten großen Entlassungs- und Schließungswelle bei Italiens nationalem Wirtschaftssymbol aber keinesfalls die Verantwortung tragen. Nach bitteren Einschnitten und mehreren Schönheitsoperationen könnte Fiat 2004 vom großen Retter aus Übersee übernommen werden. Letztlich liegt die Entscheidung über den Zeitpunkt allerdings bei Fiat. Für eine raschere Liaison müsste nach Branchengerüchten die Braut noch mit Ferrari als Mitgift versehen werden.

Die roten Renner von Maranello sowie Maserati sind in der Verkaufsoption nicht enthalten. Dass Fiat einschließlich Lancia und Alfa Romeo mit einem Marktanteil in Westeuropa von nur noch gut acht Prozent und ohne US-Export unabhängig bleiben kann, schließt die Autowelt selbst bei einer staatlichen Beteiligung aus.

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