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DeLorean DMC-12 - der Star aus Zurück in die Zukunft

Flügellahmer Edelstahlsportler

DeLorean Motor Company Foto: Archiv, LAT 22 Bilder

DeLorean DMC-12 - Klaus Westrup erinnert sich an den edelstahlbeplankten Möchtegernsportler: Ein Auto mit Flügeltüren steht vor der Tür, aber es ist nicht der Flügeltürer. Es ist ein Sportwagen, eine metallisch schimmernde Flunder, gerade mal 114 Zentimeter hoch.

17.11.2010 Klaus Westrup Powered by

DeLorean - der Name hat einen exotischen Klang. Nur De Tomaso klingt noch verwegener. Ein ehemaliger General Motors-Manager, in den siebziger Jahren Boss der Chevrolet Division, hat dem Viermeterdreißig-Coupé seinen Namen gegeben.

DeLorean - ohne Lack, aber mit spektakulären Flügeltüren

Der eitle, wie ein Dressman wirkende John Zacharias DeLorean träumt von einem eigenen Sportwagen, den er bei GM nicht verwirklichen kann. Dort hat man ja schon den Camaro und die berühmte Corvette. DeLorean stellt Ende der Siebziger mit eigenem, bei GM verdienten Geld einen ersten Prototypen auf die Räder.

Die Suche nach einer geeigneten Produktionsstätte endet im nordirischen Belfast, wo es eine Arbeitslosenquote von 25 Prozent gibt und wo sich die zuständige britische Regierung bereit erklärt, 260 Millionen Mark beizusteuern - noch nicht wissend, dass dieses Auto, der DeLorean DMC-12, keinen Erfolg haben wird. Eine auch finanziell aufwendige Lackiererei spart sich DeLorean. Er lässt die Flunder mit dem eigenen Namen aus rostfreien Karosserieblechen zusammenbauen. Der optisch ungewöhnliche Metallic-Effekt ganz ohne Lackierung soll für einen zusätzlichen Appeal des DeLorean DMC-12 sorgen. Doch die hauptsächliche Attraktion bleiben natürlich die nach oben öffnenden Türen. DeLorean will wenigstens etwas vom Glanz der Mercedes- Ikone namens 300 SL abhaben, auch wenn das Auto alles andere als ein 300 SL ist.

Sportwagen ist anders - der Euro-V6 kann wenig begeistern

Der längs hinter der Hinterachse im DeLorean DMC-12 eingebaute Sechszylinder ist ein kreuzbraves Limousinen-Triebwerk, das normalerweise im Renault 30 und Peugeot 604 zum Einsatz kommt. Im DeLorean leistet der auch als Europa-Motor bekannte, 2,8 Liter große V6 genau 132 PS bei 5.500 Umdrehungen, das maximale Drehmoment beträgt 220 Newtonmeter bei knapp 3.000 Touren. Schon in den französischen Limousinen erweist sich die Maschine als nicht besonders temperamentvoll, doch nun, im DeLorean DMC-12, sind die Maßstäbe ganz andere - nicht zuletzt wegen der Flügeltürer-Assoziationen.

Genau elf Sekunden registriert die strenge Testabteilung für die Beschleunigung des DeLorean DMC-12 von null auf Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 198 km/h. Man muss sich also seine Gegner sorgfältig aussuchen, ein Golf GTI sollte möglichst nicht dabei sein. Enttäuschung macht sich breit, zumal das Triebwerk auch per se keinen großen Spaß bereitet. Nur mühsam dreht es über 5.000 Touren, die Geräuschentwicklung ist monoton, ein Sound des DeLorean DMC-12 einfach nicht vorhanden. 

Komfortabel ausgestatteter Flügeltürer

Auch sonst stellt sich nur geringes Wohlbefinden im DeLorean DMC-12 ein. Die nur dem Schaueffekt dienlichen Flügeltüren wippen nach dem Öffnen bedrohlich stark und geben den Blick frei auf die schlechte Verarbeitung des Türmechanismus. Ebenso sind die Sichtverhältnisse nach vorn und hinten unbefriedigend, nicht zuletzt aufgrund einer ungewöhnlich tiefen Sitzposition. Die Seitenscheiben des DeLorean DMC-12 lassen sich konstruktionsbedingt nur zur Hälfte öffnen - da bleibt als kümmerlicher Trost der Gedanke an den wahren Flügeltürer, der über winzige Schiebefensterchen verfügt und seiner elitären Besatzung im Sommer einen Saunabesuch erspart.

Schwitzen muss aber niemand im DeLorean DMC-12 . Eine Klimaanlage zählt ebenso zur Serienausstattung wie die Zentralverriegelung, die Lederausstattung, eine Lenkradverstellung plus Radio mit Kassettenteil. Die Lenkung arbeitet servounterstützt, dennoch muss man kräftig hinlangen, auch Kupplung und Bremse fordern hohe Betätigungskräfte. Mit über 13 Metern ist der Wendekreis des optisch so aufregenden DeLorean DMC-12 extrem groß, Rangieren reine Qual. Wo bleibt er nur, der heiß ersehnte Fahrspaß?

Von Lotus optimiertes Fahrwerk

Die Leute schauen hin, wenn man mit dem DeLorean DMC-12 ankommt, gewiss, der sicher auch vom Besitzer erwünschte Show-Effekt tritt tatsächlich ein. Dass sich hinter den durchaus gelungenen Proportionen und den aufregenden Flügeltüren ein Möchtegern-Bolide verbirgt, ahnt so schnell niemand. Immerhin steht auf der Habenseite des DeLorean DMC-12 noch ein gelungenes Fahrwerk, das freilich mit dem müden Motor auch nicht überfordert wird.

Unter der Mitwirkung von Lotus-Ingenieuren ist es gelungen, dem DeLorean DMC-12 eine gute Straßenlage anzuerziehen. Das durch den Heckmotor konzeptionsbedingte Übersteuern tritt erst bei sehr hohen Kurvengeschwindigkeiten auf und lässt sich mit der exakten Servolenkung gut unter Kontrolle halten, etwas Geschicklichkeit in dieser Angelegenheit natürlich vorausgesetzt. Die Federung des DeLorean DMC-12 ist straff, der Abrollkomfort schlecht. Einem wahrhaftigen Sportwagen nimmt man so etwas nicht übel, ihm dagegen schon. Er ist ein reines Showgeschäft auf Rädern und mit einem Kaufpreis von ehemals 75.000 Mark alles andere als preisgünstig.

Der Hingucker bleibt ein Ladenhüter

Wer soll den DeLorean DMC-12 kaufen? Sogar die der Schau auf Rädern grundsätzlich nicht abgeneigten Amerikaner halten sich überraschend stark zurück. Mit einem US-Preis von 25.000 Dollar ist ihnen das eigenwillige Coupé zu teuer und zu unsolide gebaut. Ursprünglich sollten 3.000 Arbeiter 30.000 DeLorean DMC-12 pro Jahr fabrizieren, doch auch Rückruf-Aktionen und kostspielige Nacharbeiten lassen die ehrgeizigen und selbstgefälligen Pläne vorzeitig scheitern. Selbst das auffällig unauffällige Edelstahl-Kostüm wird von der potenziellen Kundschaft nicht goutiert. Amerikanische Händler lackieren die einsam auf den Höfen parkenden, unverkauften DeLorean DMC-12, auch dies letztlich vergebliche Liebesmüh.

Nach Kurzarbeit, Entlassungen, weiteren finanziellen Zuschüssen der britischen Regierung und anschließender Zwangsverwaltung wegen Zahlungsunfähigkeit kommt Anfang der Achtziger das endgültige Aus für DeLorean. Als wäre es ein Omen, verabschiedet sich auch der Testwagen-DeLorean DMC-12 im idyllischen Schefflenztal nahe Heilbronn mit einer plötzlichen Motorpanne. Weiterfahren mit eigener Kraft ist nicht möglich, der Abschleppdienst muss anrücken. "Ist das der Flügeltürer?", fragt der Mann mit der Latzhose beeindruckt. "Nein", antworte ich wahrheitsgemäß, "er hat nur Flügeltüren."

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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