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Firmenwagen

Was bringt die Gehaltsumwandlung?

Arbeitgeber bieten immer öfter Dienstwagen an Stelle einer Lohnerhöhung an. Statt den Geldbeutel aufzufüllen, stecken die Firmen das Geld in die Finanzierung eines Neuwagens. Das Ganze läuft unter dem Begriff "Gehaltsumwandlung". Für beiden Seiten kann das ein lukratives Geschäft sein, weil dadurch Abgaben an den Staat gespart werden. Worauf zu achten ist, erklärt der Ratgeber.

10.01.2008

Wenn Unternehmen in der Vergangenheit ihre Mitarbeiter motivieren wollten, dann griffen sie häufig nur zum Instrument der Gehaltserhöhung. Doch Zeiten ändern sich: Heute verlangt die Belegschaft mehr als das, wie die Universität Magdeburg in einer internationalen Studie herausfand. Während in Japan die Auszeichnung "Mitarbeiter des Monats" als Anreiz geschätzt wird, müssen es in den USA schon Aktienoptionen sein. Die Deutschen denken praktisch. Sie begehren einen Dienstwagen.

Viele Unternehmen haben das bereits erkannt und bieten Firmenautos nicht mehr nur den Führungskräften oder dem Außendienst an. Immer öfter umfasst das Programm auch Autos für bislang nicht berechtigte Angestellte - Privatnutzung inklusive. Doch eine kostenlose Dreingabe wie bei den Führungskräften ist der Wagen in der Regel für normale Bedienstete nicht. Je tiefer man in der Hierarchie geht, desto höher ist der Anteil arbeitnehmerfinanzierter Dienstwagen.

An dieser Stelle kommt das so genannte Gehaltsumwandlungs-Modell ins Spiel. Statt Lohnerhöhung wird ein Firmenwagen gestellt. Das Unternehmen zahlt weniger Lohnnebenkosten, fanden die Wirtschaftsprüfer von Deloitte & Touche heraus. Sie haben an einem Beispiel errechnet, wie hoch eine Gehaltserhöhung ausfallen muss, damit der beschäftigte mit Privatauto einem Dienstwagen-Nutzer gleichgestellt ist. Der Unterschied macht mehrere hundert Euro aus. Auch für den Arbeitnehmer kann es ein lukratives Geschäft sein. Einerseits spart er Lohnsteuer und Sozialabgaben, anderseits muss er keinen Privatwagen unterhalten.

Leasingfirmen haben den Trend entdeckt

Immer mehr Firmen setzen zur Mitarbeitermotivation bereits das Gehaltsumwandlungsmodell ein. Die Marktbeobachter von Dataforce stellten in einer Untersuchung fest, dass schon bis zu 20 Prozent der Unternehmen, die eine Flotte betreiben, zu dieser Dienstwagen-Finanzierung greifen. Selbst Leasingfirmen haben den Trend erkannt. Da die Autos meist nicht bar bezahlt werden, wittern sie ein Geschäft. Einige Institute wie zum Beispiel Athlon (www.lease2motivate.de) oder die Deutsche Leasing (www.deutsche-leasing.de), aber auch Autovermieter Sixt (www.sixt.de) bieten im Internet Gehaltsumwandlungsrechner an. Damit sollen Arbeitnehmer und -geber errechnen können, was sie im Monat sparen können.

"Das ersetzt aber nicht den Fachmann", sagt die Steuerexpertin Elisabeth Comes von Deloitte & Touche. Denn ob sich die Dienstwagenfinanzierung lohnt, hängt von vielen Faktoren ab. Steigen zum Beispiel die Krankenkassen- und Rentenbeiträge, verliert das Modell besonders für Arbeitgeber an Reiz. Ihre Ersparnisse schmelzen gegenüber der Lohnerhöhung dahin.

Aber auch für die Beschäftigten kann das Konzept schnell an Attraktivität verlieren. Comes: "Am besten sollte ein Fachmann auf den Dienstwagenüberlassungsvertrag schauen, bevor man sich entscheidet." Der Steuerberater muss vor allem prüfen, ob die Sozialversicherungsträger der Gehaltsumwandlung zustimmen. Unter Umständen erkennen sie das Modell nicht an, da sie befürchten, dass dadurch Einnahmen verloren gehen. Somit gibt es auf Seiten der Sozialkosten keine Ersparnisse, und der Dienstwagen-Traum platzt wie eine Seifenblase.

Ein Dienstwagen kann schnell zu teuer werden

Gleichzeitig muss der Experte auch vertragliche Aspekte genau begutachten. Hier können ebenfalls Fallen für den Angestellten versteckt sein. So wälzen Arbeitgeber gelegentlich alle Rechte und Pflichten aus dem Vertrag mit dem Leasinggeber auf den Arbeitnehmer ab. Es besteht die Gefahr, dass der Fiskus hierin kein klassisches Firmenauto mehr erkennt. Im Klartext: Der Beschäftigte muss im schlimmsten Fall neben den Privat- auch die Dienstfahrten versteuern.

Das könnte teuer werden. "Einige Pflichten wie etwa das Restwertrisiko des Autos sollten bei der Firma verbleiben, es muss am Ende vom Arbeitnehmer ohne Nachzahlungen abgegeben werden können", sagt Comes und rät: "Arbeitgeber sollten den Dienstwagen-Überlassungsvertrag und die Dienstwagenordnung mit dem Finanzamt abstimmen."

Und noch etwas ist zu klären: Die Kosten für den Arbeitnehmer hängen entscheidend von der Neuwagenauswahl ab. Viele übertreiben es an dieser Stelle, sagt Angela Böhm vom Marktbeobachter Dataforce. "Während der Privatkunde als Erstes auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achtet, steht beim Dienstwagen oft die Marke im Vordergrund." Ist der Neuwagen zu teuer, kann der geldwerte Vorteil die angedachte Lohnerhöhung übersteigen. "Einige Firmen erlauben daher nur, einen gewissen Teil des Gehaltes umzuwandeln," sagt Branchenkennerin Böhm. Der Ratgeber Dienstwagenmanagement 2007 (www.faz-institut.de) empfiehlt hierzu, dass der Umwandlungsbetrag maximal 30 Prozent des Nettolohnes betragen sollte.

Auf die richtige Kfz-Finanzierung kommt es an


Der Weg zum Unternehmen spielt ebenfalls eine Rolle: Wer das Fahrzeug auch privat nutzt, muss nicht nur ein Prozent des Listenpreises versteuern, sondern zuzüglich noch 0,03 Prozent des Listenpreises pro Kilometer für den Arbeitsweg jeden Monat. Liegt die Firma nun weit vom Wohnort entfernt, wirkt sich dies ebenfalls negativ auf die Rechnung aus. Einziger Ausweg ist in diesem Fall das Führen eines Fahrtenbuches. Hier wird nur der tatsächliche private Gebrauch des Autos berücksichtigt, die Pauschalmethode findet dann keine Anwendung mehr. Das spart unter Umständen viel Geld.
Obendrein kann noch die Kfz-Finanzierung dazu beitragen, dass sich das Gehaltsumwandlungsmodell nicht mehr lohnt. Übergeben wird der Dienstwagen in der Regel in Form eines Lasingvertrages - dessen Rate alles abdecken soll wie Versicherung, Kfz-Steuer, Wartung, Reparatur oder meist auch den Kraftstoff. Fällt diese Belastung nun gering aus, wirkt sich dies positiv auf die Gesamtrechnung aus - wovon besonders der Arbeitgeber einen Nutzen hat. Er muss schließlich die Rate tragen.
Aber auch für den Beschäftigten ist die Höhe der monatlichen Leasingzahlung nicht unerheblich. Ist das Auto am Privatmarkt günstiger zu finanzieren, kann die Lohnerhöhung und die Anschaffung eines Fahrzeugs aus eigenen Mitteln die bessere Wahl sein. Auch das ist zu beachten. Daher ist eine gute Planung im Vorfeld unerlässlich. Ansonsten kann der Dienstwagen für den Beschäftigten schnell das Gegenteil bewirken: Die Motivation am Arbeitsplatz nimmt ab statt zu.

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