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Ford-Aufsichtsratchef John Flemming

Ford-Rettung durch Weltautos aus Deutschland

Ford Fiesta Econetic Foto: Ford 6 Bilder

Der Ford-Aufsichtsrats-Chef John Flemming über die Lage bei Ford Europe, die Ziele 2009 und die Strategie das US-Geschäft durch Weltautos aus Europa voranzutreiben.

25.03.2009 Jens Katemann

Welche Ziele haben Sie sich beim Absatz für 2009 gesetzt?
Fleming: Ohne die Abwrackprämie, vor allem in Deutschland, läge der Markt im ersten Quartal wohl rund 25 Prozent unter dem Normalmaß in Europa. Da kann man sich keine konkreten Ziele setzen. Wir müssen 2009 versuchen, mit strenger Kostendisziplin und neuen Modellen unsere Kapazitäten aufrecht zu erhalten.
 
Kann Ford davon profitieren, dass in der Öffentlichkeit über die Zukunft von Opel und GM diskutiert wird? Schließlich kaufen Kunden lieber bei einem Unternehmen, das nicht von der Insolvenz bedroht ist.
Fleming: Wir können nicht wirklich sagen, warum sich die Kunden für einen Ford und nicht für ein anderes Produkt entscheiden. Ich sehe allerdings keinen Vorteil dadurch, dass einer unserer Wettbewerber in Schwierigkeiten steckt. Ein großes Problem in der Krise ist, die Zuliefererstruktur zu erhalten. Alles, was diese schwächt ist schlecht. Ich hoffe, dass Opel durch die Krise kommt. Was aber auch klar ist: Die Hilfe, die ein Unternehmen bekommt, steht auch einem anderen zu, wenn es in die gleiche Situation gerät.

Wie sind die Ford-Werke in Europa momentan ausgelastet?
Fleming
: Bis August liefen die Werke auf 105 bis 110 Prozent der Auslastung, also am Limit. Mit der Krise mussten wir auf rund 80 Prozent Auslastung und eine Vier Tage-Woche herunterfahren.
 
Wie lange können Sie das niedrige Niveau weiterfahren?
Fleming: Wenn der Markt auf dem derzeit niedrigen Niveau bleibt, sind wir erst mal auf der sicheren Seite. Sollte es aber weiter runter gehen, müssen wir reagieren.
 
Wenn Ford wie GM in größere Schwierigkeiten gerät, wäre es auch für Ford Europe eine Option, Anteile an Investoren oder den Staat abzugeben?
Fleming: Wir haben so viel Zeit darauf verwendet, die beiden Unternehmensteile zu einer Einheit zusammenzuführen, Produkte und Entwicklungen zu bündeln und Skaleneffekte zu nutzen, dass ich mir ein solches Szenario für die Zukunft nicht vorstellen kann. Wir investieren keine Energie in solche Ideen, sondern versuchen, selbstständig die Krise durchzustehen. Wir gehen auch davon aus, dass Ford Europe keine Staatshilfen brauchen wird.

Die bessere Zusammenarbeit äußert sich darin, dass Sie mehr europäische Modelle in die USA bringen. Wann werden Sie das erste Europa-Modell dort auch produzieren?
Fleming: Wir starten mit dem neuen Fiesta 2010 in Cuautitlàn in Mexiko.
 
Wie viel Fiestas wollen Sie denn dort jährlich vom Band laufen lassen?
Fleming: Wir haben den Preis noch nicht festgelegt. Eine genaue Zahl steht deshalb noch nicht fest. Aber glauben Sie mir: es ist eine große Fabrik. Der Ford Fiesta wird kein Nischenprodukt sein. Wir sind davon überzeugt, dass auch die US-Kunden bereit sind kleinere Autos zu kaufen, ohne auf den gewohnten Komfort verzichten zu müssen. Das wird am US-Markt ein neuer, großer Wettbewerb zwischen den Herstellern.
 
Sehen Sie irgendwelche Konkurrenten für den Fiesta in den USA?
Fleming: Im Moment sind es nicht zu viele. Ich glaube es werden nicht viele Autos mit dieser guten Produktsubstanz zu einem wettbewerbsfähigen Preis in der nächsten Zeit in den USA angeboten werden. Das ist eine großartige Gelegenheit für uns.
 
Welche europäischen Modelle sollen folgen?
 
Fleming: Die nächste Generation des Ford Focus und des Ford Transit Connect wird ebenfalls in den USA angeboten werden. Über weitere Modelle darüber hinaus haben wir noch nicht entschieden.

Hat sich die Beziehung zwischen Ford und Ford Europe verändert?
Fleming: Heute überlegen wir ständig, was wir alles besser zusammen machen können. Früher haben wir vielleicht eher geschaut, was wir nicht zusammen machen müssen.
 
Wie hat sich Ford Europe durch den Wegfall von Jaguar verändert?

Fleming: Ohne Jaguar und Land Rover ist unsere Arbeit wesentlich weniger komplex. Wir haben für eine funktionierende Zusammenarbeit mit Jaguar Land Rover relativ viel Management-Zeit und Energie aufgewendet, da es wegen der unterschiedlichen Fahrzeuge, die beide Unternehmen fertigen, nur wenige Synergien gab. Daher stellt es einen Vorteil für uns dar, dass wir uns nun mehr auf unser eigenes Ford-Geschäft konzentrieren können.

Was wäre, wenn Sie auch Volvo noch verlieren würden. Gibt es dann wegen der größeren Stückzahlen ein Problem auf der Kostenseite?
Fleming: Wenn Volvo verkauft würde - das ist noch sehr hypothetisch - dann, ja, in der Tat, verglichen mit den geringen Stückszahlen bei Jaguar Land Rover, würde Volvo durchaus ein Problem darstellen. Wir haben nicht nur größere Synergie-Effekte auf der Beschaffungs-Seite, auch die Entwicklung ist viel enger mit Ford verknüpft. Wir, aber auch Volvo, würden Know-How verlieren. Anderseits sind wir auf dem richtigen Weg, immense Skaleneffekte zu erzielen innerhalb der globalen Ford-Welt durch unsere "One Ford" Strategie.

Wird Ford Europe in diesem Jahr schwarze Zahlen schreiben?
Fleming: Wir haben in den vergangenen zwei Jahren jeweils über eine Milliarde Dollar verdient und sind sehr stolz darauf. Für dieses Jahr ist eine Prognose sehr schwer. Was aber klar ist: Unabhängig von der derzeitigen Krise, haben wir bei Ford of Europe die Kostensituation und mögliche Einsparungen immer im Blick, um stark aus der Krise zu kommen.
 
Werden Sie manche Modelle wegen der Krise später einführen?
Fleming
: Wir haben wichtige Volumenmodelle wie Ford Fiesta und Ka gerade erneuert, werden aber einige wenige Neueinführungen wegen der Krise um bis zu zwölf Monate nach hinten verschieben.

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