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Ford-Chef

Sieben Prozent ist das Ziel

Foto: dpa

In den vergangenen Jahren verlor der Kölner Autobauer Ford stetig Marktanteile an die Konkurrenz. Im Interview erklärt der Vorstandsvorsitzende Bernhard Mattes, wie dieser Trend 2008 gestoppt werden soll, und wie sich die Marke in Zukunft positionieren will.

27.02.2008 Harald Hamprecht

Herr Mattes, 2008 ist Ihr sechstes Jahr in Folge als Ford-Deutschland-Chef. Wie sieht Ihre persönliche Erfolgsbilanz aus?
Mattes: Wir haben ein erweitertes, begeisterndes Produktportfolio auf die Beine gestellt, die Produktivität erheblich erhöht, das heißt wir bauen in Köln, Saarlouis, Genf und Valencia mehr Fahrzeuge in kürzerer Zeit. Deutliche Fortschritte haben wir auch bei unserer Qualität verbuchen können, gemessen an Fehlern pro Tausend Fahrzeuge oder Gewährleistungskosten. Ein Meilenstein der letzten Jahre ist auch die Standortsicherungsvereinbarung für die deutschen Standorte, die unseren Mitarbeitern bis 2011 eine sichere Perspektive bietet und unsere Wettbewerbsfähigkeit stärkt.

Was muss 2008 besser werden?
Mattes: Mit den neuen Produkten streben wir eine Belebung im Privatkundenmarkt sowie eine Stärkung unserer Marke und Vertriebsorganisation an.

Wie wollen Sie diese drei Ziele erreichen?
Mattes: Im Mittelpunkt stehen die erfolgreiche Neueinführung des neuen Ford Focus am 23. Februar, des neuen Kuga im Juni sowie des neuen Fiesta im Oktober. Das wird der Marke zusätzliche Impulse verleihen.

2007 nur 213.900 Neuzulassungen und 6,8 Prozent Marktanteil - Minus 12,3 Prozent zum Vorjahr. Was planen Sie für das Gesamtjahr 2008?
Mattes: Eine sieben vor dem Komma haben wir uns vorgenommen. Allerdings werden wir uns keinen Marktanteil kaufen. Zudem glaube ich, dass 2008 ein generelles Marktwachstum von zwei Prozent möglich ist, von dem wir profitieren können - gerade im Privatkundensegment. 2007 hat unser Anteil hier bei nur noch 26 Prozent gelegen.

Der Januar hat darauf noch keine Hoffnung ergeben. Wann wird sich der neue Schwung im Markt in KBA-Bilanz niederschlagen?
Mattes: Aufgrund des starken vierten Quartals 2007 und des Modellwechsel beim Focus werden wir im ersten Quartal noch unter Vorjahr bleiben. Wir glauben aber, dass wir die ersten Früchte unserer Arbeit im zweiten Quartal sehen werden.

1990 lag ihr Marktanteil noch bei 9,8 Prozent, im Januar 2008 nur noch bei  5,3 Prozent. Sehen Sie eine Chance, jeweils wieder die zehn Prozent zu erreichen und auf Opel aufzuschließen?
Mattes: Das ist nicht einfach, denn der Markt ist hart umkämpft. Es gibt zusätzliche Wettbewerber im Volumensegment. Zudem sind Premiumhersteller in unsere angestammten Klein- und Kompaktwagensegmente eingedrungen. Aber wir wollen diese Kunden zurückgewinnen, uns weiter behaupten und unseren Marktanteil natürlich weiter steigern. Über zehn Prozent möchte ich heute nicht spekulieren. Dieses Jahr peilen wir die sieben an und danach wollen wir stetig, profitabel wachsen. Einfach wird das nicht - auch im Vergleich zu unseren Wettbewerbern, die zum Teil auf einen höheren Kundenbestand zugreifen können. Aber das Automobilgeschäft hat schon immer etwas Sportliches gehabt.

Wofür steht die Marke Ford?
Mattes: Ford steht für eine faszinierende Historie, fantastische Fahrdynamik und für ein faires Preis-Leitungs-Verhältnis. Seit der Einführung des Ford S-MAX vor fast zwei Jahren begeistert Ford auch mit einer führenden Designsprache - dem Ford Kinetic Design. In der gesamten Ausrichtung präsentieren wir uns zunehmend als individuelle, dynamische und selbstbewusste Marke für Menschen, die sich auch in diesen Attributen wiederfinden.

Das klingt ziemlich austauschbar, das behauptet jeder ihrer Wettbewerber.
Mattes: Genau das ist der Punkt. Das war lange Zeit unser Problem. Und das ändern wir. Denn neben der Ratio muss eine Emotionalität zur Bindung an die Marke führen. Und diesen Effekt erzielen wir über unsere neue Designsprache, das Kinetic Design. Zudem wollen wir verstärkt Materialien und Ausstattungen anbieten, die sie in der Klasse nicht erwarten, wie etwa das Ford Converse Plus in einem Fiesta, Infotainment-Systeme bis hin zu iPod und Bluetooth, Fahrassistenzsysteme, wie ein Abstandsradar. Insgesamt werden wir dieses Jahr 26 neue Produktinhalte auf den Markt bringen, darunter auch Doppelkupplungsgetriebe von Getrag Ford Transmissions beim Focus, darunter ein neuer 2,2 Liter Diesel-Motor beim Mondeo, Galaxy und S-Max, darunter unsere umweltfreundlichen Econetic-Modelle. Im Focus senken wir damit den CO2-Ausstoß auf unter 120 g/km, beim Mondeo auf unter 140 Gramm und beim Fiesta auf unter 100 Gramm. Wir wollen künftig in jeder Klasse etwas besonderes bieten, wie zum Beispiel unser Ford Individualangebot.

Wird es bei Ford künftig auch Allradantrieb geben?
Mattes: Beim neuen Ford Kuga und bekanntlich beim Ford Ranger.

Ist Ford eine deutsche oder amerikanische Marke?
Mattes: Wir sind ein globale Marke. In Deutschland hält uns jedoch 70 Prozent der Bevölkerung für eine deutsche Marke – und das ist gut so.

Wie steht es um Ihre Handelsorganisation?
Mattes: Heute haben wir 1.980 Standorte, knapp 600 Händler mit 300 Filialen und über 1.000 reine Service-Betriebe. Damit sind wir in der Fläche gut vertreten. Das ermöglicht eine Nähe zum Kunden, die angemessen ist. Wichtig wird sein, dass wir die Organisation weiter stärken, indem wir Prozesse vereinfachen und attraktive, neue Produkte erfolgreich einführen.

Verdienen Ihre Händler noch Geld?
Mattes: Die durchschnittliche Umsatzrendite ist 2007 von 1,07 auf 0,3 Prozent gesunken. Das ist zu wenig und deshalb wollen wir mit dem Handel profitabel wachsen.

Was erhoffen Sie 2008?
Mattes: Wir glauben, dass der Handel dieses Jahr eine Chance hat zur Verbesserung - dank neuer Produkte und Volumenwachstum. Mittelfristig wollen wir wieder 1,5 Prozent erreichen.

Welche Rolle spielt dabei der Service?
Mattes: Eine sehr wichtige, denn er bindet Kunden an den Betrieb und ist eine wichtige Ertragsquelle für unsere Händler. Neue Angebote wie unsere Flatrate beinhalten auch wichtige Service-Aspekte. Das Training unserer Kunden- und Serviceberater werden wir 2008 ausbauen. Künftig werden wir zudem das Ford Individual-Geschäft erweitern. Bislang bieten wir eine Individualisierung nur im S-MAX an, im März folgt der Galaxy. Für den Mondeo gibt es bereits ein Individualisierungspaket fürs Exterieur, ab Oktober diesen Jahres werden wir auch eine Individualisierungsoption für den Innenraum anbieten und - später - weitere Individualisierungspakete für weitere Fahrzeuglinien.

Große Hoffnung setzen Ihre Händler auf das Facelift des Focus. Der ist erst 2004 auf den Markt gekommen. Präsentieren Sie das Facelift schon jetzt, weil der neue Golf zum Jahresende in den Markt kommt?
Mattes: Nachdem wir alle großen Fahrzeuge im Ford Kinetic Design auf den Markt gebracht haben, war es nur folgerichtig, auch unsere volumenstärkste Baureihe vom Design auf den neuesten Stand zu bringen. Das war der Hauptgrund. Da haben wir wenig auf den Wettbewerb geschaut. Bis auf das Dach haben wir das komplette Exterieur verändert. Gleiches gilt für Interieur und Ausstattung. Die Einführung erfolgt am 23. Februar. Bis heute liegen die Auftragseingänge bei 19.300 Einheiten, von denen bereits 11.000 an den Endkunden verkauft wurden.

Ist Ihre Ford-Flatrate ein Erfolg - oder werden Sie in Sachen Incentives nachschärfen?
Mattes: Der hohe Anteile von Privatkunden zwischen 40 und 50 Prozent zeigt uns, das die Flatrate genau das liefert, was die Kunden suchen: Sicherheit beim Kauf. Über vier volle Jahre. Der Kundenvorteil liegt bei unseren Editionsmodellen Style beispielsweise bei rund 2.000 Euro für einen Ford Ka.

Kommen wir zum Produktportfolio. Wo sind noch offene Stellen?
Mattes: Der neue Fiesta ist für uns der nächste wichtige Schritt, mit dem wir beim Design und bei der Ausstattung einen bedeutsamen Sprung nach vorne machen. Zudem treten wir mit dem Kuga in ein zusätzliches Segment ein, in dem wir große Wachstumschancen erwarten. Und der Ka-Nachfolger der Anfang 2009 kommt, wird für uns ebenfalls ein wichtiges Segment neu beleben.

Ford-Europa-Chef Lewis Booth erwähnte ein neues Einstiegsmodell für den indischen Markt. Werden Sie ein solches Modell unterhalb des Ka auch in Deutschland anbieten?
Mattes: Nein, das ist kein Thema.

Aus Zuliefererkreisen heißt es, Sie arbeiten an einem zweitürigen, coupéhaften SUV auf Ihrer C-Plattform, quasi einen sportlichen Bruder des Kuga, der ab Ende 2011 in Saarlouis vom Band laufen soll und Ihnen schon 2012 rund 40.000 zusätzliche Verkäufe im Jahr bescheren soll?
Mattes: Da wissen Sie mehr als ich. Auch dies ist kein Thema.

Planen Sie zusätzliche Varianten der bestehenden Modelle?
Mattes: In Genf werden wir über den Fiesta Fünftürer informieren. Über alles andere werden wir zum gegebenen Zeitpunkt informieren.

Welche Rolle spielen bei Ihnen alternative Antriebe?
Mattes: Unsere Econetic-Modelle spielen momentan die wichtigste Rolle. Den Diesel werden wir weiter entwickeln. Von unseren Bioethanol-getriebenen FlexiFuel-Fahrzeugen konnten wir 2007 in Deutschland knapp 2.000 Einheiten verkaufen, europaweit sogar über 40.000. Erdgas-betriebene Fahrzeuge machen bei uns bislang nur kleine Stückzahlen aus - bundesweit etwa 600 Autos 2007. Wir prüfen, die Kapazitäten dieses Jahr zu erhöhen. Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, in alle Richtungen zu entwickeln, weil niemand heute sagen kann, in welche Richtung sich der Markt für alternative Antriebe entwickelt.

Was ist mit Hybrid-Antrieben?
Mattes: Natürlich beschäftigen wir uns in unserer Forschung und Entwicklung auch mit diesem Thema. Es ist allerdings noch zu früh, über Einzelheiten zu berichten.

Was ist mit dem Vollhybrid, den Sie im Ford Escape in den USA anbieten?
Mattes: Wir glauben nicht, dass dies in naher Zukunft für Europa der richtige Weg ist. Vielmehr konzentrieren wir uns auf andere milde Hybridformen. Für die spätere Zukunft behalten wir das Thema Vollhybrid im Auge.

Werden Sie in diesem Feld mit PSA kooperieren?
Mattes: Wir arbeiten schon heute bei der Motorenentwicklung und - produktion intensiv zusammen. Ob das auch bei anderen Projekten passieren wird, ist noch offen.

Wie hat sich die Beschäftigung in Deutschland entwickelt?
Mattes: Heute haben wir 17.300 Mitarbeiter in Köln und 6.300 in Saarlouis. Damit ist die Beschäftigung bei den Ford-Werken auf einem stabilen Niveau.

Wie wird sich die Personalsituation 2008 entwickeln?
Mattes: Derzeit sind wir in beiden Werken voll ausgelastet und arbeiten an der Kapazitätsgrenze. Wir wollen weitere Produktivitätssteigerungen erzielen. In Saarlouis haben wir erst jüngst 350 temporäre Mitarbeiter in Festanstellung übernehmen können.

Wie ist es um Ihre Auslastung bestellt?
Mattes: Wir erwarten auch in 2008 eine volle Auslastung unserer Werke. Die Fertigungskapazität liegt derzeit bei drei Schichten und bei 1.920 Einheiten pro Tag in Saarlouis und 1.950 Einheiten pro Tag in Köln. Damit stoßen wir an die physischen Grenzen. Wir gehen für 2008 von einem Jahresvolumen für Köln und Saarlouis in Höhe von jeweils rund 400.000 Einheiten aus.

Werden Sie die Kapazitäten in Saarlois für dieses zusätzliche Modell ausbauen müssen?
Mattes: Dank flexibler Fertigung können wir den Kuga problemlos in Saarlouis integrieren. Wir planen hier eine Größenordnung von rund 45.000 Einheiten im ersten Jahr (2008). Damit werden wir alle Varianten des Focus in diesem Werk bauen, mit Ausnahme der viertürigen Variante und des Focus Coupé-Cabriolet, das bei Pininfarina in Italien gefertigt wird.

Droht eine Verlagerung von Kapazitäten von West- nach Osteuropa?
Mattes: Nein. Die Produktion der beiden deutschen Ford-Werke machte 2007 rund 55 Prozent der europäischen Produktion aus. Wir planen dazu, Produktionskapazität in Rumänien neu aufzubauen und im russischen St. Petersburg zu erhöhen.

Liefern Sie den Fiesta-Nachfolger ab 2010 auch in den USA?
Mattes: Nein, die Fiesta-Produktion in Köln und Valencia ist vorrangig für europäsiche Märkte gedacht.

Werden Sie weitere deutsche Modelle in andere Regionen exportieren?
Mattes: Das ist nicht geplant. Vielmehr entwickeln wir auf Basis unseres "Global Shared Technolgies"-Ansatzes unterschiedliche Fahrzeuge, die in den jeweiligen Regionen auch gebaut und verkauft werden, wie wir das bei der neuen Kleinwagen-Generation des Fiesta praktizieren werden.

Weiteren Themen der neuen Ausgabe von auto motor und sport, Heft 6/2008, ab 28. Februar im Handel:

  • Genf Neuheiten 2008
  • Vorstellung Mini Cooper Works
  • Doppeltest Mercedes CL 65 AMG & Bentley Continental GT Speed
  • Vergleichstest 335i gegen 135i und M3
  • Großer Kompakt-Van-Vergleich
  • Leserwahl: Marken-Images

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