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Ford Escort RS 1600 i Restaurierung

Escort Service

Ford Escort RS 1600i, Ingo Görrissen, Frontansicht Foto: FACT 12 Bilder

Ingo Görrissen aus Norddeutschland ist Ford-Fan. Deshalb sollte auch sein Winterauto dieses Markenemblem tragen. Doch der gekaufte Escort erwies sich selbst dafür als zu marode – kurzerhand wurde er restauriert.

27.04.2013 Bernd Woytal Powered by

"Es war nie geplant, den Ford Escort komplett neu aufzubauen", sagt Ingo Görrissen mit Blick auf seinen rot glänzenden Ford Escort. Doch letzten Endes gab es kaum Alternativen, es sei denn, man hätte daraus einen Teileträger gemacht.

Seit der Kindheit mit Ford verbunden

Der Anfang dieser Geschichte reicht zurück in die 70er Jahre. 1975 wurde Ingo geboren, und von Anfang an kutschierten ihn seine Eltern in Fahrzeugen der Marke Ford herum - zumindest, wenn es um für Kinderwagen ungeeignete Langstrecken ging. Offenbar genoss der Sprössling diese Fahrten, und pannenfrei müssen sie auch gewesen sein, sonst wäre Ingo wohl nicht zu einem treuen Ford-Fan geworden.

Besonders hatte es ihm der Ford Escort angetan. Als Führerscheinneuling begann er mit einer unscheinbaren Standard-Limousine, die bald einem sportlicheren Ford Escort XR3 i weichen musste. Weil er diesen nicht bei Eis und Schnee bewegen wollte, suchte er nach einem weniger gut erhaltenen Auto für den Winter - wenn möglich natürlich einen Escort.
Ein Zeitungsinserat lockte ihn nach Itzehoe. Angeboten wurde ein relativ seltener Ford Escort RS 1600 i aus zweiter Hand. "Das Interessante daran war, dass er noch ein Jahr Tüv hatte", erinnert sich Ingo und ergänzt: "Doch später stellte sich heraus, dass dies bedeutungslos war."

Erst gepflegt, dann vernachlässigt

Inseriert hatte eine Frau, die den Ford Escort als Alltagsauto nutzte, ohne jegliche Emotionen für ihn zu empfinden. "Aber der Erstbesitzer war ein Ford-Fan, der stets nur rote RS besessen hat, und die im Schnitt drei Jahre", weiß Ingo. Doch diesen Ford Escort fuhr er ausnahmsweise sieben Jahre, weil er wegen eines Hausbaus sparen musste. Klar, dass er deshalb eine besondere Beziehung zu diesem Auto entwickelt hatte.

Umso mehr schmerzte ihn später jeder Kratzer und jede Delle, die der Ford Escort in der Hand der neuen Besitzerin erlitt. Denn die wohnte im selben Ort wie er, weshalb er unfreiwillig Zeuge dieser unerfreulichen Entwicklung wurde. "Aber als ich ihn einige Jahre darauf mit dem restaurierten Fahrzeug besuchte, hat er sich total gefreut", berichtet Ingo.

Doch vorher gab es viel zu tun. Als Ingo den Ford Escort kaufte, war er abgemeldet, eine Probefahrt fand deshalb nicht statt. Er transportierte den Escort auf einem Hänger nach Hause und gönnte seiner Neuerwerbung zuerst mal eine gründliche Wäsche. Nach kurzer Freude folgte die Ernüchterung: Die Rostschäden waren schlimmer als es zunächst schien, sie erwiesen sich als überaus drastisch. Aus der Traum vom Winterauto.

Der Blender wird erst zerlegt und dann behutsam neu aufgebaut

Aber was sollte nun mit dem Ford Escort geschehen? Ihn ausschlachten und wegwerfen? Ingo entschied sich für eine Restaurierung. Eine Entscheidung, die ihm nicht ganz so schwer fiel wie manch anderem, weil er auf hilfreiche Freunde im Bekanntenkreis und natürlich in den Reihen des Escort-Club Schleswig-Holstein bauen konnte, zu dessen Mitgliedern er seit einiger Zeit zählte.

Geschraubt wurde zunächst in einer größeren Garage ohne Hebebühne. Im ersten Schritt machte er sich mit seinen Kumpels an die Zerlegung des Ford Escort. Alle Anbauteile sowie das gesamte Interieur und schließlich auch der Motor wurden demontiert. Alles verlief ohne Probleme - bis auf den Ausbau der Frontscheibe.

Die von einem Gummiprofil gehaltene Scheibe des Ford Escort bekommt man normalerweise heraus, wenn jemand im Inneren sitzt und vorsichtig mit dem Fuß am Rande der Scheibe gegen das Glas drückt. Aber in diesem Fall funktionierte der Trick nicht. Stattdessen ertönte zum Schrecken der jungen Schrauber das in der Werbung einer Autoglasfirma oft zitierte "Krack". "Es stellte sich heraus, dass irgendwann einmal die Scheibe zusätzlich verklebt worden war", erklärt Ingo die Ursache dieses Missgeschicks.

Viel neues Blech für den Ford Escort

Bei den anstehenden Blecharbeiten unterstützten ihn zwei Karosseriebauer, die sich beruflich mit Feuerwehrautos beschäftigten und damit prädestiniert für die Reparatur roter Autos waren. Aber auch Ingo selbst besaß genügend Erfahrung, um zumindest einfach geformte Bleche in seinen Ford Escort einschweißen zu können. Zum Zeitpunkt der Restaurierung Ende der 90er Jahre gab es glücklicherweise noch viele originale Karosserieteile direkt bei Ford, weshalb nur wenige Bleche in Handarbeit angefertigt werden mussten. Zu den erworbenen Neuteilen zählten zum Beispiel das Frontblech, das Windlaufblech, die Vorderkotflügel und vor allem der Ersatz für die extrem durchgerosteten Längs- und Querträger am Unterboden. Lediglich die Federteller gab es damals nicht mehr neu.

Da in der Garage, in der die Restaurierung ihren Anfang genommen hatte, keine Hebebühne zur Verfügung stand, mussten sich die Schrauber etwas einfallen lassen. Den Ford Escort aufbocken und darunter herumkriechen wollten sie nicht. Außerdem wäre das angesichts der umfangreichen erforderlichen Reparaturen sehr hinderlich gewesen. Deshalb besorgten sie sich robuste Stahlfelgen und montierten sie falsch herum, wodurch sie seitlich überstanden. Nun konnten sie die Karosserie auf die Seite kippen, ohne dass die Radläufe eingedrückt wurden.

Mit Tricks die Hebebühne ersetzt

Das Dach des Ford Escort stützten sie mit Matratzen gegen die Garagenwand ab und verhinderten so den Bodenkontakt der Fahrzeugflanke. Um die Stabilität der Karosserie zu bewahren, trennten sie immer nur ein verrostetes Teil heraus, und erst, wenn es durch ein neues ersetzt war, kam das nächste an die Reihe. So setzten sie zuerst den linken Bereich des Unterbodens instand, danach drehten sie den Wagen auf die andere Seite und restaurierten die rechte Unterbodenpartie.

Anschließend wurde der Ford Escort von unten her lackiert und versiegelt, wobei hier wie auch bei der späteren Hohlraumversiegelung Mittelchen zum Einsatz kamen, die nicht im Handel erhältlich sind. Worum es sich genau handelte, weiß Ingo nicht, besorgt haben sie die beiden Feuerwehrauto-Spezialisten.

Die Spachtel-, Schleif- und Lackierarbeiten am Ford Escort überließen sie einer Lackiererei. Bei der Wahl der Farbe, wich der Ford-Fan vom Original ab. Er bevorzugte Spanischrot. "Sonnenrot fand ich zu hell, heute würde ich es aber wahrscheinlich aus Originalitätsgründen beibehalten", sagt er.

Viel Mühe kostete ihn das Streifendekor an der Fahrzeugflanke seines Ford Escort. Es war nur noch für eine Seite lieferbar. Ingo bestellte sich drei Sets und begann zu messen und zu schnippeln, bis er zwei passende Sets hatte.

Alles läuft - nur das Getriebe mahlt

Bei der Technik beschränkte er sich auf die Erneuerung von Verschleißteilen. "Den Motor wollte ich zuerst ebenfalls auseinandernehmen, aber er lief ja noch gut", erklärt Ingo seine Entscheidung. Lediglich etwas später musste er den Warmlaufregler ersetzen. Allerdings rächte es sich, dass er nie eine größere Probefahrt gemacht hatte. Schon bei der ersten Ausfahrt, nachdem der Ford Escort endlich wieder montiert war, störten unschöne Getriebegeräusche im fünften Gang das Gesamtbild.

So begann der zweite Teil der Restaurierung. Über Club-Kontakte kam Ingo an ein Austauschgetriebe, das er zusammen mit einer neuen RS-Kupplung einbaute. Außerdem montierte er die zur Bauzeit des Ford Escort RS 1600 i wahlweise erhältlichen Sitze mit größerem Seitenhalt, die er in gebrauchtem Zustand aufgestöbert hatte. Auch andere für dieses Modelle seinerzeit erhältliche Extras rüstete er nach - zum Beispiel hintere Ausstellfenster oder elektrische Fensterheber.

Wegen der zunehmend schlechteren Teileversorgung hatte er sich schon einige Schlacht-Ford Escort zugelegt. So kam er auch an neue Türverkleidungen, denn seine besaßen ja die großen Löcher von den einst montierten Lautsprechern.

So geriet der Ford Escort nach und nach zu einem Schmuckstück. Aus dem einst für den Winter gedachten Transportmittel ist schließlich ein Sommerauto geworden.

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