Ford Fiesta: Der Fiesta geht nach Amerika

Die Krise auf dem Automarkt bringt ungewöhnliche Ideen zu Tage. Was vor Jahren undenkbar schien, wird nun Realität. Ford, mit dem Pick-Up F-150 jahrelang die Nummer eins in den USA, bringt den Fiesta nach Amerika.

Schwere Zeiten erfordern ungewöhnliche Lösungen. Der Automobilmarkt in den USA ist im Keller. Ford zeigt Mut und bringt den in Europa erfolgreich gestarteten Kleinwagen Fiesta ab Sommer 2010 auch in Nordamerika auf den Markt.

US-Kunden dürfen den Ford Fiesta vorab testen

Damit der Winzling in den Vereinigten Staaten nicht zum Flop wird, muss er eine ungewöhnliche Testphase bestehen: vorab gehen 100 Fiestas für ein halbes Jahr in Kundenhand. So etwas hat es auch im Land der unbegrenzten automobilen Möglichkeiten noch nicht gegeben. Werden die üblichen Härtetests auf den bekannten Marterstrecken in Eis, Schnee und Wüste sonst allein von Testingenieuren aus Dearborn abgespult, werden diesmal ergänzend 100 ausgewählte Kunden zu Rate gezogen.

100 aus 4.000 Bewerbern dürfen den Fiesta 6 Monate probefahren

"Die Interessenten hatten seit längerem die Möglichkeit, sich auf unserer Website www.fiestamovement.com sowie mit Videos auf   www.youtube.com/fiestamovement zu bewerben", erklärt Sam De La Garza, Projektverantwortlicher und Brand-Manager für den US-Fiesta, "das Interesse war riesengroß. 4.000 Kunden wollten mitmachen – 100 haben wir ausgesucht." Die ersten Fahrzeuge werden Ende April an die Kunden ausgeliefert. Sechs Monate haben die Auserwählten, die intern als "Agenten" geführt werden, dann die Möglichkeit, ihren Fiesta auf Herz und Nieren im amerikanischen Alltagsgeschäft zu testen. Alle Modelle kommen aus dem Ford-Stammwerk in Köln und sind mit einem 120 PS starken Vierzylinder mit Handschaltung ausgestattet.

Fiesta-Testfahrten sind für den Kunden kostenlos

"Jeder Testmonat steht unter einem besondere Motto", erklärt der Brand-Manager De La Garza weiter, "so sollen die Probanden mit dem Fiesta zum Beispiels zu Freunden, Events oder in den Urlaub fahren. Wir wollen so ein Maximum an Informationen bekommen." Diese Erkenntnis lässt sich die Ford Motor Company einiges kosten. Die sechsmonatige Testphase ist für die Kunden kostenlos, inklusiv Benzin und Versicherung. Dafür müssen die Vorabkunden ihre Eindrücke, Impressionen und Erlebnisse auf digitalem Wege über sogenannte "Social Networks" wie YouTube, Flickr oder Facebook im Internet mit anderen Interessenten in den Vereinigten Staaten teilen.

Der Fiesta wird an den US-Geschmack angepasst

Insbesondere soll so auf Herz und Nieren abgeklopft werden, was die US-Kunden für Ansprüche haben, die sich auch bei einem Kleinwagen von denen der Europäer unterscheiden. Es geht um Ablagen, Sitzbezüge oder die richtige Radiobedienung. "Wir waren überrascht, als wir gesehen haben, dass die europäischen Modelle zum Teil an den hinteren Türen gar keine elektrischen Fensterheber haben oder eine Mittelarmlehne fehlt. So etwas gibt es hier in den USA gar nicht", lacht De la Garza und will mit einem Preis für den im Sommer 2010 auf den Markt kommenden Ford Fiesta noch nicht so recht rausrücken. "Der Wagen wird sich natürlich an der Konkurrenz im B-Segment von Toyota Yaris oder Honda Fit orientieren", erzählt er weiter, "die liegen so bei rund 13.000 bis 15.000 US-Dollar."

US-Kunden wollen den Fiesta mit starken Motoren und straffem Fahrwerk

Auch die Motorisierungen sind mit Teststart kein Geheimnis mehr. Sparversionen soll es wegen des amerikanischen Kaufverhaltens erst einmal nicht geben. Kernmodell dürfte in jedem Fall der 120 PS starke Fiesta 1.6 Ti VCT sein, der als Limousine und Schrägheck angeboten werden soll. Eine geänderte Abstimmung von Fahrwerk, Lenkung oder Getriebe scheint vom Tisch zu sein. "Alle, die den Fiesta hier in den USA bisher gefahren haben, fordern, dass wir ihn so straff und sportlich lassen", unterstreicht Sam De La Garza. Neben den umfangreichen Kundentests, haben auch die Entwickler alle Hände voll zu tun. Denn so wie er ist, wäre der Fiesta in den USA aufgrund anderer Unfall- und Abgasvorschriften nicht zulassungsfähig.

Kleinwagen gab es in den USA bereits in den 70ern

Ganz neu sind Kleinwagen in den USA übrigens nicht. In den 70er Jahren gab es neben anderen Europa-Importen den Simca 1100/Chrysler Horizon unter anderem als Dodge Omni und Plymouth Horizon, ein Modell der Golf-Klasse. Noch eine Nummer kleiner auf den mächtigen Highways unterwegs war der Yugo, der sich ab 1986 als preiswerter Automobilwinzling des jugoslawischen Herstellers Zastava in Feindes Land überaus achtbar schlug. Der Basispreis des gerade einmal 3,49 Meter langen Yugo lag bei nicht einmal 4.000 Dollar. In der Neuzeit macht sich Scion als Mikroableger von Japan-Gigant Toyota einen Namen. Die aktuellen Scion-Modelle xB, tC und xD sind mit Dimensionen zwischen 3,75 und 4,41 Metern ungewöhnlich klein und echte Trendmobile geworden.

VW prüft den Polo für die USA

Auch Volkswagen schließt einen Kleinwagen für den stärker in den Fokus rückenden US-Markt nicht weiter aus. Der Smart Fortwo läuft nach seinem Marktstart sehr ordentlich und die trendigen Mini-Modelle stehen bei der coolen Kundschaft in Los Angeles, Miami Beach oder New York sowieso hoch im Kurs.

Die Zeit scheint reif für die German Kleinigkeiten. Schließlich haben sich in der Vergangenheit auch die Volkswagen-Produkte Golf und besonders Beetle recht achtbar geschlagen. Ebenfalls eine Parallele zum Ford Fiesta. Er wird für die USA im Ford-Werk von Cuautitlán in der Nähe von Mexiko City gebaut. Die Produktionskapazitäten sollen reichen, die Märkte in den USA, Südamerika und Kanada komplett zu versorgen.

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Stefan Grundhoff

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Fiesta-Stufenheck für Europa?
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