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Ford

Misere wird schlimmer

Foto: ams

Mit den stärksten Produktionskürzungen seit mehr als 20 Jahren will Ford-Konzernchef Bill Ford die aufgeblähten Neuwagenhalden auf den Höfen der amerikanischen Händler abbauen, die ruinösen Verkaufsanreize reduzieren und die Fertigung der rasant fallenden Nachfrage anpassen.

21.08.2006

Im Schlussquartal 2006 soll die Produktion in Nordamerika um 21 Prozent oder rund 168.000 Fahrzeuge gekappt werden. Der Konzern reagierte damit auf die schlimmer werdende nordamerikanische Ford-Misere, die in diesem Jahr zu Milliardenverlusten führen dürfte.

Im September soll eine Neuauflage des erst im Januar vorgelegten und inzwischen als unzureichend angesehenen Sanierungsplans "Way Forward" (Weg vorwärts) für die schwer angeschlagenen nordamerikanischen Operationen folgen. Ursprünglich wollte der Ford-Chef bis 2012 insgesamt 14 nordamerikanische Fabriken schließen und bis zu 30.000 Mitarbeiter nach Hause schicken. Angesichts des Absatzeinbruchs auf dem heimischen Markt dürften zusätzliche und beschleunigte Werksschließungen und noch umfangreichere Entlassungen angekündigt werden.

Zusatzverluste von 1,4 Milliarden Dollar möglich

Der dringende Handlungsbedarf wird an den Milliardenverlusten in Nordamerika deutlich. Die Produktionskürzungen könnten Zusatzverluste von 1,4 Milliarden Dollar bringen schätzte ein J.P.Morgan-Analyst nach einen Bericht der "Detroit News" vom Wochenende. Er geht für das laufende Jahr für Nordamerika bei Ford von einen Vorsteuerverlust von vier Milliarden Dollar und für 2007 von roten Zahlen in Höhe von 1,9 bis 2,7 Milliarden Dollar in der Region aus.

Die Rating-Agentur Fitch hat ihre Kreditratings von Ford und seiner Finanztochter Ford Motor Credit noch tiefer in das Schrottanleihen-Terrain gebracht. Fitch verwies auf den anhaltenden Absatzschwund bei den Ford-Pickups und bei den mittleren und großen Geländewagen. Dies waren bisher die großen Ford-Gewinnbringer in Nordamerika. Sie stellten fast zwei Drittel des US-Gesamtabsatzes.

Ford hat seit Jahresbeginn in den USA einen Absatzrückgang von fast zehn Prozent erlebt. Dabei gab es bei den großen Geländewagen und Pickup-Modellen teilweise dramatische Einbrüche, die durch leicht steigende Pkw-Verkäufe nur teilweise wettgemacht werden konnten.

Klein- und Mittelklasse-Pkw bringen aber Ford kaum Geld, so dass das schwache "Truck"-Geschäft das Unternehmen katastrophal trifft. Eine rasche Wende ist in Nordamerika nicht zu erwarten, da die dortige Ford-Modellpalette einseitig auf die "Benzinschlucker" ausgerichtet ist und eine Umstellung nur graduell erfolgen kann.

Ford-Gesamtfertigung um neun Prozent reduziert

In diesem Jahr wird die nordamerikanische Ford-Gesamtfertigung um neun Prozent auf 3,04 Millionen Autos reduziert. Vor allem bei den großen und mittelgroßen Pickups wie den F-Serien-Modellen und den Geländewagen wie dem Explorer hat Ford durch die massiv gestiegenen Benzinpreise dramatische Absatzeinbußen verbucht.

Jetzt ist es aus damit, denn die Amerikaner stellen sich zunehmend auf kleine und Mittelklasse-Pkw, auf kleine Geländewagen und auf "Crossover"-Modelle um, einer Mischung aus Geländewagen und Pkw, die in allen Varianten und Preisklassen von Toyota, Honda, Nissan und Hyundai mit großem Erfolg offeriert werden. Bei den Luxuswagen tut sich Ford in den USA mit Jaguar, Volvo und Land Rover gegen BMW, Mercedes-Benz, Audi und Porsche schwer.

Die Ford-Aktien sind am Freitag um 2,08 Prozent auf 8,00 Dollar gefallen und lagen damit um 21,6 Prozent unter ihrem Zwölfmonatshoch. Das traditionsreiche Unternehmen, das im Juli erstmals seine Position als zweitgrößter US-Autoanbieter auch im heimischen Markt an Toyota verloren hatte, ist damit nur noch rund 15 Milliarden Dollar wert.

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