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Ford Mustang in der Service-Station

So kommt das Pony Car wieder in Schuss

Ford Mustang Foto: Fact 8 Bilder

Der Ford Mustang findet hier zu Lande immer mehr Liebhaber. Mit ein bisschen technischem Verständnis kann man viel selbst erledigen. Für alles andere gibt es die Fachbetriebe, die sich um die Wartung des Pony Cars kümmert.

13.11.2014 Bernd Woytal Powered by

"Wenn der Ford Mustang nicht läuft, hat er entweder keinen Zündfunken oder keinen Sprit", spielt Walter Rühl von Walters Auto Service aus Saulheim bei Mainz mit einem Augenzwinkern auf die einfache Technik des als zuverlässig und unproblematisch geltenden Wagens an. Kein Wunder, dass Mustang-Besitzer bei der Wartung und bei technischen Problemen gern selbst zum Werkzeug greifen.

Wartungskosten im überschaubaren Rahmen

"Mit einem gewissen technischen Verständnis kann man viel in Eigenregie erledigen", findet auch Ralf Wurm, Präsident des First Mustang Club of Germany. Allerdings sollte die Sache nicht unterschätzt werden. Manche der nachfolgend geschilderten Arbeiten überlässt man besser der Werkstatt. Und was kommt auf Neueinsteiger in die Ford Mustang-Szene zu, die des Schraubens nicht kundig und daher auf die Hilfe von Fachwerkstätten angewiesen sind?

Was die Technik des Ford Mustang betrifft, halten sich die Kosten in einem überschaubaren Rahmen, wie ein Blick auf die unten stehende Service-Tabelle zeigt. "Allerdings leiden frisch aus den USA importierte Modelle laut Fred Böni von Detroit Trading in der Schweiz oft "unter einem erheblichen Wartungsstau", was dann größere Investitionen nötig macht.

In dieser Geschichte stehen die bis 1968 gebauten Ford Mustang mit V-Achtzylinder- Motor im Vordergrund. Dank der Hydrostößel fällt bei der Wartung der Maschine die Ventilspieleinstellung unter den Tisch. Probleme mit den Hydrostößeln gibt es nur, wenn etwa Ölschlamm die Kanäle zusetzt und damit die Ölzufuhr behindert.

Mancher Mustang ist inkontinent

Zu viel Öl findet sich bei so manchem Ford Mustang auf dem Boden unter dem Motor. Dieser Schmierstoff tritt meist an der Abdichtschnur am hinteren Kurbelwellenlager aus. Diese nicht besonders dauerhafte Art von Dichtung lässt sich durch zwei Simmerringhälften ersetzen. Wenn der Ölverlust stark, aber der Motor eigentlich noch nicht für eine komplette Überholung reif ist, kann man versuchen, diese Arbeit bei noch eingebauter Maschine zu erledigen.

Ford Mustang-Experte Harry Heinen in Solingen bietet diese preisgünstige Alternative seinen Kunden an. "Besonders das Entfernen der oberen Dichtschnurhälfte ist eine extreme Fummelei", sagt er. Wenn man Glück hat, sind die Simmerringhälften nach vier Stunden drin. Bei etwa jedem fünften Mustang klappt dieser Trick nicht, dann müssen halt doch der Motor und dann die Kurbelwelle raus.

Steuerkette und Kettenräder sind alle 100.000 km fällig

Etwa alle 100.000 Kilometer sind nach Heinens Erfahrung die Steuerkette und die ebenfalls zu Verschleiß neigenden Kettenräder des Ford Mustang fällig, wenn nicht schon vorher das Schlagen der Kette gegen das Steuergehäuse zum Handeln mahnt.

Auch an den Zweifach- und Vierfach- Vergasern der Achtzylinder gibt es manche Verschleißprobleme. Das betrifft zum Beispiel die Membrane der Beschleunigerpumpe. Die Startautomatik sollte regelmäßig gängig gemacht werden (festhängender Kolben), und man sollte immer mal wieder den am Vergaser angeschraubten und schlecht sichtbaren Vorfilter erneuern. "Der wird gern vergessen", weiß Heinen. Vergaserprobleme wegen des Abgasrückführungssystems betreffen erst die Ford Mustang ab 1969, die hier nicht im Mittelpunkt stehen.

Wird das Kühlwasser zu heiß, liegt das meist an den Kühlern, die sich mit der Zeit zusetzen. Gut 300 Euro kostet der Einbau eines neuen Standardkühlers. Mehr thermische Sicherheit bieten Kühler mit größerem Netz, die aber deutlich teurer sind. Doch manchmal hilft selbst das nicht weiter. So hat Rühle schon bei aus den USA eingeführten Ford Mustang mehrfach erlebt, dass sich über die Jahre hinweg im Kühlsystem des Motors gebildete Ablagerungen nach und nach lösen und dann immer wieder die feinen Kanäle der Kühler verstopfen. Abhilfe schafft hier ein Sieb, das im oberen Kühlschlauch eingesetzt wird.

Getriebeölkühler empfehlenswert

Eine weitere Entlastung des Motorkühlers bringt ein separater Getriebeölkühler. Denn der Wasserkühler muss beim Ford Mustang auch das Automatiköl mitkühlen, das wegen des hier zu Lande gegenüber den USA höheren gefahrenen Geschwindigkeiten eh gut heiß wird.

Vom Automatikgetriebe, für dessen Überholung samt Montage beim Ford Mustang ein guter Tausender einzukalkulieren ist, sollten Hobbyschrauber die Finger lassen. Rühle hat hier schon die tollsten Sachen erlebt. So brach jemand bei dem Versuch, den undichten Simmerring der Schaltwelle zu wechseln, die Schaltwelle ab, als er diese mit Hilfe eines Montiereisens heraushebeln wollte. Der gewalttätige Schrauber hatte vergessen, eine Mutter zu lösen. Auf die stößt man, wenn man vorschriftsmäßig vorgeht und zunächst Ölwanne und Schaltkasten demontiert.

Noch eine Anmerkung zur Kupplung des Schaltgetriebes. Eine kleine, aber regelmäßig erforderliche Service-Arbeit ist das Einstellen des Kupplungsspiels. Ist die Kupplung verschlissen, empfiehlt Heinen den Einbau einer moderneren Version und eines verbesserten Führungslagers in der Kurbelwelle. "Das sorgt unter anderem für einen leichteren Druckpunkt", sagt er und denkt dabei an die Klagen mancher Ford Mustang-Fahrer über eine zu schwergängige Kupplung. Beim Kupplungswechsel ist natürlich auch die Schwungscheibe auf Risse zu kontrollieren.

Anfällige Radaufhängungen verlangen nach regelmäßiger Wartung

Oft unterschätzt wird ein Austausch des undichten Simmerrings am Differenzial. "Nach dem Dichtringwechsel wird dann gedankenlos die Mutter draufgeschraubt, doch viele haben keine Ahnung, dass über eine Presshülse dahinter das Kegel-/Tellerradspiel eingestellt wird", warnt Rühle. Die erforderliche Reibwerteinstellung funktioniert nur mit einer speziellen Drehmomentuhr. Wer die Mutter zu fest anknallt, hört sehr bald Geräusche aus dem Achsbereich und muss mit größeren Schäden an seinem Ford Mustang rechnen.

Jede Menge Verschleißpunkte gibt es beim Ford Mustang an den Radaufhängungen. Ein vernachlässigter Schmierdienst kann teure Folgen haben. Nicht immer muss aber der komplette vordere Querlenker der Vorderachse gewechselt werden. "Wenn die Schwenklager noch okay sind, kann man die oberen Kugelköpfe separat wechseln", sagt Heinen. Dazu werden die Niete rausgeschlagen und die neuen Köpfe eingeschraubt.

Die unteren Kugelköpfe gibt es zwar auch einzeln, aber das ist nicht lange haltbare Billigware, weshalb in dem Fall der untere Lenker komplett getauscht werden sollte. Preis pro Seite etwa 180 Euro.

Ersatzteilprobleme gibt es kaum

Nur für die Schaltgetriebe sieht es schlecht aus, speziell für das Dreiganggetriebe gibt es nichts mehr. Ansonsten gilt laut Ralf Wurm: "Je älter der Mustang, desto besser die Ersatzteillage."

Service-Tipp Ford Mustang

Alle 10.000 km sollten beim Ford Mustang Zündkontakt und Kondensator gewechselt werden, etwa alle 15.000 die Zündkerzen. Auch mal das Automatiköl samt Filter wechseln (etwa alle 2 Jahre). Um Folgeschäden zu vermeiden, auf Ölundichtigkeiten achten und abschmieren. Handbremsseil (Umlenkhaken) schmieren. Alle Füllstände im Auge behalten und Schläuche checken. Rechtzeitig entdeckte, gerissene Manschetten der Spurstangen kann man separat wechseln. Auf der Internetseite von CMS www.classicmustangshop.de ist unter FAQ ein Serviceplan hinterlegt. Bei www.mustang-club-germany.de gibt es einen Reprint der Reparaturanleitung in deutsch.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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