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Ford will Marktanteil und Personalstärke ausbauen

Foto: dpa 12 Bilder

Ford-Chef Bernhard Mattes spricht mit den auto motor und sport-Redakteuren Harald Hamprecht und Jens Katemann über die Zukunft der Modelle Ka, Fiesta und Focus, über komplett neue Modelle sowie über die Belegschaft und die Finanzkrise.

15.11.2008

Gibt es bereits direkte Auswirkungen der Krise in den USA auf Ford in Europa?
Mattes: In den USA wurden zuletzt weniger Ford-Modelle mit großen Motoren nachgefragt, die hier in Köln produziert werden. Das hat zu einer Kürzung der Produktion in unserem Motorenwerk geführt. Als Folge wurden für die Monate November und Dezember insgesamt fünf Wochen Kurzarbeit vereinbart.

Ist das Motorenwerk in Köln in Gefahr aufgrund des Nachfragerückgangs in den USA?
Mattes: Nein, die 750 Arbeitsplätze sind ebenfalls bis 2011 gesichert dank des Investitionssicherungsvereinbarung. Das heißt auch hier wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Bislang haben wir den Nachfragerückgang bei den Motoren damit kompensiert, dass wir Mitarbeiter aus dem Motorenwerk in andere Bereiche versetzt haben. Zur Zukunft des Motorenwerks sind wir derzeit noch in Gesprächen mit dem Betriebsrat. Ich erwarte, dass wir bis Ende des Jahres ein Ergebnis haben werden.

Wie groß ist die Belegschaft in Deutschland insgesamt und müssen Sie Stellen streichen?
Mattes: Wir beschäftigen 17.300 Mitarbeiter in Köln und 6.300 in Saarlouis. Wir passen unsere Produktion kontinuierlich den Marktgegebenheiten an. In diesem Jahr wird die Produktion um drei Prozent gekürzt und wir haben deshalb 200 Zeitverträge von Mitarbeitern im Werk Saarlouis in diesem Jahr nicht verlängert. Weitere Anpassungen sind derzeit nicht geplant. Betriebsbedingte Kündigungen bei der Stammbelegschaft wird es aber wie vertraglich vereinbart bis 2011 nicht geben.

Wie viele Leiharbeiter arbeiten bei Ford und wie viel Prozent von der Belegschaft machen sie aus?
Mattes: Derzeit arbeiten bei Ford in Deutschland 350 Leiharbeitnehmer und 259 befristete Jungfacharbeiter, von denen mehr als die Hälfte Anfang 2009 in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen werden.

Planen Sie auch Neueinstellungen?
Mattes: Im Entwicklungsbereich suchen wir gerade rund 100 Ingenieure, die wir zum nächstmöglichen Termin einstellen wollen.

Opel muss 750 Millionen Euro zusätzlich in Europa einsparen. Muss auch Ford Europa extra sparen und Investitionen in neue Produkte oder Technologien streichen?
Mattes: Wir werden an unseren Zukunftsplänen keine Änderungen vornehmen und unsere produktgetriebene Strategie planmäßig fortsetzen. Diese hat uns schließlich zum derzeitigen Erfolg geführt.

Werden zur Stabilisierung der finanziellen Situation von Ford in den USA zusätzlich Gelder aus Europa in die Kassen der Muttergesellschaft fließen?
Mattes: Ein Abzug von Geldern aus Europa in die USA steht nicht zur Diskussion.

Wie steht es um den Gewinn bei Ford of Europe?
Mattes: 2007 hatten wir zum vierten Mal in Folge einen Gewinn, und zwar in Höhe von 997 Millionen US-Dollar, dem höchsten Vor-Steuer-Gewinn seit 1989. Und im ersten Halbjahr 2008 waren es 1,3 Milliarden US-Dollar - und damit das beste Halbjahres-Ergebnis seit 1989. Auch beim Absatz in Europa lagen wir im ersten Halbjahr erstmals über einer Million in den 51 zur Ford Europa gehörenden Märkten. In unseren 19 europäischen Kernmärkten liegen wir mit einem Marktanteil von 8,7 Prozent erstmals an zweiter Stelle hinter Volkswagen.

Werden Sie verstärkt europäische Modelle in die USA bringen?
Mattes: Mittelfristig werden wir insgesamt sechs europäische Modelle aus Europa in die USA bringen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran. Der Transit Connect wird bereits ab 2009 in die USA exportiert. Wir verfolgen die Strategie, dass global verkaufte Fahrzeuge auch in den jeweiligen Kontinenten, für deren Märkte sie bestimmt sind, produziert werden, wie etwa der Fiesta aus Deutschland, Mexiko und Thailand. Dort können die Modelle dann an die Marktbedürfnisse und spezifischen Kundenwünsche angepasst werden. Auch die nächste Generation Ford Focus wird ein globales Projekt. Wo wir den künftigen Focus für Nordamerika und Asien bauen, haben wir noch nicht verkündet.

Wird der Mondeo auch in Russland produziert werden?
Mattes: Ja, Neben dem Focus soll in Russland in St. Petersburg im Frühjahr 2009 auch der Mondeo vom Band laufen. Wir erweitern dort die Jahreskapazität auf 125.000 Einheiten.

Die sich verschärfenden Wettbewerbsbedingungen zwingen immer mehr Autohersteller zur Zusammenarbeit. Suchen auch Sie weitere Kooperationspartner?
Mattes: Wir kooperieren mit Fiat beim neuen Ford Ka, mit Pininfarina beim Focus Coupé-Cabriolet. GFT ist Joint-Venture-Partner auf dem Getriebesektor, mit PSA kooperieren wir bei den Dieselmotoren und mit Johnson Controls bei Lithium Ionen-Batterien. Derzeit sind keine weiteren Kooperationen geplant.

Wie gut ist die Auslastung Ihrer beiden deutschen Werke?
Mattes: Die beiden deutschen Werke sind jeweils auf einen Produktionskapazität von 400.000 Fahrzeugen pro Jahr ausgerichtet. Wir sind derzeit zu 100 Prozent ausgelastet im Dreischichtbetrieb. 2007 lagen wir sogar teilweise über den 100 Prozent.

Wie wirkt sich die Finanzkrise auf Ihren Absatz in Deutschland aus?
Mattes: Per Oktober haben wir in Deutschland 182.400 Neuzulassungen und damit einen Marktanteil von 6,9 Prozent verbucht. Damit lagen wir bei einem Plus von 4,5 Prozent zum Vorjahresvergleich. In Europa konnte Ford den Marktanteil in den Kernmärkten im Oktober auf 8,4 Prozent steigern.

Was ist aus Ihrer Sicht der Grund für Ihren Erfolg?
Mattes: Erschwinglichkeit, Sparsamkeit und Umweltfreundlichkeit sind neben attraktiven Produkten drei der größten Bedürfnisse der Kunden in diesen Zeiten. Und wir erfüllen dieses Bedürfnis - nicht zuletzt auch mit der Flatrate. Wir wachsen im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern sogar im Privatkundengeschäft. Das liegt natürlich auch daran, dass wir momentan das jüngste Produktangebot am Start haben. Nimmt man den Fusion mal heraus, ist das Durchschnittsalter unserer Fahrzeuge bei zwei Jahren.

Wie erfolgreich ist ihr Flatrate-Angebot?
Mattes: Sehr erfolgreich, wir verkaufen mittlerweile über alle Modelle im Privatkundengeschäft in Deutschland 75 Prozent unserer Autos mit der Flatrate. Die Kunden wollen die Sicherheit, dass über einen langen Zeitraum keine überraschenden Zusatzkosten bei Wartung und Reparatur auf sie zukommen.

Halten Sie an Ihrem Ziel fest, mehr als sieben Prozent in Deutschland zu erreichen?
Mattes: Ja, wir sind hier auf einem guten Wege und halten an diesem Ziel fest.

Wie sehen ihre Absatzerwartungen für 2009 aus?
Mattes: Wenn man bedenkt, dass die Branche für 2008 ein Volumen von 18 Millionen Autos in Europa erwartet hat und es jetzt vermutlich nur gut 16 Millionen werden, kann wohl niemand eine genaue Prognose für das kommende Jahr abgeben. Wir sehen uns mit unserem Produktprogramm gut aufgestellt, kalkulieren aber vorsichtig. Trotzdem erwarten wir, dass wir unsere Marktposition in 2009 gegenüber 2008 weiterhin werden stärken können.

Wie ist die Situation der Ford-Händler? Gibt es mehr Insolvenzen?
Mattes: Erfreulich ist, dass sich die Rendite unserer Handelsorganisation positiv entwickelt hat. Sie liegt derzeit bei 0,69 Prozent - nach 0,21 Prozent im Jahr 2007. Die Lage hat sich stabilisiert, wir konnten sogar acht neue Partner gewinnen. Wir sind derzeit an 1.878 Standorten in Deutschland vertreten; im Jahr zuvor waren wir an 1.895 Standorten präsent.

Bis vor wenigen Wochen wurde nur der CO2-Ausstoß im Fokus, jetzt werden plötzlich abgasarme Autos mit Euro 5 und Euro 6-Norm als einzige für zwei Jahre von der KFZ-Steuer befreit. Wie viele Ford-Motoren erfüllen Euro 5 und werden sie jetzt schneller mehr Euro 5-Motoren anbieten?
Mattes: Der Ford Focus mit 1,6 Liter-TDCi-Motor wird im ersten Quartal 2009 als Euro 5-homologiertes Fahrzeug auf den Markt kommen, weitere Fahrzeuge werden im Laufe des kommenden Jahres folgen. Wir schauen aber, ob wir in diesem Bereich noch etwas beschleunigen können.

Kommen wir zu Ihren nagelneuen Modellen: Welche Pläne haben Sie für den neuen Ka?
Mattes: Die Zielmarke für Deutschland sind 22.000 Ka allein im kommenden Jahr. Und das, obwohl der Marktstart erst am 14. Februar sein wird. Das Gute ist, dass wir beim Ka die höchste Loyalitätsrate überhaupt haben.

Und in Europa?
Mattes: 120.000 Einheiten im Schnitt im Jahr sind mit unseren Kooperationspartner Fiat geplant. In dem Produktionswerk Tichy ist aber auch mehr möglich, wenn wir das wollten. Wir haben hier 210 Millionen Euro investiert und allein rund 1.000 Arbeitsplätze geschaffen.

Wie viele Kuga wollen sie in diesem und im nächstem Jahr verkaufen?
Mattes: Dieses Jahr werden rund 45.000 Einheiten in Saarlouis produziert, davon entfallen rund 5.800 Kuga auf Deutschland. Für kommendes Jahr rechne ich mit über 11.500 Kuga für den deutschen Markt..

Wie läuft der Fiesta?
Mattes: Wir planen eine tägliches Fahrzeugvolumen von 1.530 Fiesta und 300 Fusion in Köln. Der Fiesta läuft sehr gut. Allein in Deutschland haben wir bereits 5.500 Fiesta ausgeliefert und es liegen 12.000 Bestellungen vor.

Stimmt es, dass sie den Fusion nach Rumänien verlagern wollen?
Mattes: Das sind reine Spekulationen. Der Fusion wird bis zum Ende des Lebenszyklus 2010 in Köln gefertigt. In Rumänien wird ab 2009 der Ford Transit Connect und ein white space product, nicht der Fiesta, gefertigt. Das Modell wird eine komplett neue Nische in unserem Produktportfolio besetzen, und in ganz Europa frühestens ab 2010 verkauft werden. Mehr kann ich noch nicht sagen.

Planen Sie einen Billigwagen in Konkurrenz zum Dacia Logan?
Mattes: Die Frage stellen wir uns noch ganz offen und haben noch keine konkrete Antwort. Das neue Modell aus Rumänien wird es jedenfalls nicht.

Wann gibt es den ersten Hybrid von Ford in Deutschland?
Mattes: In USA verkaufen wir den Escape Hypbrid bereits erfolgreich. Aber auch für Europa arbeiten wir an Lösungen.Für einen Vollhybrid bietet der europäische Markt aber nicht die nicht optimale Voraussetzung. Eher für Start-Stopp-, Bremsrückgewinnungstechnologie, daran arbeiten wir intensiv. Marktstart und Modell kann ich ihnen heute noch nicht nennen.

Müssen Sie schon Zulieferer finanziell unterstützen, die ins Straucheln geraten?
Mattes: Wir arbeiten eng mit unseren Zulieferen zusammen. Über finanzielle Aspekte möchte ich generell nicht sprechen.


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