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Formel 1-Jahresrückblick

Die goldene Ära 2008

Foto: Daniel Reinhard 69 Bilder

An Dramatik und Spannung war das F1-Jahr kaum zu übertreffen. Vor allem der Nachwuchs schlug erfolgreich zu. Allerdings blieben einige Akteure auch auf der Strecke.

31.12.2008 Michael Schmidt Powered by

Die Drahtzieher des GP-Zirkus wollen die Formel 1 zu einem Zeitpunkt reformieren, der ungünstiger gar nicht sein könnte. Angesichts des Herzschlagfinales in Brasilien möchte man FIA-Präsident Max Mosley, Bernie Ecclestone und FOTA-Chef Luca die Montezemolo zurufen: Lasst alles, wie es ist. Warum etwas ändern, das unbestritten gut war?

Sicher, die Kosten müssen zurückgeschraubt werden. Die Show läuft auch, wenn die Teams 100 statt 400 Millionen Dollar pro Jahr investieren. Doch muss das gleich den totalen Entwicklungsstopp bei Motoren und Autos bedeuten? Hybridtechnologie allein reißt keinen vom Hocker.

Neues Design und neue Strecken

Gewiss wäre es noch spannender, wenn das mit dem Überholen etwas einfacher ginge. Doch musste es für den Preis der hässlichsten Autos der GP-Geschichte sein? Riesige Frontflügel, nur halb so breite Heckflügel – da stimmen die Proportionen nicht. Man kann der Expertengruppe, die die 2009er Autos kreiert hat, nur wünschen, dass ihr Prinzip funktioniert. Sollte man sich mit den nächstjährigen Autos auch nicht im Windschatten des vorausfahrenden Fahrzeugs halten können, hätten die Ingenieure mit Zitronen gehandelt.

Unbestritten, neue Schauplätze haben ihren Reiz. Die Stadtkurse von Valencia und Singapur haben den Kalender bereichert. Endlich mal wieder echte Rennstrecken! Im nächsten Jahr kommt mit Abu Dhabi wieder ein Kurs aus der Retorte dazu. Weitere in Indien, Korea und Russland sollen folgen. Alles schön und gut, so lange die Formel 1 dafür nicht ihre Traditionsrennen aufgibt. 2009 sind Frankreich und Kanada nicht mehr dabei. Sie können sich das Antrittsgeld für das Feld nicht mehr leisten. Frankreich fehlte in 59 Jahren ein einziges Mal. Montreal hatte seit 1979 einen Stammplatz, und es war zuletzt einer der wenigen Grand Prix, der mit vollen Tribünen glänzte. Was uns in Abu Dhabi erwartet, können wir nur erahnen: gelangweilte Scheichs, seelenlose Perfektion, Totengräberstimmung.

Die Fans sollten sich deshalb mit der Saison 2008 über das hinwegtrösten, was sie künftig erwartet. Eine Saison, die 231 Tage dauerte und mit wenigen Ausnahmen Spannung pur bot. Langeweile kam nur in Sepang, Magny-Cours, Valencia und Shanghai auf. Die restlichen 14 Rennen hatten sämtliche Aufreger im Drehbuch, die diesen Sport so unberechenbar, so faszinierend machen: 13 Safety-Car-Einsätze über 229 Kilometer. Fünf Regenrennen.

Eine ausgeglichene Saison 2008

Kein einziger Start/Ziel-Sieg. Hitzeschlachten wie in Melbourne (39 Grad) oder herbstliche 14 Grad im Landregen von Silverstone. Im Schnitt lagen die Temperaturen bei den 18 Rennen bei 25,2 Grad – um zwei Grad niedriger als im Vorjahr. McLaren-Mercedes hat es gefreut, Ferrari weniger. Maranello bettelte um jedes Grad auf der Quecksilbersäule, weil höhere Temperaturen das Anwärmen der Reifen erleichtern.

Es war eine ausgeglichene Saison. Sieben Fahrer teilten sich die 18 Siegerpokale, fünf Teams und vier Motorenhersteller. 18 der 20 Fahrer holten Punkte, neun von zehn Teams und alle sechs Motorenlieferanten. 15 Fahrer lagen in Führung, 14 standen mindestens ein Mal auf dem Podest. Eine solche Leistungsdichte gab es zuletzt 2003. Im Schnitt kamen 76,4 Prozent der Starter auch ins Ziel. Was die Teilnehmer freut, hat aber auch eine Kehrseite. Das hohe Maß an Zuverlässigkeit reduziert das Überraschungsmoment.

Motorschäden kosten WM-Titel

Nur 4,7 Defekte pro Rennen sind ein Rekord. Force India trägt mit insgesamt acht technisch bedingten Ausfällen die größte Last. Die vier Motorschäden von Ferrari fielen dennoch mehr ins Gewicht. Sie haben Massa womöglich den WM-Titel gekostet. Ohne Defekt kam nur BMW über die insgesamt 1.117 Runden. Mit 10.777,4 Rennkilometern lagen die Weißblauen klar vor Ferrari (10.291,0 km) und Williams-Toyota (10.280,7 km). Von den Fahrern spulte Nick Heidfeld die meisten Runden ab. 5465,2 von 5480,9 möglichen Kilometern, gefolgt von Teamkollege Robert Kubica (5312,3 km) und Nico Rosberg (5273,5 km). Schlusslicht ist Adrian Sutil mit 3358,2 Kilometern bei elf Ausfällen, was einer Auslastung von 61,3 Prozent entspricht.

Bester Qualifizierer war Felipe Massa mit einem durchschnittlichen Startplatz von 2,94, knapp vor Lewis Hamilton der trotz einer Pole Position mehr (7: 6) im Mittel auf Startplatz 3,89 stand. Massa lag dafür öfter in Führung als jeder andere Fahrer – insgesamt 1.749,8 Kilometer. Das sind 31,9 Prozent der zurückgelegten Gesamtdistanz. Es wurden 85 Führungswechsel (4,7 pro Rennen) notiert – eine Steigerung zum Vorjahr. Die meisten (zehn) gab es beim GP Japan. Fernando Alonso war der Sieger vom schlechtesten Startplatz. Beim GP Singapur fuhr der Renault-Pilot als 15. los und kam – dank SafetyCar – als Erster ins Ziel. Massas Teamkollege Kimi Räikkönen stellte mit zehn schnellsten Runden den 2004er Rekord von Michael Schumacher ein.

Die Jugend ist im Vormarsch. Das Durchschnittsalter der 22 Piloten betrug 28,14 Jahre. Nur 1998 (28,13), 1997 (28,08), 2001 (27,77), 2004 (27,76) und 2007 (27,46) war das Fahrerfeld noch jünger. Williams stellte mit Nico Rosberg (23) und Kazuki Nakajima (23) die Greenhorns, Red Bull mit David Coulthard (37) und Mark Webber (32) die Oldies. Insgesamt sahen 1,475 Millionen Zuschauer vor Ort den Grand Prix, was pro Veranstaltung 81 944 Besucher ergibt. Die Zahlen sind seit dem Rekordjahr 2000 (113 353 Zuschauer pro Grand Prix) rückläufig. Das sollte den Verantwortlichen zu denken geben.

Die Rennen werden immer schneller

Die Rennen werden wegen der immer schnelleren Autos immer kürzer. Der Schnitt aller Siegerzeiten liegt bei 193,372 km/h. Er blieb nur deshalb unter der 200 km/h-Marke, weil es bei fünf Grand Prix regnete. Das Mittel aller Trainingsbestzeiten sagt mehr über die Qualitäten der 2008er Fahrzeuggeneration aus: 206,574 km/h. Monza musste wegen Dauerregen erstmals seit den späten 60er Jahren wieder den Rekord für die schnellste Trainingsrunde an Spa-Francorchamps abtreten. Lewis Hamilton fegte mit 234,907 km/h über die 7,004 Kilometer lange Piste in den Ardennen. Der größte Trainingsvorsprung betrug 0,664 Sekunden. Massa deklassierte seine Verfolger in Singapur. In Bahrain trennte Robert Kubica nur ein Augenzwinkern (0,027 s) vom Trainingszweiten. Weltmeister Hamilton kam mit dem komfortabelsten Vorsprung aller Sieger ins Ziel. Sein Abstand von 68,577 Sekunden in Silverstone war ein Klassenunterschied. Ein richtiges Fotofinish gab es nie. Alonso hatte mit 2,957 Sekunden Vorsprung auf Nico Rosberg in Singapur genügend Luft.

Was erwartet uns statistisch betrachtet im nächsten Jahr? Geringere Durchschnittsgeschwindigkeiten, eine höhere Ausfallquote und hoffentlich mehr Überholmanöver.

Alle wichtigen Termine 2009 finden Sie in der sport auto-Terminübersicht.

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