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Daimler-Studien und Conceptcars

Hinter den Kulissen im Daimler-Archiv

Forschungsautos von Mercedes Foto: Mercedes 12 Bilder

Viel Technik aus Mercedes-Forschungsautos erreichte später die Serienreife, doch manches blieb nur eine Vision. Ein Besuch im Daimler-Archiv.

09.03.2011 Powered by

Erstmal die Beine entspannt im Fußraum ausstrecken. Dort stören keine Pedale für Gas oder Kupplung, auch ein Lenkrad engt den Fahrer nicht ein. Was sich anfangs merk­würdig anfühlt, wirkt schon nach wenigen Metern vertraut. Der Mercedes SL 500 der Bau­reihe R129 von 1998 gehorcht dem Fahrer schließlich auch ohne Volant. Zum Gasgeben werden zwei Joysticks nach vorne gedrückt, gelenkt wird mit Bewegungen nach links und rechts. Okay, die exakte Dosierung fällt anfangs schwer. Aber alles nur eine Frage der Gewöhnung.

Studien von damals finden sich in aktuellen Modellen

Der Mercedes SL mit Joystick blieb den­noch eine Vision, bis heute steuern wir Autos mit einem Lenkrad. Nur virtuell hat sich der Joystick bewährt - bei Computerspielen. "Wir waren mit der Idee einfach zu früh dran, aber können uns durch­aus vorstellen, dass die Gene­ration, die mit Joysticks und PC-Spielen aufwächst, später einmal auch so Auto fahren wird", sagt Herbert Kohler, Leiter der Konzernforschung. Für auto motor und sport öffnet Kohler das umfangreiche Archiv mit Ver­suchsfahrzeugen, die in den vergangenen 50 Jahren bei Daimler entstanden sind. Vieles gibt es zu entdecken, das heute in Mercedes-Model­len eingebaut ist. So etwa die SCR-Technologie mit Harn­stoff-Einspritzung, die Bluetec-Dieselmotoren so sauber macht, dass sie in den USA eingesetzt werden können.

Das Mercedes Bionic Car ist vom Kofferfisch abgeleitet

Diese Technik stellte Mercedes 2005 im "Bionic Car" vor, einem vom Kofferfisch inspi­rierten Konzeptauto, das durch einen cW-Wert von nur 0,19 glänzte. Der Fisch hatte die Forscher deshalb so fasziniert, weil er trotz seines kantigen, würfelähnlichen Rumpfes ex­trem gute Strömungseigen­schaften hat. Um das Skelett des Fisches in eine Karosserieform zu übertragen, wurde ein spezielles Verfahren entwickelt. Mit dem kann mittels Compu­tersimulation berechnet wer­den, wo Werkstoffe dünner gestaltet werden können und an welchen Stellen sie gezielt ver­stärkt werden müssen. Diese Technik wird heute in der Fahr­zeugentwicklung eingesetzt.

Limousine, Ca­briolet, Kombi oder Pickup in einem Auto

Das Konzept des Vario Re­search Car von 1995 legten die Forscher dagegen rasch zu den Akten. Die Idee: Es sollte ein Auto für alle Lebenslagen konstruiert werden. Je nach Bedarf hat das Fahrzeug ver­schiedene Aufbauten, die es wahlweise zu Limousine, Ca­briolet, Kombi oder Pickup machen. "Das Wechselkonzept ist vor allem an der Logistik gescheitert", erläutert Kohler. "Dafür haben wir viel darüber gelernt, wie man Gleichteile effektiv verwendet." Wie kam es eigentlich zu der skurrilen Farbkombination der grellblauen Karositze im Re­search Car? Kohler lacht. Chef­designer Bruno Sacco gefielen damals die Sitze des ersten Entwurfs überhaupt nicht. Er zeigte schließlich auf ein Hemd, das einer der Ingenie-re trug, und sagte: "Wir brau­chen so was." Gesagt, getan.

Der Smart wurde als Vesperwägele belächelt

Auch der Ur-Smart hatte es an­fangs nicht leicht. Als die Daimler-Forscher 1982 mit der Konzeptstudie NAFA (Nahver­kehrsfahrzeug) auf dem Test­gelände in Böblingen herum­kurvten, machten sich die Mitarbeiter über den golden lackierten Zwerg lustig, nann­ten ihn "Vesperwägele" - schwäbisch für Frühstückswa­gen. Dass ein späteres Serienmodell statt Brötchen auszufahren selbst US-Kunden als Fortbewegungsmittel die­nen würde, konnten sich wohl die wenigsten vorstellen.
Der nächste große Wurf für das Forschungsteam soll die Serienfertigung der Mercedes B-Klasse mit Brennstoffzellenantrieb werden. Im Oktober 2005 gab der Mercedes F 600 Hygenius einen Ausblick auf das, was ab 2010 in kleiner Stückzahl vom Band laufen wird. Ebenfalls an Bord: neue Sicherheitstechnik. So verfügte die Studie über Bremsleuchten, die in Notsitu­ationen blinken. Die aktuelle S-Klasse ist mit diesem System ausgestattet.

1991 gab es noch keinen Regensensor bei Mercedes-Modellen

In die Serie flossen zudem Elemente des Bedienkonzepts ein - eine Kombination aus Drehregler und Knöpfen. Nur ein Beispiel unter vielen. 1991 war der Regensensor noch Zukunftsmusik, heute ist er aus modernen Autos kaum wegzudenken. Auch die Chip­karte, die beim Forschungsauto F 100 den Schlüssel er­setzte, gehört mittlerweile zum guten Ton. Dem Versuchsträ­ger C 112 von 1991 verdanken moderne Mercedes die elektronische Reifendruckkontrol­le, und die Mercedes S-Klasse fährt seit 1998 mit dem im C 112 vorgestellten Abstandsregel-Tempomat namens Distronic. Und vielleicht ist das der nächste Schritt: Der im Mercedes F 700 auf der IAA 2007 präsentierte Diesel-Hybrid hat gute Chan­cen auf Realisierung.

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