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Fortbewegung von Supersportwagen

Eine Frage der Kehre

Lamborghini Gallardo Spider, Frontansicht, Palmen Foto: Achim Hartmann

Marcus Schurig über die bahnbrechende Erkenntnis, dass nicht jeder, der ein schnelles Auto hat, auch schnell Auto fährt und die möglichen Gründe für die zögerliche Fortbewegung von Supersportwagen.

15.05.2014 Marcus Schurig Powered by

Das Fahren auf der Rennstrecke befriedigt auf ganz natürliche Weise nicht nur den Spieltrieb, sondern auch unsere genetisch angelegten Jagdinstinkte. Getreu dem Darwinschen Prinzip, dass nur die am besten Angepassten einer Art überleben, verwandeln sich insbesondere Trackdays – aber gelegentlich auch ernsthafte Rennveranstaltungen – in einen Zoo, wo mit grandioser Ernsthaftigkeit nicht überlebenswichtige Fragen der automobilen oder sonst einer Überlegenheit entschieden werden.

Hungernde VW Golf GTI lauern auf angreifbares Großwild

Dabei gibt es ein Phänomen zu beobachten, das uns nachdenklich stimmen sollte: Die Kleinen jagen nicht die Kleinen – sondern am liebsten die Großen. VW Golf GTI gegen Porsche 911, das ist ein völlig ungleiches Duell, doch der Golf-Fahrer lebt in der Hoffnung, dass die Qualität des Piloten vielleicht nicht ganz mit der Qualität seines Fahrzeugs mithalten kann. Diese Einschätzung beruht offenbar auf allgemein anerkannten Wahrnehmungen, denn wer Trackdays aufsucht, sieht fast immer hungernde Gölfe am Wegesrand, die auf angreifbares Großwild lauern. So war und ist es auch im Touristikverkehr auf der Nordschleife.

Wird hier vielleicht nur Sozialneid plump ausgelebt? Oder sticht das David-gegen-Goliath- Schema, das am Stammtisch immer noch für die besten Heldengeschichten taugt? Vielleicht liegt es ja auch an der simplen Alltagserfahrung, nach der die Piloten hoch motorisierter und sündteurer Fahrzeuge auf deutschen Autbahnen zwar gerne Längsagilität ausleben, aber vor Kurven seltsam zögerlich wirken.

Fast so, als hätte sie die Erkenntnis übermannt, dass die Möglichkeit, hier und jetzt schneller als jeder andere Mensch durch diese Kurve zu fahren, zwar theoretisch vorhanden ist, aber es sich dabei doch um nichts anderes als ein aufgeblasenes Männlichkeitsritual handelt. Und hat man so was nötig?

Meist ist es zwar nicht nötig, manchmal aber wünschenswert, speziell wenn sich die Eigner hochpreisiger Supersportwagen auf einer abgesperrten Rennstrecke befinden. Das Zaudern vor der Kurve dürfte sich in den seltensten Fällen aus der Angst vor konkreten körperlichen Konsequenzen speisen. Die Scham, einen Ferrari tief im Kiesbett zu verbuddeln, wäre dagegen ein Argument. Die Angst, das heilige Blech zu zerdeppern, sollte ja eigentlich ausscheiden, denn wer sich einen Ferrari leisten kann, sollte sich einen neuen leisten können.

Schnelle Autos, lahme Zeiten

Oder ist das sogar falsch? Steigt die Zögerlichkeit auf der Rennstrecke mit dem Anschaffungspreis des Fahrzeugs? An irgendetwas muss es ja liegen, dass Menschen, die sich mit einem McLaren, Ferrari oder Porsche auf die Rennstrecke wagen, sehr oft nicht wirklich aus dem Quark kommen, während die getunten Gölfe hart am Limit durchs Feld der Sportwagen-Pfaue schneiden.

Damit wir uns hier nicht falsch verstehen: Natürlich gibt es Fahrer, die teure Supersportler am Limit bewegen, aber wir können uns vielleicht darauf verständigen, dass dies bei Trackdays doch eher die Ausnahme als die Regel ist.

Natürlich gibt es noch einen weiteren Erklärungsansatz: Sind Sportwagenfahrer vielleicht völlig unsportlich? Zählen für sie beim Auto ganz andere Werte – wie Prestige, Status oder Bewunderung? Wer in deutschen Großstädten – und glauben Sie mir, Stuttgart wäre ein gutes Beispiel – auf Fahrer teurer Sportwagen trifft, kommt nicht umhin, auch diese Erklärung zumindest zu erwägen.

Lahme Rundenzeiten in schnellen Autos kann man auch völlig anders erklären: Vielleicht fahren einige ja nur deshalb auffällig lackierte Supersportwagen, um ihre Umgebung einzuschüchtern – und damit den direkten Zweikampf zu vermeiden? Sind Sportwagenfahrer also der Deeskalation verpflichtet? Und was würde Herr Darwin dazu sagen?

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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