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World Mobility Forum 2005

Infrastruktur und Verkehrssteuerung - Ist das Chaos in Ballungsgebieten unausweichlich?

Polizei und Taxis in New York Foto: press-inform

Die zunehmende synonyme Verwendung der Begriffe „Verkehr“ und „Chaos“ und die Auflösung dieser tendenziell unheilvollen Kombination nahm das dritte Panel des World Mobility Forum in Stuttgart unter die Lupe. Wobei gleich zu Beginn der Diskussionsrunde darauf hingewiesen wurde, dass China beziehungsweise seine Megastädte zwar aktuellen Anlass böten, das Thema zu erörtern; dass die Steuerung und Sicherung der Mobilität auf der anderen Seite aber keinesfalls ein rein chinesisches Problem darstellt.

25.05.2000

Werner Bicker, Moderator des Panels, stellte einen Vergleich vor, der zunächst dem  Individualverkehr den Vorrang zu geben scheint. Nach seiner Rechnung beträgt die durchschnittliche Geschwindigkeit eines Pkw auf dem täglichen Weg zur Arbeit 33 Kilometer pro Stunde. Auf derselben Strecke kommen Pendler mit Bussen oder Bahnen nur mit 20 Kilometern pro Stunde voran. Zum Vergleich: Die Durchschnittsgeschwindigkeit in Peking beträgt 10 Kilometer pro Stunde. Grund genug, das Problem Mobilität an seiner Wurzel zu packen. Aber wo liegt diese Wurzel?

Hao Hong, stellvertretender Generalsekretär der Stadtverwaltung von Shanghai, erläutert: „Die Bevölkerung hat sich schneller entwickelt, als der Ausbau der Nahverkehrsysteme. Es gibt 1,5 Millionen Pkw in Shanghai; hinzukommen eine Million Lastkraftwagen und Omnibusse. Wir versuchen, den Bevölkerungsdruck aus den Innenstädten herauszunehmen, in dem wir außerhalb Satellitenstädte bauen, wodurch auch der Verkehr entzerrt wird. Wir sind zudem bemüht, die Bevölkerung zu ermutigen, die öffentlichen Nahverkehrssysteme zu benutzen. Außerdem haben wir mit dem Transrapid eines der modernsten Transportmittel der Welt in Betrieb genommen“.

Dass derzeit noch 10 Millionen Fahrräder auf Shanghaier Straßen fahren, ist ein  Problem, das durch den schrittweisen Umstieg der Radfahrer auf den Pkw nicht gelöst wird. Deshalb denken die Stadtväter darüber nach, wie für die Radfahrer eine spezielle Infrastruktur geschaffen werden könnte.

Eddie So von den Verkehrsbetrieben Hong Kong erläutert die Situation seiner Heimatstadt: „Bei uns leben sieben Millionen Menschen auf 1100 Quadratkilometer. Diese Fläche ist geringer als diejenige des Großraums Stuttgart. Aber wir können aufgrund unserer besonderen Topografie nicht in die Fläche ausweichen. Deshalb haben öffentliche Transportsysteme höchste Priorität“.

Zur Finanzierung der Transportmobilität steuerte Ralf Jahncke vom Beratungsunternehmen TransCare das Beispiel bei, dass seiner Erkenntnis nach ein Großteil der Transportkosten von Gütern auf „der letzten Meile“ auftreten. Das heißt, die City-Logistik müsse sich Gedanken machen, außerhalb der Ballungszentren Umschlagbahnhöfe und Lager für Güter einzurichten. In Venedig begann TransCare im Jahr 2003 ein Projekt, das Einsparungen in zweistelligen Prozentwerten verspricht. In New York, dies als anderes Beispiel, werden Lizenzen an Zulieferer erteilt, die allein berechtigt sind, Waren in die Innenstadt zu bringen. Aus Effizienz- und vor allem aus Sicherheitsaspekten mag dies durchaus vorteilhaft sein, auf der anderen Seite sehen diese Lösung manche als Dirigismus.

Herbert Zimmermann vom Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie verdeutlichte, dass vor allem die Dichte des Berufsverkehrs einer Entzerrung bedarf. „Wir brauchen zunächst Verkehrsdaten, die den Rohstoff darstellen für Konzepte. Erfassungen, Speicherungen und Auswertungen dieser Daten wollen jedoch finanziert werden“.

Um einen Stau im Ansatz zu vermeiden, könnte das Mobiltelefon einen Beitrag leisten. So werde das Handy mit der kommenden UMTS-Technik eine ganz wichtige Rolle spielen. Allerdings kann das Mobiltelefon nur einen Teil einer umfassenden Datendistribution sein.

Die Unfallzahlen mit Verkehrstoten sinken in Deutschland seit einigen Jahren kontinuierlich. Wie könnte dieser Erfolg auf China übertragen werden, wo jährlich rund 50 000 Menschen im Straßenverkehr ihr Leben lassen? Professor Dr. Kurt Rößner von der DEKRA GmbH betont in seiner Antwort, dass es um ein umfassendes Paket geht, das sowohl die Information und die Schulung von allen Verkehrsteilnehmern beinhaltet als auch alle anderen straßenbaulichen Informations- und Vorsichtsmaßnahmen.

Hao Hong aus Shanghai zu einem Problemlösungsansatz: „Wir versuchen, mit separaten Fahrspuren für Busse und Taxis die Gefahr zu mindern. Immerhin sind die meisten Verkehrs-toten unter den Radfahrern zu beklagen“. Und sein Landsmann Eddie So aus Hongkong betonte nochmals die Bedeutung des öffentlichen Nahverkehrs und zeigte seine persönliche Multifunktionskarte, die als Fahrkarte, als Eintrittsausweis und als Kreditkarte für kleine Einkäufe dient. „Unsere 7 Millionen Einwohner besitzen zu 90 Prozent eine solche Karte, eine echte smartcard. Wir nennen diese Karten auch Octopus-Card, weil sie so vielseitig sind. Die Anwendungsmöglichkeiten sind noch längst nicht ausgeschöpft“. Das bedeutet, dass eine sichere Mobilität auch auf einer konsequenten Vernetzung aller Möglichkeiten beruht.

„Wir müssen vom reinen Ausbaudenken heraustreten“, sagte Ralf Jahncke, „wir können uns nicht länger leisten, dass ein Kilometer im Stau 20 Cent kostet, aber ein Kilometer auf der nächtlichen Autobahn beispielsweise nur zwei Cent. Der reine Straßenbau bringt uns nicht weiter“.

Mobilität ist ein knappes Gut, für das ein Preis zu bezahlen ist. Die Mobilität müsste in Abhängigkeit ihrer Nutzung „bepreist“ werden, wie Herbert Zimmermann sagte, „also auch Maut für Pkw“. In London habe die Maut-Regelung für die City gut funktioniert. Allerdings böte London auch Alternativen an. So werde dort konsequent in den Ersatzverkehr investiert, zum Beispiel in Busse. „Das ist fair. Und so kann es funktionieren“.

Ralf Jahncke von TransCare wirft ein, dass Einnahmen nicht dazu herhalten dürften, Löcher in der Staatskasse zu stopfen, sondern in den Ausbau beispielsweise der Telematik fließen müssten. Das betrifft auch das intelligente Ticketing, wie das Beispiel Hongkong zeigt.

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