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World Mobility Forum 2005

„Es gibt nur eine Chance“

World Mobility Forum 2009

Die Beiträge und Diskussionen beim diesjährigen World Mobility Forum in Stuttgart zum Thema „China und die Mobilität“ haben ein völlig neues Bild von der Volksrepublik vermittelt. Wenn noch vor wenigen Jahren in der Öffentlichkeit die Einschätzung Chinas als Entwicklungsland vorherrschte, so ist diese romantisch gefärbte Vorstellung spätestens nach dem Forum überholt und einer überraschenden Erkenntnis gewichen.

25.05.2000

China ist der am schnellsten wachsende Markt der Welt und auf bestem Wege zur Hightech-Nation. Das Tempo, das die Volksrepublik dabei vorgibt, ist atemberaubend. Gewaltiger Rohstoff- und Energiebedarf, rasant steigender Verkehr und daraus resultierende Umweltprobleme machen dem Riesenreich mit 1,3 Milliarden Menschen zu schaffen. Dies hat auch unmittelbare Konsequenzen für die klassischen Industrienationen. Daraus ergeben
sich eine Reihe von Forderungen an Politik und Wirtschaft auch und gerade in der Bundesrepublik und in der EU.


Die immense Nachfrage nach Rohstoffen in China hat zu steigenden Stahlpreisen auf dem Weltmarkt geführt, was wiederum die Produktion von Kraftfahrzeugen in den traditionellen Herstellerländern erheblich verteuert. Auch die Kosten für Kraftstoff und Aluminium sind und werden noch sehr viel stärker ansteigen, und die weltweite Transportkapazität ist knapper geworden. Einer der Hauptgründe für die Rohstoffverzehrende Sogwirkung, die von China ausgeht, ist der fulminante Anstieg des Individualverkehrs. Derzeit fahren auf Chinas Straßen 22 Millionen Pkw; bis zum Jahr 2020 wird sich der Bestand auf bis zu 220 Millionen verzehnfacht haben.

Um die Mobilität dieser Massen und auch Güter sicherzustellen, und um mit den Rohstoffvorräten effizienter und sorgsamer umzugehen, sind alternative Verkehrskonzepte notwendig.
Die Umweltbelastungen, die im Wesentlichen auf die noch weit verbreitete Kohleheizung zurückzuführen sind – 60 Prozent der Chinesen verwenden noch Kohle im Haushalt – werden durch die Emissionen des Straßenverkehrs bald übertroffen. Von den 20 Megastädten der Erde, die bei der urbanen Luftverschmutzung ganz vorne rangieren, sind 16 chinesische Metropolen aufgeführt. Um die Umweltbelastungen durch Emissionen fossiler Brennstoffe zu senken, ist wiederum die Entwicklung alternative Antriebe vonnöten. Auch wird die Energie immer knapper, so wird in Peking jetzt schon stundenweise der Strom abgestellt.


Deshalb sind Forschung und Entwicklung in den westlichen Industrieländern gefordert, mitzuarbeiten. Auch das Thema Energiegewinnung aus Kernkraft war mehrmals ein klarer Standpunkt bei den Diskussionen.


„China hat große Schwierigkeiten“, gab der chinesische Botschafter in Deutschland, Ma Canrong in seinem Beitrag offen zu. Er betonte aber, dass seine Regierung mit aller Kraft an Lösungen für eine nachhaltige Mobilität arbeitet: „Die Entwicklung Chinas geht nicht zu Lasten anderer Länder“. Beispielsweise wird an der Verflüssigung von Kohle und der Nutzung von daraus produziertem Gas gearbeitet. Derzeit laufen in China schon 205 000 Busse und Taxis mit Gasantrieb.

Bei allen politischen Entscheidungsprozessen in China zeigt sich, dass trotz der traditionell hierarchisch gegliederten Struktur bereits viel effizienter als in Europa gearbeitet wird. So benötigt man in China lediglich zwei Jahre, um eine komplette U-Bahn-Linie zu bauen, während in Deutschland allein die Umweltverträglichkeitsprüfung eines solchen Projekts diese Zeit in Anspruch nimmt. Hier haben die Chinesen bereits jetzt einen deutlichen Vorsprung vor allem vor Europa.
Die Probleme, wie sie sich derzeit in China darstellen, sind zwar auf chinesischem Boden gewachsen, die Auswirkungen jedoch werden auf den Weltmärkten und in den Industrienationen zu spüren sein. Wenn die Verkehrs- und Umweltprobleme Chinas nicht bewältigt werden, dann werden sie nirgendwo und nie gelöst.


Deshalb waren sich die Experten beim World Mobility Forum einig darüber, dass die Lösung der chinesischen Probleme nicht China allein überlassen werden darf. Mitdiskutiert haben:
Botschafter Ma Canrong, Professor Dr. Gang Wan, Präsident der Tongji University Shanghai, die Vize-Generalsekretäre und Planungschefs der Megastädte Shanghai und Hong Kong, Dr. Rüdiger Grube, Vorstand und China-Bevollmächtigter der DaimlerChrysler AG, Dr. Bernd Malmström, Vorstandsvorsitzender der Stinnes AG, Dr. Bernd Pischetsrieder, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, Uwe Möller, Generalsekretär des Club of Rome, die Forschungsvorstände von BMW und DaimlerChrysler, Professor Dr. Burkhard Göschel und Dr. Thomas Weber, Martin C.J. van Pernis, Vorstandsvorsitzender Siemens Nederland,
Rainer Grohe, Vorstandsvorsitzender Galileo Joint Undertaking, der Präsident von General Motors Europe, Carl-Peter Forster sowie zahlreiche Vertreter von Weltverbänden der Mobilitätsbranchen.

Folgende Schlussforderungen aus den Diskussionen richten sich an Politik und Wirtschaft:


1. China ist der am schnellsten wachsende Markt der Welt. Chinas Probleme sind auch unsere. Es gibt nicht viele Möglichkeiten, die Probleme zu lösen. Es gibt nur eine: Und diese liegt in China.

2. Wer China Produkte anbietet, muss eine umweltrelevante und verkehrstechnische Lösung mit anbieten. Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen in Deutschland und Europa müssen zusammenarbeiten, um die Herausforderungen anzunehmen. Alternative Antriebe wie beispielsweise die Brennstoffzelle sind vorrangig. Bei der Frage der Energiegewinnung darf Kernkraft und ihre Nutzung kein Tabu sein.

3. Politische Entscheidungsprozesse, vor allem auf dem Sektor Verkehr, müssen gestrafft und beschleunigt werden. Nur ein vernetztes Verkehrssystem, welches für alle Transportfragen die optimale Antwort findet, kann auf lange Sicht die Mobilität sicherstellen.

4. Die Effizienz verkehrspolitisch relevanter Entscheidungen muß in Europa erhöht werden. Der Ausverkauf deutscher Spitzentechnologie muß gestoppt werden. China entwickelt den Transrapid weiter, beschleunigt die Entwicklung der Brennstoffzellen- und Wasserstoff-
Technik und ist dabei, Europa auch technologisch zu überholen.

5. Umwandlung der Verkehrsministerien in Mobilitätsministerien, in denen alle Facetten der Mobilität zusammengefasst und koordiniert werden.


Das World Mobility Forum und sein Geschäftsführer Uwe Brodbeck setzen sich vehement dafür ein, dass die Komplexität und die Dringlichkeit des Themas Mobilität und Verkehr gerade am Beispiel China exemplarisch verstanden wird. „China ist schon weiter, als wir es glauben“. Das alte Reich der Mitte zeigt sich in einem ganz neuen Licht. Dies muss auch und gerade in Europa und Deutschland verstärkt wahrgenommen werden. Die Zeit wird knapp, aber Pessimismus ist nicht angebracht. Uwe Brodbeck: „Die Chancen sind größer als die Risiken, weil die Chinesen nicht die Fehler Europas wiederholen“.

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