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World Mobility Forum 2007

Vignette in Belgien bringt noch mehr Verkehr aus Holland nach Deutschland

Foto: dpa

VDA-Präsident Gottschalk: “Diskussion um City-Maut, Fahrverbote und Autobahngebühren ist schädlich“ – Bilfinger Berger-Chef Bodner: “Bund sollte allein Verantwortung für überregionale Straßen haben“.

24.07.2000

Die Bundesrepublik wird nach Einschätzung von Toll Collect-Chef Hanns-Karsten Kirchmann nicht ohne eine Weiterentwicklung der Mautsysteme und europäische Lösungen auskommen. Angesichts von neuen nationalen Vignetten-Plänen wie in Belgien werde der Druck auf deutsche Fernstraßen noch steigen, wenn die Politik nicht reagiert. “Wenn Belgien die Vignette einführt, werden noch mehr holländische Pkw über deutsche Autobahnen nach Süden fahren“, sagte Kirchmann am Dienstag auf dem World Mobility Forum 2007 der Motor Presse Stuttgart. “Wir brauchen dringend eine europäische Lösung, um auf nationale Verkehrsverlagerungen reagieren zu können.“ Auch national müsse Deutschland auf die steigenden Verkehrsströme reagieren. “Wir rechnen damit, dass der Güterverkehr bis 2015 um 60 Prozent steigt, davon 40 Prozent auf der Straße. Der Pkw-Verkehr wird um 20 Prozent zunehmen. Die Straße ein knappes Gut, das gemanagt werden muss.“ Toll Collect könne dazu einen Beitrag leisten. Kirchmann: “Toll Collect kann zum Beispiel den Kölner Autobahnring zwischen 6 und 10 Uhr so bemauten, dass sich ein Lkw-Fahrer überlegt, ob er in dieser Zeit dort fahren will.“

Als schädlich bezeichnete der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, Professor Bernd Gottschalk, die aktuelle Diskussion um Citymaut, Fahrverbote, Autobahngebühren und Feinstaubbelastung. Die Debatte habe inzwischen eine “soziale Dimension“ erreicht, ob man sich Autofahren noch leisten kann. Dabei kritisierte Gottschalk, dass der Bund die Einnahmen aus der Lkw-Maut nicht komplett in das Straßensystem investiere. “Der Staat hat es bei Einführung der Lkw-Maut versäumt zu erklären, dass die Einnahmen zu 100 Prozent der Infrastruktur zugute kommen.“ Entsprechend skeptisch sei er auch bei der Einführung einer Pkw-Maut.
Bei der Einführung einer Pkw-Maut wie von Bayern zur Eindämmung des Tanktourismus vorgeschlagen, rät Gottschalk zur einer genauen Prüfung der Folgen für das nachgeordnete Straßennetz “Man muss genau berechnen, was die Verlagerung von Verkehr für die Sicherheit bedeutet. Ich will die Pkw-Maut nicht mit einer Ausweitung der Verkehrstoten bezahlen.“

Die Finanzierung großer Verkehrsprojekte über Partnerschaften mit der Privatwirtschaft ist nach Einschätzung von Herbert Bodner, Vorstandschef des Baukonzerns Bilfinger Berger, nur möglich, wenn Ausweichstrecken nicht länger zur Verfügung stehen. So rechne sich der privat finanzierte Straßentunnel in Rostock nicht, weil zu viele Autofahrer Ausweichstrecken nutzen und der Tunnel trotz einer Maut von nur einem Euro nur ein Drittel der erwarteten Einnahmen erzielt. “Ein teures Projekt wie der geplante Albaufstieg im Zuge der A8 zwischen Stuttgart und München lässt sich nur finanzieren, wenn er sich rechnet und es eine große Hürde ist, ihn zu umfahren, auch wenn das politisch wehr tut.“
Bodner forderte auf dem World Mobility Forum, zur Beschleunigung des Fernstraßenbaus in Deutschland allein dem Bund die Verantwortung für Fernstraßen zu übertragen und in Planung und Bau stärker in die Privatwirtschaft einzubinden. “Wir müssen dringend die Planungsprozesse entrümpeln“, so Bodner. “Bei einem Euro Investitionssumme in einen Kilometer Autobahn kommen 80 Cent für die Verwaltung hinzu.“ Der Chef von Bilfinger Berger forderte deshalb, auch mit Planung und Baudurchführung Private zu beauftragen.

Auch Peter Rambold, Vorstandsmitglied von PricewaterhouseCoopers, hält eine “Entrümpelung“ des Planungsrechtes für dringend erforderlich, um mehr private Investoren für Infrastrukturprojekte zu gewinnen. “Dass wir in Deutschland mit PPP-Projekt nicht richt voran kommen, liegt nicht an fehlendem Geld. Es muss der politische Wille da sein.“ Um den weiter stark ansteigenden Güterverkehr bewältigen zu können, forderte Bilfinger Berger-Chef Bodner auch massive Investitionen in das Netz der Deutschen Bahn. “Wer einfach fordert, Güterverkehr auf die Bahn zu verlagern, geht an der Realität vorbei. Der Güterverkehr der Bahn ist bereits an der Kapitätsgrenze angekommen. Es ist notwendig, erheblich in das Güternetz zu investieren.“

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