Danach kann jeder 16- bis 25-Jährige sich den Führerschein von einer Bank bezahlen lassen. Die Bank überweist das Geld der Fahrschule. Der Jugendliche stottert den Kredit mit einem Euro pro Tag ab - zinslos. Denn die Zinsen zahlt der Staat. Das Prinzip ist nicht neu. Frankreich hat 2004 bereits mit dem "Ein-Euro-Laptop" für Studenten gute Erfahrungen gemacht.
Früher waren die Streitkräfte für die Vorstadt-Kids die "Fahrschule der Nation". Zu Zehntausenden nutzten sie den ungeliebten Wehrdienst, um den Führerschein zu machen. Ende 2002 wurde zwar die Wehrpflicht abgeschafft - aber nicht der Wunsch zum Fahren.
Trotz der Aussicht auf neue Geschäfte begrüßen die Fahrschulen den "Ein-Euro-Führerschein" nicht nur mit Jubel. Denn vor allem Kleinbetriebe müssen von der Bank als kreditwürdig eingestuft werden, um an dem Verfahren teilnehmen zu können. Der Staat will verhindern, dass marode Fahrschulen noch kurz vor der Insolvenz das Geld kassieren.
Unklar ist auch, wie viele Jugendliche mitmachen. Von den jährlich 1,3 Millionen Fahrprüflingen sind 700.000 unter 25 Jahre. Mehr als die Hälfte versucht es bereits zum zweiten oder dritten Mal. Vielen Jugendlichen - gerade, wenn sie schon fahren zu können glauben - ist die Prüfung einfach zu kompliziert. Und sie können sich in Frankreich ganz legal bereits mit 16 ans Steuer setzen, wenn sie von einem erfahrenen Autofahrer begleitet werden. Die Regierung hat daher nach Expertenmeinung noch viel "pädagogische Arbeit" vor sich, um die Zauderer vom "Ein-Euro-Führerschein" zu überzeugen.
Frankreich: Führerschein für einen Euro
Rund 800.000 Franzosen fahren nach Schätzungen des Pariser Verkehrsministeriums ohne Führerschein. Darunter sind auch "alte Hasen" mit jahrzehntelanger Erfahrung. Doch vor allem in den ärmeren Vorstädten nimmt das Fahren ohne Führerschein zu. Genau hier will die französische Regierung jetzt ansetzen: mit einem "Ein-Euro-Führerschein".
Autor: dpa




