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Fraser Island im VW Touareg

Foto: Reinhard Schmid 12 Bilder

Fraser Island im Osten Australiens ist nicht nur die größte Sandinsel der Welt, sondern auch ein beliebter Abenteuer-Spielplatz für Geländewagen-Fans down under. Im VW Touareg unterwegs im Sandkasten für Männer.

27.03.2008 René Olma

Erst die Brandung überspült die Fahrbahn, tilgt die Reifenspuren der Geländewagen. Bis dahin dient der 75-Mile-Beach im Osten von Fraser Island als Schnellstraße. Der feuchte Untergrund wird bei Niedrigwasser fast so fest wie Asphalt, doch wer auf der 120 Kilometer langen und maximal 30 Kilometer breiten Insel zügig vorankommen will, muss den Gezeitenkalender beachten. Bei Hochwasser ist kein Durchkommen, dann reicht der Pazifik bis an die Dünen.

Touareg-Tour mit Tempo 80

Mit Tempo 80 rollt der VW Touareg gen Norden, immer die Warnung im Hinterkopf, dass Ordnungshüter mit Laser-Pistolen nach Verkehrsrowdys fahnden. Kein Wunder, denn an diesem Küstenabschnitt gibt es die meisten Unfälle. Oft aus purem Übermut drehen selbsterklärte Rallye-Piloten mit schwer beladenen Dachträgern zu viel auf und verlieren beim Durchqueren eines unerwartet tiefen Bachlaufs oder bei Driftversuchen die Kontrolle über ihre Allradler. Andere starren wie hypnotisiert auf den Gegenverkehr und vergessen auszuweichen.

Der deutschstämmige Peter Mayer, seit zwölf Jahren Ranger auf der größten Sandinsel der Welt, weiß von einem Fall, "als zwei Fahrer zwei Mal am selben Tag zusammengeknallt sind". Dann doch besser über Land fahren. Ein Netz aus schmalen Sandpisten zieht sich über das Eiland, Asphalt findet man auf Fraser nur an der Fähranlegestelle in Kingfisher Bay. Das gleichnamige Hotel ist der Ausgangspunkt für Touren und wirkt wie ein Fremdkörper: Poollandschaft, großzügiger Restaurantbereich und komfortable Zimmer passen irgendwie nicht zum Rest der Insel, wo Camping angesagt ist.

Doch nicht jeder ist bereit, auf Komfort zu verzichten und zieht es vor, sich im Allradbus über die Insel kutschieren zu lassen und abends ins komfortable Hotel zurückzukehren. Die meisten Besatzungen der Geländewagen, die in Kingfisher Bay nach rund einer halben Stunde Überfahrt von der Fähre rollen, haben damit nichts am Känguruleder-Hut. Ganze Batterien von Angelrouten am Rammschutz und XXL-Kühlboxen auf der Ladefläche zeigen, worum es den meisten Australiern geht: fischen, campen und relaxen.

Unterwegs auf schmalen Sandpisten

Zum Teil schleppen die Landcruiser und Land Rover sogar Camping-Anhänger mit montierten Klappzelten hinter sich her. Zum Glück für die Gespannfahrer sind die Bedingungen gerade vergleichsweise einfach: Von tagelangem Dauerregen ist der Sand noch feucht und somit griffig.

Im Sommer, nach ausgedehnter Trockenheit, haben Gespanne auf den schmalen Sandpisten so ihre Probleme. Da kommen sie nur am Strand voran, erklärt Peter. Der Touareg hätte wohl auch bei deutlich schlechterem Straßenzustand keine Mühe, die mitunter steilen Anstiege zu erklimmen. Die Luftfederung sorgt in den tiefen Fahrspuren für genügend Bodenfreiheit, und der V6-TDI stellt ausreichend Kraft zur Verfügung, um mit dem lockeren Untergrund zurechtzukommen. Da kann der bierbäuchige Einheimische mit seinem lilafarbenen Hummer H3 noch so herablassend grinsen, als er den VW erblickt. Vermutlich hält er uns für jene Spezies von Großstadt-Cowboys, die sich mit dem neu erworbenen SUV erstmals ins Gelände wagt.

Hohe Dünen und viel Wald

Viele Offroad-Karrieren starten tatsächlich auf Fraser Island, "weil es hier sicherer ist als im Outback. Irgendwann kommt immer jemand vorbei, der einem helfen kann, wenn das Auto im Sand feststeckt", erklärt Mayer. Wir wollen es nicht darauf anlegen und haben sicherheitshalber Schaufeln und Sandbleche eingepackt. Wer sich unter einer Sandinsel so etwas wie eine überdimensionale Sandbank vorstellt, wird auf Fraser eines Besseren belehrt. Zwar gibt es bis zu 240 Meter hohe Dünen, doch geprägt wird die Landschaft von ausgedehnten Wäldern.

Zwischen den bis zu 60 Meter hohen, ausschließlich auf Fraser und zwei weiteren Inseln wachsenden Satinay-Pinien wirken selbst die nicht gerade verkümmerten Eukalyptus-Bäume wie Bonsai. Dass die Pinien überhaupt noch existieren, erklärt Mayer, grenze an ein Wunder. Die wegen ihres streng riechenden, ölhaltigen Harzes auch Terpentin-Baum genannten Hölzer waren aufgrund ihrer Wasserfestigkeit beliebtes Baumaterial in feuchten Regionen. Selbst den Suez-Kanal stabilisierte Holz von Fraser Island. Erst als die Insel 1991 Teil des Great-Sandy-Nationalparks wurde, hatte der Raubbau ein Ende. Geld wird heute ausschließlich mit den Touristen verdient, die sich auf der 1.600 Quadratkilometer großen Insel aber höchstens an den Hauptattraktionen ins Gehege kommen.

Weißer Sand und türkisfarbenes Meer

Der Lake McKenzie ist so ein Ort. Der Sand ist weiß, das Wasser türkis. Ein Badestopp gehört zum Pflichtprogramm für Besucher. "Warum alle hierher kommen, ist mir allerdings schleierhaft", erklärt Ranger Mayer. "Auf der Insel gibt es über 200 Seen, die mindestens ebenso schöne Strände haben." Doch die meisten Touristen folgen offensichtlich einem Herdentrieb, und der führt sie dann fast zwangsläufig zum Aussichtspunkt Indian Head im Nordosten, einem der wenigen Orte, der nicht aus Sand, sondern Lava-Gestein besteht und einen spektakulären Blick über die Insel bietet.

An der Zufahrt herrscht Gedränge. Im tiefen Sand steckt ein alter Bekannter. Die Gesichtsfarbe des vor einigen Stunden noch hochmütig grinsenden Hummer-Besitzers ist mittlerweile dunkelrot. Schweißtriefend versucht er, mit einem Klappspaten seinen im Sand feststeckenden H3 freizulegen. Die zerfurchte Sandfläche zeigt, dass hier schon andere ihre liebe Mühe hatten. Wir stoppen den Touareg und pumpen das Fahrwerk auf die höchste Position. Schalthebel in den manuellen Modus. Nun gilt’s. Der Sechszylinder-Diesel des VW heult auf, die grobstolligen Reifen wirbeln den weichen Sand auf, und der Geländewagen wühlt sich rechts am havarierten Hummer vorbei, bis er wieder festen Boden unter den Rädern bekommt. Der Hummer- Fahrer wirkt nun noch frustrierter - und schaufelt weiter.

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