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Frazer-Nash-Comeback mit alternativen Antrieben

Lkw, Zug, Sportwagen und Stadtauto mit Elektro-Antrieb

Frazer-Nash Foto: Wolfgang Wilhelm 17 Bilder

Wie ein Inder die englische Traditionsmarke Frazer-Nash mit neuen Antriebstechnologien wieder zum Leben erweckt.

11.04.2009 Bernd Ostmann

Frazer-Nash baut wieder Sportwagen. Ein halbes Jahrhundert nach dem letzten Messeauftritt auf der London Motor Show wurde jetzt der Frazer-Nash Namir in Genf präsentiert. War es 1959 ein Continental Coupé, dessen Dach und Türen von Porsche stammten, so ist es jetzt ein Supersportwagen, den Giugiaro entworfen und gebaut hat. Frazer-Nash hat sich also eine 50-jährige Auszeit genommen. Und plant jetzt das Comeback. Der Namir ist ein erstes Signal. Aber Kamal Siddiqi, der Frazer-Nash wiederbelebt hat, gibt sich keinen Illusionen hin: "Wir existieren noch nicht."

Namir: Supersportwagen mit vier E-Motoren

Früher baute Frazer-Nash knallharte englische Sportwagen, kettengetriebene Monster mit Frontmotor und Getriebe an der Hinterachse. Heute präsentiert die Firma einen Supersportwagen mit 397 PS, angetrieben von vier Elektromotoren und einem winzigen Wankel mit einem Hubraum von 814 Kubikzentimetern. Genug, um den Sportler in 3,5 Sekunden von null auf 100 km/h zu beschleunigen und Tempo 310 zu erreichen.Wurden früher die Hinterräder mit viel Power versorgt, so baut der Namir auf ein High-Tech-Steuersystem, das die Kraftverteilung an alle viere koordiniert - alles ohne Differenziale. Siddiqi: "Die hat Leonardo da Vinci vor 400 Jahren entwickelt." Beim Namir werden Drehmoment und Schlupf individuell für jedes Rad elektronisch geregelt.

Naza-City-Car mit E-Motor

Wer ihn fragt, wie so etwas funktioniere, den setzt Siddiqi zunächst ans andere Ende der automobilen Hierarchie: in einen billigen Kleinwagen aus Malaysia. Das Naza-City-Car wird natürlich auch elektrisch angetrieben - allerdings nur über die beiden Vorderräder. Die Beschleunigung des kleinen Viertürers ist erstaunlich. Wirklich faszinierend ist aber, wie flink und neutral der City-Floh um Kurven wetzt. Wer heftiges Untersteuern erwartet, wird enttäuscht. Das kleine Elektroauto kann beeindrucken. Auch wenn Siddiqi zu verstehen gibt: "Ein City-E-Auto hat ökonomisch keinen großen Sinn. Bei kleinen Autos ist der Unterschied vom Elektroantrieb zum Diesel zu gering."

Sportwagen, Lastwagen und Züge mit Elektroantrieb

Seine Zielrichtung sind eher High-End-Fahrzeuge - oder gleich Lastwagen oder Züge. Denn die Frazer-Nash-Antriebstechnik "ist skalierbar". Im Prinzip vom Fahrrad bis zum Mono-Rail-Zug. In Malaysia gibt es bereits eine Teststrecke für das Zugsystem mit zwölf Antriebsrädern samt zwölf Elektromotoren und einem 1,6 Liter großen Dieselmotor als Range-Extender. 180 Personen lassen sich mit maximal 80 km/h transportieren. In Dubai wird der erste Zug Ende des Jahres in der City of Arabia in Serie gehen.

Den Hybrid-Zug gibt es in der Frazer-Nash-Firmenzentrale nur als Modell, dafür steht ein Lkw mit acht angetriebenen Rädern zur Probefahrt bereit. Selbstverständlich werden alle acht Räder von eigenen E-Motoren angetrieben. Und weil der Lastwagen ohne Differenziale auskommt, kann er bei Bedarf von einem einzelnen Mann mühelos weggeschoben werden. Weit beeindruckender ist aber die Traktion und Geländetauglichkeit des Lasters mit seinen in Drehmoment und Schlupf intelligent gesteuerten Rädern. Dies ist aber nur ein Vorteil des Lkw. Viel wichtiger ist sicherlich, dass man den Transporter in den Innenstädten - beispielsweise bei Auslieferungen in der Nacht - völlig geräuschlos und rein elektrisch bewegen kann. Um eine ordentliche Reichweite zu sichern, gibt es als zuschaltbaren Range-Extender einen 1,4 Liter großen Dieselmotor. Für den Lastwagen wird noch ein Partner gesucht. "Denn wir sind kein Hersteller", erklärt Siddiqi, "wir liefern nur clevere Lösungen."

Hybrid-Taxi für London

Eine Ausnahme ist das Taxi-Projekt. Frazer-Nash hat das Unternehmen Metrocap übernommen. Und wird im April das erste Hybrid-Taxi, zunächst für London, anbieten. Taxis laufen bei Frazer-Nash seit acht Jahren im Versuch. Man hat alle Fahrzyklen genau analysiert und bietet ein maßgeschneidertes Antriebskonzept. Einen Elektroantrieb, der auf längeren Strecken durch einen Range-Extender unterstützt wird, in diesem Fall einen 407 Kubikzentimeter großen und knapp 50 PS starken Wankelmotor, der im sächsischen Kirchberg von der Wankel AG gebaut und bei Frazer-Nash für die speziellen Anforderungen modifiziert wurde. Das maximal 2.525 Kilogramm schwere Taxi erreicht im Sport-Modus eine maximale Geschwindigkeit von 129 km/h.

40 Euro Ersparnis am Tag

Wenn danach der Wankel einsetzt und bei 3.500 Touren vor sich hinschnurrt, dann spürt und hört man davon eigentlich nichts. Der CO2-Ausstoß liegt dabei bei 50 Gramm pro Kilometer. Der durchschnittliche Verbrauch beträgt 3,1 Liter/100 km, ein vergleichbares Diesel-Taxi kommt nicht unter zehn Liter. "Und im Stau ist der Diesel noch viel schlechter", stichelt Siddiqi. Das neue Metrocap-Taxi, das im April vorgestellt wird, bietet mehr Platz für Fahrer und Passagiere - und es wird trotz Hybridantrieb nicht teurer sein als die Dieselvariante. Siddiqi geht davon aus, dass sein Taxi ein Renner wird. Die rein elektrische Reichweite wird bei 55 bis 60 Kilometer liegen, und am Ende des Tages, so rechnet Siddiqi, soll der Taxi-Chauffeur aufgrund des geringeren Verbrauchs eine Ersparnis von rund 40 Euro haben.

Als Dreingabe gibt es beim neuen Metrocap-Taxi gleich das Taxameter im Elektronikdisplay integriert. Das kleine Display hat erstaunliche Talente: Man kann nicht nur Schlupf und Drehmomentverteilung an den angetriebenen Hinterrädern ablesen, es lässt sich auch der Ladezustand der Batterie kontrollieren. Und dies ist noch nicht das Ende. Via Display lässt sich jede der 72 Gaia-Zellen im schwarzen Batterie- Gehäuse überwachen - und dies soll nicht nur im Taxi für Fahrer und Passagiere möglich sein. Frazer-Nash sammelt die Daten aller Taxis in der Zentrale im Herrenhaus in Camberley vor den Toren Londons. Da hegt man natürlich den Verdacht, dass die Technologie wohl doch noch nicht hundertprozentig sicher ist.

Siddiqi kontert: "Ist Benzin sicher? Wichtig ist es, jede Zelle in jedem Betriebszustand richtig zu managen. Wenn man dies beherrscht, dann ist die Technologie sicher." Und mit dieser Technologie hat der Inder große Pläne: 2009 soll Frazer- Nash bekannt werden. In erster Linie durch den Namir, der Ende des Jahres in einer Kleinserie produziert werden soll. Nach dem Taxi soll später ein Kleintransporter folgen, zu dessen Produktion es schon sehr konkrete Pläne gibt. Und 2010 könnte Frazer-Nash sogar an eine alte Tradition anknüpfen und wieder in den Motorsport einsteigen. Dazu entsteht in enger Abstimmung mit der Sportbehörde FIA ein Hybrid-GT-Sportwagen auf Basis des Namir.

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