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Fritz B.Busch

Der Fummler

Foto: Beate Jeske

Schrauben ist nicht alles. Es gibt auch ein Leben daneben.

07.08.2008 Fritz B. Busch Powered by

Er verrenkte sich das Kreuz, auf dem er lag und sämtliche Finger, biss sich aus Versehen auch auf die Zungenspitze und probierte es noch einmal: Er zog den Nippel durch die Lasche und drehte das Teil um die Breite seines Daumens nach rechts. Endlich machte es klick - die Muffe rastete ein! Welch ein Glücksgefühl.

Auf dem Rücken robbte er unter dem Fahrgestell hervor und blieb noch ein Weilchen so liegen, geschafft! Wer sagt’s denn, er war ganz schön vorangekommen. Als er sich die Hände mit der Putzwolle abrieb, fiel sein Blick auf die Armbanduhr.

Schon kurz vor sieben - oh Gott! Er wollte doch mit Britta essen gehen. Es gab irgendeinen Grund, irgendeinen, den sie wichtig nahm. Wer hatte Geburtstag? Aber dann traf es ihn wie ein Elektroschock. Um Himmelswillen, sie hatten Hochzeitstag! Den siebten oder so. Und sieben Uhr war es auch schon. Er sprintete hinauf in die Wohnung und rief schon im Flur: "Bin da, geh’ nur unter die Dusche und zieh’ mich um."

Lässig kreuzworträtselnd auf dem Sofa - Die Ruhe vor dem Sturm

Da sah er sie durch die halb offene Wohnzimmertür im Morgenmantel auf dem Sofa sitzen, die Beine angezogen, eine Zeitschrift auf den Knien und einen Stift in der Hand.

"Duschen, wozu?" rief sie, "nenn’ mir lieber ein Rohrstück mit ’nem doppelten ’f’ in der Mitte." Also löste sie Kreuzworträtsel, heute, jetzt, kurz vor Sieben, wo sie doch beide - meine Güte, was hatte er da wieder verbockt!

Er lehnte am Türrahmen und stammelte "Muffe". Sie rief "richtig" und bewegte den Kugelschreiber. Dabei blickte sie konzentriert auf das Papier. Und ehe er irgendetwas sagen konnte, rief sie "und einen kleinen Schmierpfropf mit ’nem doppelten "P". Er stutzte zwar, konnte aber einem kleinen Schmierpropf mit doppeltem p unmöglich widerstehen und hörte sich "Nippel" rufen. Sie bewegte den Kugelschreiber und murmelte "richtig". Das klang so friedlich, so verdächtig friedlich an diesem Tag, äh Abend um sieben zum siebten. Irgendetwas ist hier faul, schwante es ihm.

Sie saß da in ihrer gewohnten Feierabend- Pose, und es schien sie nicht zu stören, dass er in seiner ölbefleckten Montur am Türrahmen lehnte. Er wollte etwas sagen, doch sie kam ihm zuvor. "Lässiger Ausdruck für Basteln", hörte er sie murmeln, "und zwar mit ’nem doppeltem ’m’ in der Mitte …"

Basteln mit doppeltem m? Er wusste es nicht, aber da schrieb sie es schon hin und rief: "Fummeln". Das klang so heiter, so entspannt, als wäre die Muffe eingerastet.

"Ha, dann bin ich ja ein Fummler!" gröhlte er mit einem befreiten Lachen.

Aber da traf ihn ein merkwürdig bedeutungsschwerer Blick vom Sofa her, begleitet von einem abgrundtiefen Seufzer und den Zischlauten: "Ein Fummler? Das warst du mal …"

Sie warf das Rätselheft und den Stift mit Schwung auf den Teppich, schlug sich die Hände vors Gesicht und begann in jener Tonlage mit der sich steigernden Lautstärke zu schluchzen, die er mehr fürchtete als einen Reifenplatzer. Nun war die Katastrophe da.


Männer, es gibt noch mehr als schrauben unter altem Blech zu liegen

Wie hatte er die Bedeutung dieses Tages nur vergessen können, zumal schon das Frühstück extrem kurz ausgefallen war, weil sie unbedingt zum Friseur musste und zur Maniküre und noch irgendwo anders hin unter dem Motto: "Gell, du weißt schon, warum …"

Meine Güte, was war er doch für ein Trottel mit ’nem doppelten ’t’ in der Mitte. Nun galt es, den Schaden zu richten. Aber wie?

Die Situation entspannte sich kaum, als der von ihm herbeigerufene Pizza-Bote klingelte. Er brachte das Festmahl "Pizza Napolitana" im Karton. Es war genau die Sorte, die sie nicht mochte.

So kann es kommen, Männer, wenn ihr es übertreibt. Denkt immer daran! Ein TÜV-Termin ist nicht alles im Leben. Das musste doch endlich einmal gesagt werden, mit erhobenem Zeigefinger, gerade hier, an dieser Stelle.

Nachtrag. Das Schreiben war gestern arg stressig. Der komplette Vormittag ging drauf. Ich hatte am frühen Morgen begonnen, weil mir die Story während der Nacht eingefallen war. Dann schleppte ich mich im Morgenmantel, unrasiert und mit knurrendem Magen, zu unserer gemütlichen Essecke.

Nanu! Die war illuminiert, wieso denn das? Am hellen Mittag - und mitten in der Woche? Liane entflammte gerade die letzte Kerze, bevor sie mich ganz seltsam anblickte und mit leicht erhobener, aber doch belegter Stimme sagte: Sie dürfen die Braut nun küssen!

Da rastete die Muffe hörbar ein - unser Hochzeitstag? Ich starrte auf die wunderschönen Blumen inmitten der Tischdekoration und erinnerte mich deutlich, dass sie nicht von mir waren.

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