Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Fulda-Challenge 2013, Tag 6

Die glückliche Dreizehn

Fulda Challenge 2013, Tag 6 Foto: Markus Stier 25 Bilder

Die 13. Ausgabe der Fulda-Challenge endete mit glücklichen Siegern und ohne Schäden. Am letzten Tag im Yukon-Territorium gab sich die bunte Reisegruppe auch dem Goldrausch hin.

16.01.2013

Robert Henderson wäre vielleicht stinkreich geworden, wäre er nicht so ein Rassist gewesen. Als Goldsucher im dünn besiedelten Yukon-Territorium kannte man sich, und eigentlich wollte Henderson mit George Carmack eine Partnerschaft abschließen. Doch der war nicht nur mit einer Indianerin verheiratet, sondern tauchte auch noch mit seinem roten Schwager Keish und dessen Vetter Tagish Charlie auf, um Tabak zu kaufen. Doch Henderson handelte nicht mit Rothäuten und im Gegenzug verriet die kleine Reisegruppe dem chauvinistischen Zeitgenossen nicht, dass ausgerechnet die Rothaut in diesem Sommer 1896 ein paar Tage vorher einen fetten Klumpen Gold am Rabbit Creek nahe dem Klondike-Fluss gefunden hatte. Weil Keish als Indianer auch keinen Claim anmelden konnte, erledigte dass sein Schwager Carmacks. Die drei Männer wurden reich, Robert Henderson bekam lediglich eine Rente von 200 Dollar für seine Verdienste um die größte Völkerwanderung, die der Yukon je erlebt hatte.

Als sich der Fund herumgesprochen hatte, tauchten innerhalb kürzester Zeit 100.000 Menschen am Zusammenfluss von Klondike und Yukon auf. Die aus dem Boden schießende Stadt Dawson City platze aus allen Nähten. Doch der Goldrausch dauerte nur wenige Jahre, denn kaum war auch in Nome im benachbarten Alaska Gold gefunden worden, zog ein Großteil der Karawane weiter.

Nichts war es mit Urlaub

Dawson City ist geblieben, allerdings als kleines Nest von 1.900 Einwohnern und dennoch die zweitgrößte Stadt des Yukon-Territoriums, dass locker die doppelte Größe der Bundesrepublik hat. Aus der Zeit des Goldrausches stehen noch ein paar mehr oder weniger windschiefe Häuser, die Blockhütte des Schriftstellers und Abenteurers Jack London ist noch da und auch das Gold. Mit großem, industriellen Aufwand fördern 100 Minengesellschaften Gold und das längst mit größerem Erfolg als während der Zeit des Goldrausches mit seinen dicken Nuggets.
 
Im Winter ist Dawson allerdings ein nahezu totes Nest und der Einfall der Fulda-Truppe schon ein erhebliches Ereignis, das die örtliche Feuerwehr dazu bewegt, ein Barbecue für die Neuankömmlinge zu schmeißen.  Denen hat Strietzel Stuck beim abendlichen Briefing noch versucht, den Appetit zu verderben. Der Renn-Profi lobte zwar den fehlerfreien Blindflug über den Dempster Highway am Vortag, warnte aber eindringlich vor Schnee und Matsch auf dem Klondike Highway.
 
Es ist wie immer stockfinster, als sich der Tross in Bewegung setzt. Es ist der letzte Tag und es steht die letzte sportliche Herausforderung an: Reifen-Zerren auf dem Yukon. "Ich dachte, wir machen hier noch ein bisschen Urlaub", gesteht Sat1-Moderator Matthias Killing seine Fehleinschätzung. Man hat am Vorabend schon ein bisschen den Titelgewinn der Österreicher gefeiert. Nun steht man gesammelt und entgeistert auf dem Fluss bei Carmacks, dem Ort, der ausgerechnet nach jenem Goldsucher George Carmack benannt ist, der als reicher Mann seine Frau sitzen ließ und in Kalifornien eine Weiße heiratete. Es war ihr Bruder Keish, der sie schließlich versorgte.

Die Sportler müssen einen an einem Gummiseil befestigten Reifen so weit wie möglich über den Fluss zerren. Mit unterschiedlichstem Schuhwerk und ausgefallendsten Techniken gehen die Athleten zu Werke, ziehen und rutschen, stürzen und stehen wieder auf, bis sie entkräftet loslassen und der Gummi am Gummi mit Affenzahn über das Eis rutscht. Klar schmerzt der zweite Versuch mehr als der erste.
 
In der Damenwertung macht Granate - Verzeihung – Renate Reingruber wieder alle fertig, spannender ist, wie die Mannschaftswertung endet, denn die Schweiz und Deutschland liegen punktgleich. Unter heftigen "Hopp Schwyz"-Rufen stemmt Adrian Bachmann seine Schuhe in den Schnee. 18 Meter ist seine Bestmarke. Auch Teamkollegin Carmen Merz sieht gut aus mit bis zu 14 Metern. Doch dann kommt der Auftritt von Christian Schmid, der den Reifen über 22 Meter zerrt und mit zwei weiteren Versuchen über 20 Meter die Herrenkonkurrenz für Deutschland locker gewinnt. Auch Teamkollegin Claudia Beitsch müht sich zäh ab, kann zwar Merz nicht schlagen aber immerhin 13 Meter verbuchen. Auf dem Weg zum dritten Versuch trägt Schmid sie auf Händen: "Die Frau braucht jetzt jeden Muskel", doziert der Tagessieger. Am Ende wird Beitsch Dritte in der Damenwertung hinter Merz. Das scheint beide aber weniger zu interessieren als gemeinsam auf dem Fluss möglichst viele Lieder anzustimmen, in denen Brücken vorkommen.

Unfallfreier Abschied vom Yukon

Mit der Brücke bei Carmacks haben die Teilnehmer der Fulda Challenge ein letztes Mal den Yukon gesehen, bevor sich alle auf die letzten knapp 200 Kilometer zurück nach Whitehorse machen. Zum ersten Mal scheint entgegen dem Wetterbericht die Sonne und wirft goldenes Licht auf verschneite Berge. Auf der Straße scheint der Asphalt durch, das Thermometer klettert auf erstaunliche ein Grad Plus. Ein paar Hügel sind bedeckt von Stümpfen, die einmal Bäume waren. 1998 hat ein schweres Feuer, ein großes Areal verkohlt, bis heute hat sich die Gegend nicht von dem Waldbrand erholt.
 
Hinter leichten Anstiegen und Kuppen senkt sich die Straße immer wieder in endlose Weiten mit Geraden bis zum Horizont. "Es sind nicht nur die Wettbewerbe, sondern die Kombination mit der Landschaft, die das Besondere ausmacht", sagt Sieger Andreas Leiter. "Wer hat schon mal einen Wettkampf am Polarkreis gehabt", ergänzt Damen-Siegerin Reingruber.
 
Die hat nicht nur schnelle Beine, sondern auch einen schweren Fuß. Mit leicht überhöhter Geschwindigkeit genoss die Göstlingerin auch die langen Autofahrten. Eigentlich hatte Rennleiter Stuck ja kein gutes Gefühl. Es war schließlich die Fulda-Challenge Nummer 13. Aber abgesehen vom zu warmen Wetter und dem zu grauen Himmel war kein Pech zu verzeichnen. Selbst die sonst immer berüchtigte Kurve am Fox Lake forderte keine Opfer. "Das ist das erste Mal, dass wir keinen einzigen Schaden an den Autos zu verzeichnen hatten. Für mich seid ihr alle Helden."
 
Und so gaben sich am Ende Teilnehmer wie Journalisten, Helfer und Mediziner, Organisatoren und Ehrengäste schließlich selig auch endlich dem Goldrausch hin: "Yukon Gold" gab es am letzten Abends sowohl aus der Flasche, als auch vom Fass.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Autokredit berechnen
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden