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Funkenflug

Foto: Götz von Sternenfels 9 Bilder

Mehrere tausend Grad, ganz plötzlich. 100 bar Druck, viele Millionen Mal. Schon deshalb schaden ein paar Gedanken zu Zündkerzen nicht.

13.01.2007 Thomas Wirth Powered by

Die Aufgabe ist im Prinzip ganz einfach. Es braucht nur einen Funken, der das hoch explosive Gasgemisch im Brennraum zündet.

Nur die Rahmenbedingungen sind ziemlich hart. Denn von 100 Grad springt die Temperatur auf 3000 Grad, dazu kommen plötzlich 100 bar Druck, und das Dutzende Male pro Sekunde. Nicht nur Belastungsfähigkeit ist für diesen Job Voraussetzung, sondern auch maximale Zuverlässigkeit.

Früher waren die Bedingungen noch ein wenig leichter als heute. Denn einst rechneten Fahrzeughersteller mit fünf bis sechs Zündkerzenwechseln auf die Lebensdauer eines Motors. Alle 15000 Kilometer stand damals ein Austausch an. Heute sieht es anders aus: Noch belastbarere Materialien und perfektionierte Fertigungsmethoden machen moderne Kerzen deutlich widerstandsfähiger, aber auch teurer. Im Schnitt verbraucht ein Motor während seines Lebens nur noch anderthalb bis zwei
Kerzensätze.

Lange Wechselintervalle

Trotz der langen Wechselintervalle produziert Bosch, auf dem Weltmarkt Nummer zwei, immerhin rund eine Million Zündkerzen pro Tag, und das in bis zu 1000 verschiedenen Ausführungen. Da müssten, steht zu vermuten, auch für exotischste Einsatz- zwecke Modelle dabei sein. In aller Regel stimmt das: Selbst wenn die aktuellen Teilekataloge längst keine Namen wie Austin-Healey, Borgward oder Autobianchi mehr führen, lässt sich meist passender Ersatz finden.

Ganz einfach ist dies jedoch nicht, weil die heutige Nomenklatur für Laien kaum zu durchschauen ist. Bei Bosch zum Beispiel definiert allein der erste Buchstabe bereits drei Parameter, nämlich Sitzform, Gewindedurchmesser und Schlüsselweite.

Es folgen ein Kennbuchstabe für die Ausführung, dann die Wärmekennzahl, die heute nicht mehr drei-, sondern zwei- oder auch einstellig ist, dann die Gewindelänge, gefolgt von der Elektrodenausführung und deren Werkstoff. Zuletzt nennt ein Kürzel den Elektrodenabstand – soweit der maximale Fall.

Kerzen lösen kapitale Motorschäden aus

Doch wer falsch wählt, kann sich Ärger einhandeln: Zu heiße Kerzen lösen kapitale Motorschäden aus. Oder es können, wenn das Gewinde zu lang ist, durch Kontakt auch Schäden am Kolben entstehen.

Während sich Gewindelängen gut messen lassen, gibt es für den Wärmewert Umschlüsselungstabellen, die eine Wahl erleichtern. Wer sich nicht sicher ist, startet Experimente besser mit kalten Kerzen – das gilt besonders bei leistungsgesteigerten Motoren. Der maximale Schaden beschränkt sich dann auf verrußende Elektroden.

Heutige Kerzen decken, im Unterschied zu früher, bereits zwei Wärmewerte ab. Denn Kupferelektroden leiten die Wärme schneller ab, die Elektrode und der Isolatorfuß bleiben kühler, ohne dass im Gegenzug die Gefahr einer Verrußung besteht.

Schon immer waren Zündkerzen ein High-Tech-Produkt. Dennoch gibt es einige höchst einfache Regeln für den Umgang mit ihnen. So sollte das zulässige Anzugsmoment nicht überschritten werden. Als Faustregel gilt: Man dreht sie von Hand ein, bis der Dichtring im Zylinderkopf aufsitzt.

Bei Flachdichtsitzen wird um 90 Grad, bei Kegeldichtsitzen um 15 Grad weitergedreht. Diese Werte gelten für trockene Gewinde, bei Montage mit Kupferpaste ist das Anzugsmoment zu verringern.

Übrigens gilt eine Zündkerze, die auf den Boden gefallen ist, als Schrott. Denn Haarrisse können während des Betriebs zu Abplatzungen am Isolatorfuß führen – und harte Keramik hat im Brennraum nichts verloren.

Tipps & Adresse

Clubs und Werkstätten wissen oft Rat in puncto Wärmewert, Abmessungen und mitunter sogar Fabrikat. Wer jedoch mit dem großen Angebot der Hersteller nicht weiterkommt, kann sich sogar Zündkerzen nach Maß fertigen lassen. Bosch Automotive Tradition beispielweise bietet diesen Service über seinen Musterbau an, der freilich nicht billig ist: Ab 80 Euro kostet eine Kerze – je nach Anforderung kann der Preis auch deutlich höher ausfallen.

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