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Gaisbergrennen 2008

Fahren in seiner schönsten Form

Foto: Frank Herzog 25 Bilder

Das Gaisbergrennen gilt - zu Recht - als eine der schönsten Veranstaltungen für engagierte Fahrer, schwierige Wetterverhältnisse steigern nur die Herausforderung. Höhepunkt war diesmal ein Sonderlauf zum Thema "60 Jahre Porsche".

23.07.2008 Hans-Jörg Götzl Powered by

Doch ja, der Mann hat durchaus Spaß am Auto fahren. Mit gut 5.000 Touren jagt Wolfgang Porsche den 356 Carrera im zweiten Gang durch die Schikane nach Start-Ziel, dreht den Königswellen- Vierzylinder sauber aus, schaltet in den dritten Gang und peilt mit Vollgas zwischen einer Hauswand und dem nächsten Reifenstapel hindurch. "Das Auto geht richtig gut", lobt der Enkel des Firmengründers und Aufsichtsrats-Vorsitzender der Porsche Automobil Holding.

Wolfgang Porsche umgeben von Höhepunkten der Firmenhistorie

Hart auf die Bremse, runter in den Zweiten, einlenken, früh ans Gas, dann geht es leicht quer über eine der beiden Brücken, die die beiden Geraden entlang der Salzach zu einem Rundkurs verbinden und vom Veranstalter zum Stadt- Grand Prix von Salzburg erklärt werden. "Ich fahre ihnen doch hoffentlich nicht zu schnell?" fragt der gebürtige Stuttgarter höflich, während er das Heck wieder einfängt. "Aber nein", entgegne ich, und füge - mehr zu mir selbst - hinzu: "Ich vertraue auf ihre Gene."

Das kann man auch, der 65-Jährige hat den 135 PS starken Carrera souverän im Griff, wir sind bei diesem Sonderlauf zum 60. Geburtstag des Sportwagenherstellers beileibe nicht die langsamsten. Um uns herum röhren, brüllen und kreischen ein gutes Dutzend Höhepunkte der Firmenhistorie, darunter 550 Spyder, Abarth Carrera, RS 60, 904, 718/8 und sogar ein 917 und ein 962. Alles Natural Born Racer - mit denen kann und will man nicht wirklich langsam fahren.

Nicht ganz so flott und vor allem abschnittsweise gleichmäßig tobt anschließend das übrige Teilnehmerfeld beim Stadt-GP in Gruppen jeweils fünf Runden an der Salzach entlang - bis plötzlich einem der 165 Fahrer die Straße ausgeht und er in ein Absperrgitter rauscht.

Drei Zuschauer dahinter erleiden Prellungen, die Rennleitung - Gert Pierer, Hermann Schwarz und Thomas Matzelberger vom Salzburg Rallye Club - reagiert souverän: Die restlichen Runden fallen aus Respekt und Sicherheitsgründen aus. Stefan Schörghuber, beim Gaisbergrennen mit einem Kompressor- Mercedes unterwegs und praktischerweise Betreiber des Schloss Hotel Fuschl, lädt die Geprellten zudem zu einem Wellness- Wochenende in sein märchenhaft am Fuschl-See gelegenes Hotel ein, das zu den schönsten im Alpenraum zählt.

672 Höhenmeter in weniger als zehn Minuten

Anschließend zieht das Feld vom Fahrerlager Residenzplatz zum neuen Fahrerlager an der malerisch verfallenden Alten Brauerei am Fuß des Gaisbergs um. Der Salzburger Hausberg hüllt sich zum Start am nächsten Morgen in Wolken, immer wieder einsetzender Regen hält die 8,652 Kilometer lange, einst zur Berg-Europameisterschaft zählende Strecke schön feucht. Nebelschwaden besonders in den kurvenreichen Abschnitten sorgen für weiter erhöhte Herzfrequenz.

"Regen macht uns schon lange nichts mehr aus, dazu haben wir zu viel erlebt", erklärt Rainer Ott, der zusammen mit Gattin Angela einen Alfa 6C 1750 bergauf scheucht. "Die Strecke ist ziemlich herausfordernd, man muss schon aufpassen", meint der Schwabe.

Wohl wahr. Allerdings sollen die Teilnehmer offiziell ja auch nicht rasen, sondern die 672 Meter Höhenunterschied in gemütlichen zehn Minuten überwinden. Was die meisten so angehen, dass sie im unteren Abschnitt kräftig aufs Gaspedal steigen, in der Mitte verschnaufen und anschließend versuchen, die Zeit aufzuholen. Manche pfeifen auch auf die Hundertstelsekunden- Messung, braten einfach hoch und genießen unterwegs jede Hundertstelsekunde Vollgas.

Dazu sollte man besser die Strecke kennen. Also bettele ich so lange, bis mich Rudi Lins im RS 60 aus dem Porsche- Museum in einem Lauf mitnimmt. Der 63-jährige Österreicher kennt hier jeden Quadratzentimeter, 1967 holte er hier beim letzten Lauf zur Berg-Europameisterschaft mit dem Carrera 6 den Titel. Auf dem Kopf trägt er seinen weißen Originalhelm von damals - "aber nur zur Show", erklärt er beruhigend.

Schlüsselstelle an der Zistelalm

Die Strecke ist immer noch patschnass. Was Rudi nicht daran hindert, den 160 PS starken Königswellen-Vierzylinder mit voll geöffneten Drosselklappen bergauf zu treiben. Mit sparsamen Lenkbewegungen nutzt er die gesamte Straßenbreite vom Baum zu Baum und Alm zu Abgrund, gebremst wird kaum.

"Die Schlüsselstelle der Strecke ist der sehr schnelle Abschnitt vor der Zistelalm", brüllt der 63-Jährige gegen den Fahrtwind, während wir mit 100 km/h Überschuss an einem Kontrahenten vorbeifliegen. Im Ziel zeigt die Stoppuhr 5.30 Minuten - 1967 ist Rudi mit dem Carrera 6 sagenhafte 4.02 gefahren.

"Ja, ab und zu ist es ganz gut gegangen", meint Rudi. "Bei manchen Stellen denkt man: Da geht noch was." Helmut Eggert von Porsche Salzburg indes kann sich ein wenig Schmäh nicht verkneifen. "Ganz schön mutig, ich hätte mich das nicht getraut." "Warum", erwidere ich, "Rudi kennt doch die Strecke." "Schon", sagt Helmut, "aber ich kenne auch die Stelle, an der er damals abgeflogen ist und verflixt viel Glück hatte." Stirnrunzelnd schaue ich Rudi an, der grinst nur.

Vielleicht doch lieber selbst fahren. Porsche-Museumschef Klaus Bischof überantwortet mir den Abarth-Carrera, im Prinzip ein 356 B GS mit aerodynamisch geformter Aluminium-Karosserie, 800 Kilogramm leicht und 135 PS stark. Und wunderbar leichtfüßig zu fahren, die reine Freude. Anschließend wartet noch schweres Kaliber: der von einem dicken V8 befeuerte Rennsportwagen Huffaker Genie von Paul Koppenwallner, dem Rekordhalter am Berg.

Die Strecke trocknet nun abschnittsweise ab, was die Fahrer auch nicht immer glücklich macht: Nun lässt sich auf den Geraden prächtig beschleunigen, die Anbremszone und die Kurven aber liegen meist im Schatten. Und dort bleibt es feucht, was immer wieder für zusätzliche Adrenalin-Einspritzungen sorgt.

"Zum Teil sauglatt", konstatiert Fritz Kozka, dessen überbreite Slicks auf dem 600 PS starken 917 von keiner einzigen Regenrille verziert werden und die zudem kaum auf Temperatur zu bekommen sind. "Du weißt nie, ob es nach der nächsten Kurve nass oder trocken ist, und in den Auslaufzonen stehen verdammt viele Felsen und Bäume", ergänzt der 48-Jährige. Dennoch grinst er: "Aber es macht auch verdammt viel Spaß."

Deshalb wiederum ist man ja hier. Tatsächlich wirkt sich die Gelassenheit der Veranstaltung wohltuend auf das Gemüt der Teilnehmer aus, sonderlich großer Ehrgeiz an den Stoppuhren ist nicht zu verzeichnen.

Auch Monika und Karsten Wohlenberg, sonst ausgewiesene Spezialisten im Kampf um die Hundertstelsekunde, sehen die Sache recht entspannt und stellen den Fahrspaß mit ihrem Ferrari 212/ 225 S, 1952 übrigens italienischer Bergmeister, in den Vordergrund. "Ich wüsste keine andere Veranstaltung, bei der das Auto mehr Spaß macht", sagt Karsten Wohlenberg.

Am nächsten Tag zieht das Feld für eine Sonderprüfung um auf den benachbarten, wenige Gasstöße entfernten Salzburgring, zum Finale aber steht nochmals der Gaisberg auf dem Programm. Wie attraktiv die Strecke ist, zeigt sich auch daran, dass selbst ein altgedienter Rallye-Fuchs wie Friedrich Dauphin jeden Besuch von Salzburg nutzt, um mal eben schnell hinaufzutoben.

Dann allerdings ist die Piste im Unterschied zu heute nicht gesperrt und die Geschwindigkeit limitiert. Weshalb Mit- Organisator Thomas Matzelberger am Abend Beeilung anmahnt, um vor dem Nachtmahl noch einen weiteren Lauf hinzubekommen: "Essen kann man immer, hier Auto fahren nicht."

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