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Gallery Brummen

Familien-Angelegenheit: Erlebnis Oldtimerkauf

Foto: Beate Jeske 8 Bilder

In ihrer Gallery Brummen im gleichnamigen niederländischen Ort verkauft Nico Aldering gemeinsam mit seinem Sohn Nick klassische Automobile. Doch die Gallery Brummen ist mehr als ein gewöhnlicher Oldtimerhandel.

27.01.2011 Ulrich Bethscheider-Kieser Powered by

"Wenn der Vater mit dem Sohne ..." hieß es einst in einem Film mit Heinz Rühmann, der ab 1955 über die Kinoleinwände flimmerte und einen Titel trug, der zu einer festen Redewendung geworden ist. Ebenso erleben viele Väter im echten Leben eine ganze Menge mit ihren Söhnen - aber nur wenige arbeiten auch mit ihnen zusammen, teilen nicht nur das Privatleben, sondern auch das Berufliche miteinander.

Oldtimer-Kaufhaus in der Kleinstadt

Bei dem Niederländer Nico Aldering und seinem Sohn Nick ist das so. Der Senior begann vor gut drei Jahrzehnten mit dem Handel von Fahrzeugen. Inzwischen hat der 52-Jährige tatkräftige Unterstützung durch seinen 27-jährigen Sohn Nick. Diese Unterstützung kann er auch brauchen, denn Vater und Sohn betreiben keinen gewöhnlichen Oldtimerhandel. Man müsste schon vielmehr von einem Oldtimer-Kaufhaus sprechen, das die beiden in der niederländischen Kleinstadt Brummen geschaffen haben.

Direkt an einer Umgehungsstraße der 20.000 Einwohner zählenden Gemeinde, die gut 40 Kilometer von der deutschen Grenze nordöstlich von Arnheim in der Provinz Gelderland liegt, zieht seit dem Jahr 2000 "The Gallery Brummen" die Blicke der vorbeifahrenden Autofahrer auf sich. Große Glasflächen gewähren Einblicke in das dreistöckige Gebäude, und es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Denn das Angebot der Alderings ist schon allein in seiner Quantität beeindruckend. "Wir haben derzeit rund 280 Fahrzeuge im Angebot", erklärt Nico Aldering. Viele Sportwagen aus den unterschiedlichsten Generationen sind darunter, aber auch Alltagsklassiker und Youngtimer.

Thematisch scheinen der Gallery kaum Grenzen gesetzt, und was hier interessierten Kunden angeboten wird, hat vor allem ein Kriterium zu erfüllen: "Wir haben ausschließlich Autos, die wir selber schön finden", beteuert Nico Aldering. Und setzt nach: "Hässliche Autos verkaufen wir nicht." Wie gut, dass man sich über Geschmack streiten kann, denn so bleibt schließlich jeder zufrieden.

Über drei Jahrzehnte Vertrauen erarbeitet

Dass es tatsächlich nach dem Aldering- Verständnis nur schöne Autos in eine der drei Etagen der Gallery schaffen, dafür sorgt der Firmengründer persönlich. "Mein Vater kümmert sich fast ausschließlich um den Einkauf, ich erledige vor allem den Verkauf", erklärt Junior Nick. Rund 60 Prozent der Geschäfte werden im Ausland abgewickelt, der deutsche Markt ist für die Alderings von besonderer Bedeutung. "Viele Klassiker werden inzwischen direkt übers Internet gehandelt", berichtet Nick. "Die Kunden kaufen, ohne persönlich vorbeizukommen und vertrauen auf unsere Qualität." Letztere trägt nach Meinung des Vater- Sohn-Teams dazu bei, dass manche Klassiker es gar nicht in die Ausstellung schaffen. Denn oft genügt schon der Anruf bei guten Kunden, die ihren Fuhrpark gern kurzfristig um ein Schmuckstück erweitern.

Wer dennoch persönlich in Brummen vorbei schaut, wird zuerst auf einen Kaffee eingeladen. An dem großen, schweren Holztisch, der in der Mitte des Erdgeschosses zwischen den Oldtimern aufgebaut ist, kommt man kaum vorbei. Kaffee steht dort stets bereit.

Erlebnis Oldtimerkauf: Bistro, Boutique und Spielzeugmuseum

Doch unter dem Dach der Gallery sind nicht nur Klassiker zu finden. Im Obergeschoss können sich Gäste in einem kleinen Bistro stärken und dabei einen weiten Blick über die zahlreichen Oldtimer werfen. Gleich neben diesem Lunchroom hat Silvia Aldering, die Gattin des Firmengründers, eine Boutique für feine Hochzeitsmoden eingerichtet.
"Früher blieben die Frauen draußen im Auto sitzen, während sich die Männer ein Auto angeschaut haben", schmunzelt Nico Aldering. "Heute kommen die Damen auch gern in die Gallery." Da bleibt nur zu hoffen, dass sich die Damen zur Hochzeitsmode nicht auch noch gleich nach einem neuen Mann umschauen.

Wer weder mit Oldtimern noch mit Brautmoden etwas anfangen kann - wobei an dieser Stelle die erste Möglichkeit zumindest kaum vorstellbar ist -, der findet unter dem Dach der Gallery weitere Alternativen. Im Obergeschoss hat die Familie ein hübsches Spielzeugmuseum eingerichtet. Selbstverständlich gibt es dort zahllose historische Automodelle zu bestaunen, aber ebenso gehören Teddybären, Modelleisenbahnen, Puppen, Figuren und Tretautos zum abwechslungsreichen und sehenswerten Inventar.

Beliebter Treffpunkt für Oldie-Clubs

An Wochenenden nutzen viele Oldtimerclubs die Gallery als Start- oder Zielort ihrer Ausfahrten, und manch einer kommt sogar aus künstlerischem Interesse. Neben den Oldtimern gehören auch Kunstwerke zur Ausstellung, die im monatlichen Turnus präsentiert werden. Und dann ist da noch ein kleiner Verlag unter dem Dach der Gallery angesiedelt, in dem Nico Aldering seit einigen Jahren eine Zeitschrift für stilvolle Immobilien sowie Titel für Sportwagen und Tuning produziert.
Produktiv geht es auch in der Werkstatt zu, wo sich sechs Spezialisten um die Aufbereitung und Instandsetzung der Klassiker kümmern. Restauriert wird hier allerdings nicht. "Für gute Kunden bereiten wir hier auch Fahrzeuge für Sporteinsätze vor", sagt Nico Aldering.

Das Thema Oldtimer ist für die beiden Alderings nicht nur Geschäft. "Ich habe nichts an modernen Autos", erklärt Nico. Mit den Klassikern lebt die Erinnerung an seine Kindheit fort, als die Eltern ein Hotel besaßen. "Die Gäste kamen immer mit so schönen Autos." Auch Sohn Nick nutzt grundsätzlich einen Oldtimer als Alltagsfahrzeug. Derzeit ist es ein Jaguar Mk II, mit dem der 27- Jährige stilvoll unterwegs ist.

Die Alderings sammeln auch die kommenden Klassiker

Dennoch reicht der automobile Blick der beiden nicht nur in die Vergangenheit. In einer Lagerhalle im Industriegebiet der Kleinstadt hat das Unternehmen eine Flotte weiterer Klassiker untergebracht - teilweise, weil für diese Autos in der Gallery kein Platz vorhanden ist, teilweise aber auch, weil die Fahrzeuge ihre Zukunft als Klassiker erst noch vor sich haben. Denn ein braver Honda Accord aus den Achtzigern ist dort beispielsweise ebenfalls so kühl und trocken untergebracht wie ein skurriler Peugeot-Lieferwagen, der einst als Leichenwagen genutzt wurde.
Dass Vater Nico und Sohn Nick beruflich gemeinsame Sache machen und sich wohl dabei fühlen, ist keine Selbstverständlichkeit. Der Sohn freut sich heute darüber, dass ihm der Vater viele Freiheiten beim Erlernen des Jobs gab.

Im Denken beweisen sie ihre enge Verwandtschaft. Als sie einmal eine Oldtimer-Auktion besuchten und unabhängig voneinander Listen der Klassiker aufschrieben, die gut in die Gallery passen würden, stellten sie am Ende fest: Die Listen waren identisch. "Mein Vater ist mein bester Freund", sagt Nick. Ein besseres Kompliment kann es kaum geben, wenn der Vater mit dem Sohne ...

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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