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Garagen-Porträt Martin Rammler

Tokio Hotel beim Japan-Fan

Garagen-Porträt Foto: Augustin 17 Bilder

Er schwimmt gegen den Strom, mit Pagode oder Nullzwei kann er nichts anfangen. Autos aus Japan sind Martins Passion - je skurriler, desto lieber.

10.06.2011 Alf Cremers Powered by

Er jongliert schwerelos mit den internen Codes für Modellreihe und Motorversion, weiß alle Farbnamen samt zugehörigem Kürzel. Der erst 25 Jahre junge Martin Rammler kann selbst weit verzweigte Stammbäume wie den der Toyota Celica auswendig runterbeten. Ein solch wahnwitziges Detailwissen findet sich sonst nur bei Mercedes- und BMW-Fanatikern. 

Streichelzoo für vom Aussterben bedrohte Japaner

Doch Martin ist anders, er schwärmt für japanische Autos. Für die skurrilen Toyota, Mazda, Nissan und Mitsubishi der achtziger Jahre - eine seltene, erfrischende Obsession. Es ruiniert einen nicht, das kleine Sammler-Glück. Der übliche Klassiker-Mainstream lässt ihn kalt. Pagode, Elfer, E-Type, Nullzwei, Strichacht, Ente, Käfer. Schön und gut. Doch die sind teuer, und darum kümmern sich schon so viele. Martin betreut, bis auf den in der Szene längst etablierten frühen Toyota MR 2, die seltenen Vögel.

Er pflegt in aller Bescheidenheit eine Art Streichelzoo für treue liebenswerte Hunde, die ihr hochbetagtes Herrchen verloren haben. Ob Mitsubishi Sapporo, Mazda 929 Coupé oder Toyota Tercel - über 80 waren sie alle, die Vorbesitzer, zwei brachten es sogar auf 90 Jahre. Dabei begann alles vor sechs Jahren so harmlos und normal mit dem spielzeughaften Mittelmotor-Sportler Toyota MR 2, Martins erstem Auto. "Typ AW 11, Baujahr 86, Farbe Super- Red 3E5, Vierventilmotor 4A-GE aus dem Corolla GT 16V, der als Hecktriebler im Rallyesport erfolgreich war", sprudelt es nur so aus ihm heraus. "Leider nicht ganz original, aber mit zeitgenössischem Karosseriekit von Styleauto und ARC-Alu-Rädern", ergänzt der zuvor noch reserviert wirkende Logistikfachmann eifrig.

Prospekte schmökern in der Werkstatt-Lounge

Jetzt ist er in seinem Element, holt die bei Ebay ersteigerten alten Japaner-Prospekte aus der Plastiktüte und verteilt sie sorgfältig auf dem hölzernen Couchtisch in der Werkstatt-Lounge hinter dem MR 2 und den beiden Toyota-Tercel, silber und gold. Die fette, fast amerikanisch wirkende Supra MA 71, ein Dreiliter-Turbo mit Automatik, wartet gerade aufgebockt auf ihre Wiederbelebung. Die Celica T16 nebenan wartet auf einen Käufer. Beide Autos gehören Martins Freunden, auch sie sind begeisterte Toyota-Fans und schrauben selbst. Martin putzt dafür leidenschaftlich gern. Dem Mitsubishi-Sapporo, dem aktuellen Neuzugang auf der ewigen, ja kokett vorgeschützten Suche nach einem praktikablen Alltagswagen parallel zum Sommersportler MR 2, hat er in 40 Stunden penibler Aufbereitung zum Jahreswagenzustand verholfen. "Der Farbton heißt Sophia-White, er hatte einen tief sitzenden Grauschleier, den ich schonend rauszwingen musste." 

Auch das Light Topas des 84er Schrägheck-Automatik von einer Oma aus der Südpfalz glänzte erst nach harter Arbeit so intensiv. Trotzdem kauft Martin seine Autos gern von alten Leuten. "Sie sind gut gewartet, wurden schonend gefahren und haben eine geringe Kilometerleistung. Meist ist eine Automatik an Bord, die ich als gelassener Cruiser sehr schätze."

Made in Japan ist ein Gütesiegel

Mitsubishi Sapporo, Mazda 929 Coupé und der silberne Stufenheck-Tercel posieren im sonnenhellen Atelier des Objektkünstlers Shohe Alexander Seiler. Der Kunstdozent mit dem japanischen Erstnamen - passt ja gut, schafft märchenhaft- dämonische Skupturen mit Technikbezug. Panzer und Kriegschiff werden mit klassizistischen Architekturelementen gekreuzt. Diese Archiskulpturen, wie Shohe sie bezeichnet, verwandeln die ehemalige AEG-Elektrolux-Fertigungshalle zu einem surrealen Showroom. Martin holt, nachdem er seinen MR 2 plakativ in den Vordergrund rangiert hat, zum leidenschaftlichen Plädoyer für seine Schützlinge aus. "Japanische Technik war spätestens ab den 80er Jahren keineswegs rückständig. Von wegen Starrachse, Blattfedern und Nockenwelle tief unten. Der Stufenheck-Tercel kam ab 79 als erster Fronttriebler von Toyota mit OHC-Längsmotor wie Audi und einer aufwendigen Schräglenkerachse" verkündet er stolz - und hat recht.

Japaner sind technisch innovativ

Auch der Toyota Tercel II zeigte sich modern mit einer Doppelquerlenker-Konstruktion. So hat sein  MR 2 den ersten Vierventil-DOHC-Großserienmotor. Das Mazda 929 Coupé besticht mit serienmäßigen hinteren Scheibenbremsen und Einzelradaufhängung. Der Mitsubishi glänzt mit vorbildlicher Aerodynamik, großartigem Raumkomfort und einem bulligen, sparsamen Vierzylinder mit Ausgleichswellen. udem liebt Martin die kleinen Verspieltheiten an seinen Autos. Klappscheinwerfer und Enterprise-Cockpit beim Mazda, Bedienungssatelliten und rahmenlose Seitenscheiben beim Mitsubishi, den "chilligen" Innenraum beim Tercel. Das kleine Sammlerglück erzeugt hier eine bewunderswerte Form der Gelassenheit. Es ist frei von Zwang und Expansion. Und wenn wir sagen, einer geht noch, was wäre es dann? "Ein Nissan Laurel 2.8 Diesel, Typ C32, in Dunkelblau“, antwortet er ohne zu zögern.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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