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Gebrauchte Sportwagen - Lotus Elise und Exige

Ein Festmahl für Leichtbau-Fans

Lotus Elise, Lotus Exile, Gebrauchtwagen Foto: Rossen Gargolov 32 Bilder

Wir schauen gebrauchten Lotus Elise und Exige unter das enge Kunststoffkleid. Sind die britischen Mittelmotorautos auch im Alter noch ein Genuss?

14.12.2014 Frank Mühling Powered by

Ein grauer Montagmorgen im Herbst, Punkt 9 Uhr. Das Thermometer zeigt 9,5 Grad an, gefühlt sind es eher 6,0 Grad. Ein fieser Wind pfeift durchs Industriegebiet, links ein Supermarkt, rechts eine Baustelle. Dazu Stau und Nieselregen. Aber bei Hausnummer 69 hellen ein paar vierrädrige Farbtupfer die Stimmung auf.

Gebrauchte Lotus in Albertshausen

Lotus-Flachmänner, so weit das Auge reicht. Gebrauchte Lotus Elise und Exige in allen Formen und Farben, dazwischen ein paar unwichtige Alltagsautos. 15 Fahrzeuge auf dem Hof, und zwölf davon locker unter einer Tonne Gewicht – ja, wo gibt's denn so was? Die sport auto-Gebrauchtwagen-Checker sind keineswegs über den Ärmelkanal gejettet und beim Lotus-Headquarter in Hethel aufgeschlagen. Nein, wir befinden uns in Albershausen unweit von Göppingen.

Das automobile Schlaraffenland wird von Gerhard Hickl (Autohaus Hickl) und Rouven Wazynski (Drive Experience) bewirtschaftet – zwei ausgewiesenen Experten in Sachen gebrauchte Lotus Elise und Exige. Im Schlaraffenland fließen per definitionem bekanntlich "Milch, Honig oder Wein statt Wasser". Stimmt, VW Golf und 3er BMW haben heute Pause. Weiter: "Genießen ist die größte Tugend der Bewohner des Schlaraffenlands, harte Arbeit und Fleiß werden als Sünde betrachtet." Wir hingegen verbinden heute Genuss mit Arbeit, fahren fleißig einen Lotus nach dem anderen, schießen viele Fotos und sammeln reichlich Fakten.

Es gibt schlimmere Montage! "Was wollt ihr fahren? Mk1, Mk2, Elise oder Exige, Sauger, Kompressor, getunt oder original?", grinst Rouven Wazynski. Wir entscheiden uns für "alles, und gerne in dieser Reihenfolge". Zum Aufwärmen steht eine 97er Lotus Elise Mk1 bereit. Der schwarze Zweisitzer ist im Originalzustand. 122 PS treffen auf nur 733 Kilogramm Leergewicht – eine phänomenale Kombination.

Rover-Vierzylinder plus Getriebe sowie ein paar Hebel und Knöpfe im Interieur stammen aus der Großserie, aber sonst ist alles Lotus pur. Überflüssiges wie ABS, Airbags, Klima und Fensterheber wurden weggelassen, ganz nach Colin Chapmans Devise: "First take simplicity, then add lightness." Erst Einfachheit, dann Leichtigkeit – davon sind andere Sportwagen meilenweit entfernt.

Gebrauchte Lotus Elise Mk1 mit 122 PS

Die gebrauchte Lotus Elise Mk1 ist fürs pure Autofahren gemacht: Gas geben, bremsen, einlenken, Gas geben. Unfassbar, wie direkt der Brite agiert und reagiert. Nie haben sich 122 PS so nach 300 PS angefühlt. Dazu passt eine weitere Aussage des 1982 verstorbenen Lotus-Gründers: "Mehr Leistung macht ein Auto auf der Geraden schneller. Weniger Gewicht macht es überall schneller." Das Credo "weniger Gewicht" hört man auch am konsequenten Fehlen von Dämmstoffen, denn die gebrauchte Lotus Elise Mk1 rumpelt ungehobelt über Fugen, Rillen, Löcher und sonstige Dinge, die in einem Allerweltsauto kaum auffallen.

Das Prasseln der Steinchen in den Radkästen erinnert ebenso an echte Rennwagen wie die nervöse Lenkung und die irrwitzige Querbeschleunigung – und das trotz schmaler 195er- Vorderreifen. Was darf eine Lotus Elise Mk1 kosten? "18.000 Euro sollte man ausgeben, dafür bekommt man ein gutes Auto mit weniger als 100.000 Kilometern", so Rouven Wazynski. Wer sparen will, bekommt entweder Rechtslenker oder verbastelte Autos mit Wartungsstau, oft auch mit schlecht reparierten Unfallschäden: "Man sollte sehr aufpassen vor gerne verschwiegenen und oft miesen Umbauten zum Linkslenker."

Lotus Elise SC Mk2 mit Toyota-Vierzylinder

Zeitsprung, zwölf Jahre später, Baujahr 2009: Die graue Lotus Elise SC Mk2 mit 220 PS wird von einem kompressorbeatmeten Toyota- Vierzylinder befeuert. ABS, Airbags, Klima, Fensterheber und Cupholder im Cockpit stimmen nachdenklich: Wurden hier Chapmans Ideale auf der Komfort-Schlachtbank geopfert? Immerhin 913 Kilogramm wiegt der Zweisitzer, fast 200 Kilogramm mehr als die Ur-Elise. Doch alles ist relativ: Ein Porsche Boxster S kommt auf 1.450 Kilogramm.

Die fünf Jahre alte gebrauchte Lotus Elise SC Mk2 gibt sich geschliffener als der Beinahe-Youngtimer. Eine Mk2 ist klar alltagstauglicher: bequemer Einstieg, ein leicht zu öffnendes Verdeck, leise Fahrgeräusche, ein exaktes Getriebe, aber eben mehr Dämmstoffe, die halt auch auf die Waage drücken. Wer sie richtig fliegen lässt – und dazu verleitet der 220 PS starke Kompressormotor von Toyota absolut –, fährt über Land fast allem um die Ohren, was ein M-/AMG-/GT3-Kürzel trägt.

Okay, die Lotus Elise SC Mk2 ist eine Nuance träger beim Einlenken als die Mk1, aber wir jammern hier auf höchstem Niveau. 28.900 Euro soll der graue Roadster kosten. "Er hat zwar über 100.000 Kilometer runter, ist aber technisch top in Schuss", erläutert Gerhard Hickl.

Knapp 20.000 Euro mehr soll die mattgrüne gebrauchte Lotus Exige von 2006 mit rund 40.000 Kilometern bringen. Komotec-Tuning auf 300 PS inklusive Bremsanlage, Fahrwerk und Sportreifen – die Liste ist lang. Im Interieur dominiert der Rennsport, sogar der Innenspiegel fehlt: überflüssig, weil der fette Ladeluftkühler auf dem Motor den Blick versperrt.

Getunte Lotus Exige Mk2 klebt wie Gummi

Auf kurvigen Landstraßen klebt die Lotus Exige auf dem Asphalt wie Kaugummi im Haar. Aber aufgepasst: Der Grenzbereich ist ultraschmal. Der Motor schiebt giftig an und klingt von 4.000 bis 8.000 Touren, als wäre ein ganzes Warbird-Geschwader mit Spitfire, Mustang und Corsair hinter einem her.

So weit, so schön. Aber wo liegen die Knackpunkte bei den Fliegengewichten von der Insel? Bei der gebrauchten Lotus Elise Mk1 brechen gerne die Türaufsteller; deren Austausch gilt als extrem aufwendig. Wasser- und Heizungskühler neigen zur Leckage. Beim Rover-Motor geht häufig die Kopfdichtung über den Jordan, was eine komplette Motorüberholung nach sich zieht. Weitere Problemfelder: klemmende Drosselklappen, zu hohes Lenkungsspiel, undichte Verdecke, rostende Lampenhalter und ausgeleierte Pedale. "Lotus kann nicht mehr alle Ersatzteile liefern. Bei manchen Teilen muss man mit einem halben Jahr Lieferzeit rechnen", so Wazynski.

Umbau zum Linkslenker lohnt sich nicht

"Doch eine gut gewartete Mk1 macht nicht mehr Ärger als eine Mk2." Hier können wackelnde Sitze, klappernde Seitenfenster, kaputte Frontblinker und LED-Rückleuchten, defekte Heizungsrelais sowie schadhafte Kats beim Kompressormotor nerven. Die gebrauchten Lotus Elise und Exige Mk2 sind ab Modelljahr 2009 durch die werksseitige Qualitätsoffensive am empfehlenswertesten. ABS gibt es bei beiden Briten übrigens erst seit 2004, als die Toyota-Triebwerke jene von Rover ersetzt haben.

Von den vielen rechtsgelenkten Autos rät Hickl ab: "Überholen ist damit fast unmöglich, man sitzt zu tief. Und der Umbau zum Linkslenker lohnt nicht, er kostet bei einer Mk1 knapp 3.000 Euro, bei einer Mk2 etwa 5.500 Euro." Nicht, dass am Ende nur noch Geld für Fast Food statt für Feinkost übrig bleibt.

Eine Frage des Vertrauens

"Wenn dich dein Hinterrad überholt, weißt du, dass du in einem Lotus sitzt." Formel-1-Fahrer Graham Hills beißenden Spott zum übertriebenen Leichtbau muss heute keiner mehr für bare Münze nehmen. Aber wer sich einen gebrauchten Lotus kaufen will, sollte einen Experten zurate ziehen. Versteckte Unfallschäden wie geschweißte Alu-Rahmen sind illegal. Lotus hat hierzu keine Reparaturlösung, also kann der TÜV solche Autos stilllegen.

Bereits ab Werk gab es viele Sondermodelle. Zahlreiche Umbauten und Tuning-Autos auf dem Markt machen es schwer, die Übersicht zu behalten. Wichtig auch: Sind die Änderungen eingetragen, oder hat der Vorbesitzer eine ABE? Also: Ruhe bewahren, gut informieren und von einem Lotus-Experten helfen lassen. Gebrauchte Lotus Elise oder Exige günstig im Ausland zu kaufen kann ein Fehler sein, denn hier sind viele Blender im Umlauf. Die Ersatzteilpreise sind vom Pfundkurs und von der Bilanzsituation beim notorisch klammen Hersteller Lotus abhängig. Auch der Blick in die Foren elisecommunity.de und lotus-forum.de kann sich lohnen. Doch leider findet man hier neben Rat und Tat auch viel Halbwissen und vage Vermutungen.

Sportliche Alternativen mit Artega GT und Opel Speedster

Von dem seit 2009 gebauten Mittelmotor-Sportwagen Artega GT wurden bis zur Insolvenz nur 153 Fahrzeuge gebaut. Tolle Fahrdynamik dank knapp 1.300 Kilogramm Gewicht und 300 PS starkem VR6-Motor von VW mit DSG. Gebraucht ist der Artega GT ab 45.000 Euro zu finden. Extrem selten.

Der von 2000 bis 2005 angebotene Opel Speedster basiert technisch auf dem Lotus Elise und wurde auch in Hethel/Großbritannien gebaut. Gebrauchte Sauger mit 147 PS starten bei 12.000 Euro, die 200 PS starken Turbomodelle rangieren bei etwa 19.000 Euro. Knappes Angebot.

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