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Gebrauchter BMW 530i

Ein Achtzylinder für 750 Euro

BMW 530i, E34, Baujahr 1993 Foto: Dino Eisele 12 Bilder

Ein vorzeigbarer, technisch einwandfreier BMW 530i für nur 750 Euro - gibt's nicht? Gibt's doch. Alf Cremers hat ihn aufgespürt undlädt zur Probefahrt. Ein schöner Frühlingstag mit dem Achtzylinder wird zur Flucht in die Freiheit.

30.11.2012 Alf Cremers Powered by

Der BMW 530i (E34) steht ganz hinten neben den Reifenstapeln und dem Mercedes-Kleinbus, der als Gerätewagen dient. Runtergeregnete Blüten bedecken Dach und Hauben wie einen weißen Schleier. Die Spuren des langen Winters haben sich in schmutzigen Schlieren auf den hellen Lack gelegt. Große Niere, Doppelrohrauspuff, kein 520i.

Der BMW 530i wirkt wie ein 5er im Vorstadttuning

Bestimmt ein 525i 24V späteres Baujahr, dachte ich, nicht der Rede wert - kein Leder, keine rockige Farbe, Grau in Grau. Dafür weiße Blinker, große Niere, fiese Scheibenfolie, ein drittes Bremslicht - nein danke, also weiter. Ich hatte mich schon abgewandt, als Abdallah aus seinem Bürocontainer kam, ein groß gewachsener Mann südländischen Einschlags. Er hatte wohl mitbekommen, wie ich um den alten BMW mit den hübschen Original-Kreuzspeichenrädern herumschleiche: "530i in gutem Zustand, nicht viele Kilometer", sagt er knapp, "Achtzylinder" ergänzt er langsam und mit wissendem Unterton.

"Wie teuer ist der?" frage ich zurück und spüre instinktiv, dass ich aus der Sache nicht mehr herauskomme. "Siebenhundertfünfzig", buchstabiert Abdallah beinahe genüsslich, als wüsste er, wie wachsweich mich dieses Angebot machen würde. Er ist nicht aufdringlich, bleibt stets dezent im Hintergrund, bringt Brief und Schlüssel. Ich setze mich rein, kann "meinen" Achtzylinder in Ruhe auf mich wirken lassen. Der süßliche Geruch von Wunderbaum "Grüner Apfel" umweht meine Nase. Langsam drehe ich den Zündschlüssel 'rum, ohne den Motor zu starten. 209.761 Kilometer zeigt das orangene LCD-Display an. Immerhin, es funktioniert. Laufenlassen kommt später, erst soll mir der Wagen etwas von seiner Geschichte erzählen. Baujahr 1993, drei Vorbesitzer, zwei ältere, der dritte erst 28.

Erster moderner V8 von BMW

Ich ertappe mich dabei, den Innenraum aufzuräumen, als gehörte der Wagen schon mir. Immerhin finde ich alle drei Originalschlüssel, im Handschuhfach sogar die kleine BMW-Akku-Lampe und die komplette Servicemappe, das Kundendienstheft bis 170.000 Kilometer gestempelt. Der Wagen ist auf den zweiten Blick wirklich nicht so schlecht - innen nur schmutzig statt verwohnt. Außen wenig Rost und gut im Lack. Nur in puncto Originalität müsste ich noch nachhelfen.

Die Haube auf, der Blick fällt auf den modernen clean designten Alu-Achtzylinder vom Typ M60. Die vier Nockenwellen lassen sich unter der Plastikkuppel nur erahnen, dennoch ist BMWs erster moderner V8 ein Vierventilmotor wie aus dem Lehrbuch. Den Ölpeilstab gezogen, an dem schwarzer zäher Ahornsirup abtropft, letzter Ölwechsel bei 186.000 Kilometer. Der vernachlässigte 530i beginnt, mir trotzdem Spaß zu machen, ich erwecke den Achtzylinder mit entschlossenem Schlüsseldreh zum Leben. Fauchend und dumpf grollend legt er los, anfangs klappern die Hydro-Tassenstößel noch ein wenig, aber die Check-Control schreibt keine Horrormeldungen. Fahrstufe D, Economy-Modus, der Kies knirscht unter den 205er-M+S-Winterreifen, Marke Conti Contact.

Gleiten steht dem BMW 530i mit V8 besser als Räubern

Abdallah winkt im Rückspiegel, die Benzinuhr mahnt zum Tanken. Super Plus für 20 Euro fließt schnell rein, das wird für eine halbe Stunde Probefahrtspaß auf Münchener Ausfallstraßen reichen. Der Sound ist betörend, vor allem um 2.500/ min brabbelt der 530i unwiderstehlich, nicht seidig-soft, sondern böse. Man kann die Akustik des kleinen, drehfreudigen V8 mit dem rechten Pedal dirigieren wie eine Orgel. 50 Minuten später kann ich nicht anders, drücke Abdallah 200 Euro als Anzahlung in die Hand. Rest folgt bei Abholung. Die passiert zwei Wochen später an einem prächtigen Frühlingstag. Im Büro werden sie heute vergeblich auf mich warten. Es ist einer jener Tage, die man nicht vergisst. Ein Tag voller Unvernunft, ein Tag im Leben.

Volltanken, Fahren und sich gehen lassen, als hätte der Bordcomputer eine Taste "Sorgen aus". Meine Freizeitgestaltung gibt sich heute völlig autofixiert. Also nichts wie raus aus dem Gewühl, den Wagen auf der Landstraße endlich frei laufen lassen. Schön warmfahren, Fahrstufe 3 bei 3.500/min einlegen und dann bis 5.000 drehen lassen - das gefällt dem V8, da ist er in seinem Element. Dann surft er auf einer schubartigen Drehmomentwelle wie ein Turbo. 10,6 Liter zeigt der Bordcomputer, 120 km/h sind in D gerade einmal 2.000/min. Gleiten steht dem V8 besser als Räubern. Er wird ein Tag voller Umwege. So etwas kann man nur alleine machen oder mit seinem besten Freund. Zurück in die Stadt, der V8 fühlt sich nun frei wie der Fahrer. Staubsaugen, Waschstraße mit hingebungsvollem Handtuch-Finish. Fast Food vom Drive In. Ein paar Fotos vom neuen Achtzylinder. Sehen, hören und durch das weit geöffnete Schiebedach den Frühling riechen.

Neupreis 83.000 Mark und die unbändige Freude an abgetragenem Luxus

Mitten auf dem Kundenparkplatz des Gebrauchtwagen-Paradieses "Autowelt" kommt noch das Original-Radio Bavaria rein, der stumme moderne Alpine-Flitterkram wandert in den Kofferraum. Die weißen Blinker und die Folie muss ich noch erdulden, die lassen sich nicht einfach so rausrupfen. Doch die Musik bleibt leise, der Achtzylinder dominiert die Akustik. Ich halte nach 5er-BMW Ausschau, obwohl ich gerade einen gekauft habe. Ich bin heute darauf fixiert, finde den Wagen einfach hinreißend elegant, ohne Styling-Gags. Ein großer Wurf von BMW - komfortabel, souverän, Neupreis 83.000 Mark. Es ist viel hübscher als der schmalspurige Vorgänger, das Raumgefühl viel großzügiger. Innen umfängt er mich mit der Stilsicherheit des Gediegenen und Vertrauten. Ab 530i gibt es Nadelstreifenvelours und üppiges Holzfurnier rundum.

Eine Spur zu trocken rollt der 530i ab, er hoppelt. Die Stoßdämpfer sind wohl nicht mehr die besten. Bevor ich heimfahre und 137 Kilometer Autobahn unter die Räder nehme, kehre ich noch ins Auto-Stüberl in der Bodenseestraße ein. Hier isst man seinen Döner-Teller inmitten von Gebrauchtwagen. Mein 530i parkt vorn in der Einfahrt. Ich betrachte ihn stolz, ja geradezu verliebt, und sinniere bei einer Dose eiskalter Sprite über das Glück des ersten Besitzers und über meine unbändige Freude an abgetragenem Luxus. Acht Zylinder, 218 PS, 1.590 Kilo. Und das alles für nur eine Handvoll 50-Euro-Scheine.

Mehr Informationen zu gebrauchten BMW 5ern gibt es hier.

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