Die Serviceintervall-Anzeige leuchtet, die Prüfplakette weist auf die fällige Hauptuntersuchung hin, und auch ein Reifenwechsel steht an. Pflichtprogramm für Fahrzeughalter - das dachte sich auch der Besitzer eines fünf Jahre alten Audi A6, der ihn bei 124.257 Kilometern an die Inspektion erinnert. Fast zwei Jahre sind seit der letzten Kontrolle in der Werkstatt vergangen. Technische Probleme gibt es keine, doch nach den Vorgaben des Longlife-Service steht der Fahrzeugcheck spätestens alle 24 Monate an, wenn der Kilometerzähler nicht früher zur Inspektion rät.
Gerade 7.000 Kilometer mehr stehen inzwischen auf der Uhr, aber der Stempel im Serviceheft soll sein - fürs Gewissen und als Qualitätsmerkmal beim möglichen Verkauf. Da nicht irgendeine Werkstatt in Frage kommt, werden auf der Internetseite des Herstellers die Kontaktdaten der Vertragspartner in der Nähe gesucht. Klappt wunderbar, und mittels Online-Kontaktformular kann man gleich die Anfragen übermitteln. Praktisch, denn wie bei anderen Investitionen auch, werden mehrere Angebote eingeholt - schließlich will man vergleichen und vielleicht etwas sparen.
Motorölwechsel bei Inspektion nicht immer notwendig?
Jetzt wird es kompliziert. Theoretisch ist klar, welche Arbeiten im Rahmen der Routine-Inspektion anfallen, denn die stehen detailliert im Serviceplan. Anhand von Fahrgestellnummer und Laufleistung können die Werkstätten zudem die nötigen Aufgaben in ihrem System ermitteln. Der Laie staunt nicht schlecht, als es dann große Unterschiede bei den eingegangenen Service-Angeboten gibt. Über 450 Euro Preisdifferenz weisen allein die Rückläufe der verschiedenen Filialen des Audi Zentrums Stuttgart auf, weil sie unterschiedliche Leistungen für dieses Fahrzeug empfehlen. So wurden Motorölwechsel sowie Austausch des Staub- und Pollenfilters nicht von allen Niederlassungen eingeplant. Das sei noch nicht nötig, heißt es auf Nachfrage, und einige andere kontaktierte Werkstätten sehen das genauso.
Die offensichtliche Ersparnis ist also möglicherweise gar keine, und der Kunde muss die einzelnen Positionen noch penibler prüfen, was angesichts mancher im Werkstatt-EDV-Kauderwelsch verfassten Unterlagen schwerfällt. Vergleicht man die Preise der von Audi empfohlenen Servicepartner in der Region, so sieht man, bei welchen Posten der Kunde draufzahlt - meist sind es die Materialkosten. So variieren beispielsweise die Ölpreise zwischen 21 und 28 Euro pro Liter, aber der Arbeitsaufwand wird entsprechend angepasst. Mit der einen Hand geben, mit der anderen nehmen.
Große Preisdifferenz bei HU und AUDoch nicht nur bei der Inspektion langen die Werkstätten zu. Die alle zwei Jahre fällige Haupt- und Abgasuntersuchung gerät zur teuren Pflichtübung für den Kunden. Fast 60 Euro Preisunterschied gibt es bei den Audi-Servicepartnern um Stuttgart, obwohl ein Teil der Gebühren an externe Prüfer weitergereicht wird. Direkt bei der Dekra würde der Check-up für den Gebrauchtwagen 85,50 Euro kosten, und am günstigsten erhält man die neue Plakette beim TÜV, der für HU und AU nur 67,80 Euro berechnet. Beim teuersten Angebot ist das Doppelte zu zahlen.
Bei den Kosten für einen Räderwechsel samt Wuchten sind die Unterschiede noch eklatanter. Bis zu zwei Drittel lässt sich sparen, nimmt man aktuelle Werbeangebote wahr. Vielfach gibt es saisonbedingte Aktionspreise, die jedoch noch mehr Rechercheaufwand für Sparfüchse bedeuten. Zeitsparender ist die Entscheidung für eine Werkstatt des Vertrauens, die alle anfallenden Arbeiten zusammen erledigt, anstatt verschiedene Servicebetriebe aufzusuchen. Selbst in diesem Fall kann der A6-Besitzer über 200 Euro sparen und hat den geringsten Aufwand.
Stellt sich die Frage, ob eine freie Werkstatt viel billiger ist und weniger Fallstricke birgt? Kaum, wie das ATU-Angebot zeigt. Es ist eher unwahrscheinlich, dass es bei anderen Fabrikaten und in anderen Regionen Deutschlands anders aussieht. Oder? Wer die Mühe nicht scheut, sollte verschiedene Angebote vergleichen. Unser Versuch zeigt: Das lohnt sich immer.





