Die Abkehr von der Umkehr ist eigentlich ein logischer Umkehrschritt: 2009 - auf dem Höhepunkt der Bankenkrise - gerieten große SUV ins Fadenkreuz des Sozialneids, wurden verteufelt für XL-Abmessungen und XXL-Verbräuche. Zwei Jahre später sieht die Welt schon wieder ganz anders aus: In Deutschland ist das SUV-Segment 2011 um 22 Prozent gewachsen, auf der Rangliste der erfolgreichsten Privatkunden-Autos findet sich auf Platz 5 schon ein VW Tiguan, und dem BMW X3 verschaffte der Modellwechsel einen Absatzzuwachs von 99,8 Prozent.
Besonders verblüffend ist die Kehrtwende beim Porsche Cayenne. Vor zwei Jahren war er quasi Symbol der vom Aussterben bedrohten Geländewagen-Dinosaurier, nach dem Modellwechsel hat Porsche seinen Absatz im letzten Jahr um 46,4 Prozent auf insgesamt 59.898 Modell steigern können.
Der Run auf die großen und kleinen Offroader hat natürlich auch damit etwas zu tun, dass die Hersteller längst überfällige Hausaufgaben gemacht haben: Verbrauchsreduzierungen um bis zu 20 Prozent, Hybridvarianten, sparsame Diesel-Vierzylinder und ein gefälligeres Design machen die einst kritisierten Riesen wieder zu sozialverträglichen Begleitern. So ist auch beim Nachfolger des BMW X5 damit zu rechnen, dass die Pfunde schmelzen werden - dank eines wesentlich höheren Einsatzes von Aluminium soll der Geländegänger rund 200 Kilogramm abspecken. Zudem sorgt Feinschliff an der Aerodynamik für einen von 0,33 auf etwa 0,31 abgesenkten cW-Wert, was sich ebenfalls positiv auf den Verbrauch auswirken dürfte.
Und nach dem Mercedes ML 250 Bluetec ist hier der nächste Premium-Geländewagen reif für einen Vierzylinder-Diesel: Der nächste BMW X5 wird als xDrive 25d vom Zweiliter-Selbstzünder angetrieben, wie er bereits im 525d (218 PS) zum Einsatz kommt. Im Innenraum orientiert sich das Cockpit wieder stärker zum Fahrer hin, der von zahlreichen elektronischen Helfern unterstützt wird: Es gibt auf Wunsch ein Nachtsichtgerät mit Personenerkennung, Park- und Geschwindigkeitsassistent und einen adaptiven Tempomaten mit Stop-and-go-Funktion. Bei BMW steht also ein von langer Hand geplanter Modellwechsel an, bei der italienischen Sportwagenschmiede Lamborghini geht eher ein lang gehegter Traum in Erfüllung.
SUV von Lamborghini könnte 2015 auf den Markt kommen
Überlegungen zu einer dritten Baureihe gibt es bereits seit geraumer Zeit. Aber wie soll die aussehen? Wie eine sportliche Limousine oder ein SUV in Anlehnung an den Vorgänger LM 002? Zumindest intern scheint die Entscheidung gefallen zu sein - zugunsten eines Offroaders. Ein Lamborghini-SUV mit aggressivem, unverwechselbarem Design. Tiefer geduckt als alle anderen Geländegänger, aber mit ordentlich Bodenfreiheit und höherer Sitzposition. Man spricht von einem Auto im Fünf-Meter-Format, das auf dem modularen Längsbaukasten des VW-Konzerns basiert - also der nächsten SUV-Generation. Einen Namen haben die Italiener ihrer SUV-Kration auch schon verpasst: Als Studie wurde auf der Offroader auf der Auto China unter dem Namen Urus vorgestellt.
Das neue Modell soll natürlich auch die Marken-Gene verkörpern, beispielweise beim Thema Leichtbau. So möchte Lamborghini den leichtesten SUV im Konzern anbieten, aber mit Allradantrieb und einen rund 600 PS starken Benziner. Ein SUV-Konzept dieser Art gibt es zurzeit noch nicht. Aber intern wird das Potenzial auf rund 3.000 Kunden per annum geschätzt, die bereit sind, rund 150.000 Euro für ein solches Modell auszugeben - vornehmlich in den USA, England, Deutschland, Russland und im asiatischen Raum.
Neue Varianten vom VW Tiguan und der Audi Q-FamilieSollte der Lamborghini-SUV Ende dieses Jahres die Genehmigungshürden des Konzerns meistern, dann dürfte frühestens 2016 mit einem Produktionsbeginn zu rechnen sein. Doch das ist nicht das einzige SUV-Projekt, über das VW-Chef Martin Winterkorn entscheiden muss: In den Startlöchern stehen als neuer Tiguan-Ableger ein viertüriges Coupé, eine Langversion mit drei Sitzreihen, bei Audi die neuen Varianten Q4 und Q5 sowie bei Seat der Q3-Ableger IBX und der Bentley-SUV. Dass der intern Cajun genannte Porsche auf Basis des Q5 in Serie Macan heißen wird, steht immerhin bereits fest. Sicher ist auch: Im SUV-Segment wird es in den nächsten Jahren garantiert nicht langweilig werden.
Viele SUV-Neuheiten im Kompakt-Segment
Wer auf ein richtiges Arbeitstier für den Feld-, Wald- und Wiesen-Einsatz schielt, der sollte 2012 in Richtung der Pickups blicken. Ab Sommer fährt Mazda den BT-50 auf, Ford kontert mit dem Ranger und VW mit einer Singlecab-Version des Amarok. Es soll was geschlossenes sein? Dann dürfte der ab 2012 auch etwas geräuschärmere Euro5-Motor im Land Rover Defender eine Alternative sein.
Die größte Anzahl an SUV findet sich jedoch bei den Kompakt-Modellen wieder. Citroen, Peugeot und Mitsubishi treten 2012 als dreieiige Drillinge an. C4 Aircross nennt sich der Citroen, der ab März auf den Markt kommt. Im Juni ist der neue ASX am Start und im August soll der 4008 von Peugeot auf Kundenfang gehen.
Außerdem wird bei den Kompakten eine sportliche Version des Audi Q3 erwartet, der BMW X1 erhält ebenso ein Facelift wie der der Kia Sorento oder der Mercedes GLK zum Beispiel. Komplett neu indes tritt der Mazda CX-5 und die Neuauflage des Honda CR-V sowie der Land Rover Evoque an. Bei den ganz kleinen SUV bietet Fiat die 4x4-Variante des Panda auf, während Opel seinen SUV auf Corsa-Basis ab November 2012 anbieten wird.
Welche SUV, 4x4 und Offroader noch in den nächsten Jahren anstehen, zeigt unsere Fotoshow.






