Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Gelobtes Autoland

Deutsche Hersteller zieht es in die USA

Foto: Hans-Dieter Seufert

Die deutschen Autohersteller wollen das Land der Pick-up-Trucks und Straßenkreuzer aufrollen: Daimler, BMW und VW pumpen Milliarden in ihre US-Werke, entwickeln sogar extra Modelle für die amerikanische Kundschaft. Das ist nicht ohne Risiko.

21.10.2011 dpa

Die Chefs der deutschen Autobauer geben sich in den USA die Klinke in die Hand. BMW-Lenker Norbert Reithofer weiht das vergrößerte Werk in Spartanburg ein, sein VW-Kollege Martin Winterkorn eröffnet ein paar Monate später eine komplett neue Fabrik in Chattanooga, und Daimler-Chef Dieter Zetsche entscheidet nach einem US-Besuch, dass am Standort Tuscaloosa ein weiteres großes Modell gebaut wird.

Die USA üben auf alle drei Autogrößen eine unheimlich starke Anziehungskraft aus. Zwar verloren die Vereinigten Staaten den Titel des weltgrößten Automarkts an China, doch in der Sichtweise der deutschen Hersteller ist hier immer noch das gelobte Land. Denn bislang ist der deutsche Anteil an den Verkäufen eher mickrig - und die Luft nach oben entsprechend groß.

Dieses Jahr nur 750.000 Autos Deutschland in den USA

In den vergangenen neun Monaten wurden in den USA insgesamt 9,5 Millionen Fahrzeuge verkauft - gerade einmal 750.000 Wagen oder 8 Prozent trugen dabei ein Emblem eines deutschen Herstellers auf dem Kühlergrill. Der japanische Rivale Nissan alleine setzt schon so viele Autos ab, ganz zu schweigen von den Millionen-Stückzahlen der heimischen Platzhirsche General Motors oder Ford.

Für Autoexperte Stefan Bratzel ist klar: Die Deutschen müssen in die Vereinigten Staaten gehen, wollen sie dort künftig eine größere Rolle spielen. "Das Potenzial in den USA ist nach wie vor groß und man kann es nur richtig ausschöpfen, wenn man vor Ort ist." Ein Grund seien die Schwankungen von Dollar und Euro, die sich negativ in den Bilanzen niederschlagen können, wenn die Modelle aus Europa herübergeschafft werden.

Der Schritt über den Atlantik scheint sich in der Tat auszuzahlen: Alle deutschen Hersteller konnten zuletzt zulegen, die meisten sogar stärker als der Gesamtmarkt. Nicht einmal die Unsicherheiten durch die Schuldenkrise scheinen den Aufwärtstrend zu bremsen. "Die Nachfrage ist stabil", sagt der neue Nordamerika-Chef von BMW, Ludwig Willisch.

Eigens entwickelte USA-Modelle

Einen Mercedes, BMW, Audi oder Porsche zu fahren, gilt in den USA als schick. Die Amerikaner lieben den Gedanken, dass ihr Nobelschlitten "Autobahn proofed" ist, also auch 200 Sachen fahren könnte - selbst wenn auf dem heimischen Highway zumeist bei 65 Meilen die Stunde oder umgerechnet 100 km/h Schluss ist. Sogar der langjährige Premium-Marktführer Lexus aus Japan musste sich den Deutschen geschlagen geben.

VW wiederum als einzige deutsche Massenmarke greift die asiatische und amerikanische Konkurrenz mit eigens entwickelten Modellen wie dem US-Jetta oder dem US-Passat und attraktiven Preisen an. "Die USA sind einer der großen globalen Märkte und das wird auch so bleiben", sagt Experte Bratzel. Die Entfernungen seien weit und das öffentliche Nahverkehrssystem vergleichsweise schlecht. "Die Menschen sind auf das Auto angewiesen."

Allerdings lauern auch Risiken. "Der US-Markt ist sehr umkämpft", sagt Bratzel. Ford oder General Motors hätten sich von der Autokrise erholt. "Sie werden versuchen, die deutschen Hersteller nicht noch stärker werden zu lassen." Zudem sind die Japaner in den USA eine Macht - allen voran Toyota - und die Südkoreaner Hyundai und Kia werden immer stärker.

Autobauer müssen flexibel sein

Für Unsicherheit in den USA sorgt außerdem die hohe Verschuldung. Viele Menschen haben immer noch keinen neuen Job, seitdem sie ihren alten in der Wirtschaftskrise verloren haben. Die Arbeitslosigkeit verharrt bei 9,1 Prozent. "Die Autobauer müssen sehr flexibel sein. Man muss die Fixkosten möglichst gering halten, um auch bei Absatzeinbrüchen noch Geld verdienen zu können", sagt Bratzel.

In diesem Jahr dürften nach den Hochrechnungen des Marktforschers Autodata rund 13 Millionen Fahrzeuge in den USA verkauft werden. "Wir gehen davon aus, dass der Markt nächstes Jahr noch etwas fester sein wird", sagt BMW-Statthalter Willisch. Von den Glanzzeiten vor der Rezession können aber alle Hersteller nur träumen: Damals rollten Jahr für Jahr zwischen 16 Millionen und 17 Millionen von den Höfen der Händler. Damals waren die USA wirklich ein Auto-Schlaraffenland.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden