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Genf

Auto-Glamour im Klima-Nebel

Foto: Frank Volk 103 Bilder

Auto-Sicherheit? Ach ja, das gibt´s auch noch. Drehmomentsteigerung? Psst, nicht so laut. Flexibilität? Und die Verkündung gesteigerter PS-Zahlen findet höchstens Gnade, wenn dies mit gesenktem Verbrauch entschuldigt werden kann. Wirklich punkten kann bei den Medien in diesen Tagen des Genfer Automobilsalons nur, wer das Thema C02 vor sich her trägt.

08.03.2007 Frank Volk

Bodo Buschmann, Chef des für PS-mächtige Mercedes-Varianten berühmten Edel-Tuners Brabus und bei der Öko-Abteilung ob seiner PS-Monster eher berüchtigt, grinste so breit, dass zwischen seinen Ohren nicht mehr viel Platz blieb. Der Mann war vorbereitet auf die unvermeidlichste aller Genf-Fragen: Wie sieht es in Sachen CO2 aus? Links der V12 CLS Rocket und rechts ein 550-PS-ML 63 AMG-Bolzen namens Widestar, zupfte Buschmann schwungvoll ein Papier aus der Tasche, aufgelistet standen dort die Flottenverbräuche namhafter Hersteller. Mittendrin Brabus mit einem Wert von gemäßigten 173 Gramm je Kilometer. Des Rätsels Lösung: Das mengenmäßig wichtigste Produkt in Buschmanns Tuning-Schmiede ist das Aufhübschen des Smart Fortwo.

Bodo der Saubermann

Mit so heiterer Gelassenheit wie der Brabus-Chef konnten aber nicht alle mit dem Thema C02 umgehen. Reichlich genervt reagierten Vertreter der Premium-Sparte auf die CO2-Frage. Für zusätzliche Verunsicherung sorgten die schwachen Februar-Absatzzahlen am deutschen Markt, die in den Genf-Glamour platzten. BMW-Vertriebschef Michael Ganal dachte schon mal laut darüber nach, ob die miesen Zahlen nicht weniger mit der Mehrwertsteuer sondern mehr mit der Verbraucherverunsicherung durch die CO2-Debatte zu tun haben.

Kritische Worte wurden aber weggedrückt, insgesamt schien sich die Branche darauf verständigt zu haben, das Thema CO2 positiv anzupacken. Motto: Ja nicht weiter den Kritikern Futter geben, die insbesondere den deutschen Autoherstellern vorwerfen, das Klimathema verschlafen zu haben.

Als sei Zetsche Sympathisant der Umwelthilfe

Das führte zu bisweilen kurios anmutenden Situationen. Beispielsweise bei Mercedes. Dort parlierte und plauschte Konzernchef Dieter Zetsche zum Thema CO2 als sei er Sympathisant der Deutschen Umwelthilfe und die neue C-Klasse der neue mobile Stern am Himmel der Klimaschützer. Nun haben sie auch was hinbekommen in Stuttgart. Der Verbrauch von 6,3 Litern ist ja ein Wort für eine stattliche Limousine wie die neue C-Klasse, bei all dem Wortgeklingel aus der Kommandozentrale hätte man aber fast überhören können, dass die 166 Gramm CO2-Ausstoß ziemlich weit weg sind von den 130, respektive 120 Gramm, die auf dem politischen Forderungskatalog stehen.

GM und die "big challenge"

Seinen Auftritt in Genf nutzte General Motors-Chef Rick Wagoner gleich zu einer programmatischen Grundsatzrede in Sachen Autobau und Umweltschutz. Viel war da zu hören von "big challenge“, "technological leadership“, "climate change“, "fuel alternative“ und wie sich GM an die Spitze der Auto-Ökobewegung stellen werde und damit nicht nur der Umwelt Gutes beschert, sondern über das Umweltthema auch noch zu alter wirtschaftlicher Stärke zurück finden möchte.

Das hatte ein andere US-Konzern auch schon mal so oder ähnlich verkündet. Als Bill Ford 2001 die Nachfolge des geschassten Jacques Nasser antrat, wurde er als erster "Grüner“ an der Spitze eines Autohersteller wahlweise gefeiert oder verflucht. Inzwischen ist Bill Ford weg und die Krise noch tiefer. In Genf fielen die Verheißungen in Sachen Klima eher pflichtgemäß als richtungsweisend aus. Immerhin: die größte Produktpalette an FlexFuel Modellen hat Ford für 2008 in Europa angekündigt.

Als gäbe es das Thema Umwelt, Klimawandel und CO2 nicht, das Geschehen bei Chrysler. Dort wurde wie in guten alten Zeiten von Drehzahl und PS die in Europa junge Chrysler-Marke Dodge als Kraftpakete zum bezahlbaren Preis angekündigt. War beim Standnachbarn Mercedes der CO2-Ausstoß der neuen C-Klasse weithin sichtbar, musste man bei Chrysler schon nach den Werten suchen.

Kleinwagenhersteller wittern ihre Chance

Nicht so bei den Herstellern, die ihr Hauptgeschäft mit kleineren Autos machen. Sie wittern in der aktuellen CO2-Diskussion die große Chance auf Wachstum. Entsprechend zentral platziert waren die allgegenwärtigen Farbtabellen mit den Emissionseinstufungen von A – G. Deutschland-Geschäftsführer des Kleinwagen-Spezialisten Daihatsu, Matthias Heinz, beantwortet die Frage "entschieden mit Ja“, dass die CO2-Diskussion "die Akzeptanz der Kleinwagenklasse eindeutig anheben wird“ Beispiel Daihatsu: Vier von sechs Modellen kommen jetzt schon auf CO2-Werte zwischen 104 – 140 Gramm je Kilometer, der Daihatsu Cuore soll es mit der neuen Start-Stop-Technik, die 2008 an den Markt kommt, auf einen Wert von unter 100 g/km bringen. Da die Toyota-Tochter derzeit mit ihrem mutigen Design für Furore sorgt, sieht Heinz wirtschaftlich rosige Zeiten vor sich: Wurden 2006 13.500 Daihatsu in Deutschland verkauft, sollen es 2007 18.000 werden. Wird das Händlernetz noch weiter optimiert könnte sogar die 20.000 fallen. Eine Zahl, die Daihatsu nur 1991 überstieg.

Auch bei anderen Kleinwagenherstellern sorgt das Klima für prima Klima. Von Skoda über Citroen bis Suzuki, von Toyota über Mazda zu Smart: Überall streichen sie heraus, was sie auf der Umweltseite können. Der Sprecher eines japanischen Hersteller grinst mindestens so breit wie Bodo Buschmann. "Endlich“, sagt er, "endlich werden wir zwischen den Premium- und Luxusanbietern auf dieser Messe hier nicht mehr nur wie lästiges Unkraut wahrgenommen, sondern als Teil der automobilen Zukunft.“

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