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Gepanzerter Mercedes G Valiant

Alptraum für Panzerknacker

Mercedes G Valiant, Beschuss, Seitenansicht Foto: Dino Eisele 6 Bilder

Panzerungsspezialist Alpha Armouring behauptet, dass der Valiant auf Basis des Mercedes G Maßstäbe in puncto Beschusssicherheit setzt. Wir machen den Härtetest.

27.08.2013 René Olma

Zwei Sirenentöne sind die letzte Warnung: Gleich knallt es, und zwar gewaltig. Auf dem Gelände der "Gesellschaft für verteidigungstechnische Wirksysteme" in Schrobenhausen ist das nicht ungewöhnlich. Hier wird täglich gesprengt und geschossen. Und dennoch liegt eine Anspannung in der Luft. Denn jetzt wird sich zeigen, ob die Ankündigung von Klaus M. Ackermann, technischer Direktor des Garchinger Unternehmens Alpha Armouring, nicht doch zu selbstbewusst war.

Ziel ist nämlich sein Valiant, ein gepanzerter Mercedes G. Nicht irgendein Sonderschutzfahrzeug, sondern eine Machbarkeitsstudie der Spezialisten, für die eine Verwandlung von Toyota Landcruiser und Mercedes Geländewagen zu krisenfesten Trutzburgen auf Rädern Alltag ist. Bis zu 150 Autos werden im 30-Mann-Betrieb bei München jährlich umgerüstet.

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Reportage Gepanzerter Mercedes G Valiant Unter Beschuss
auto motor und sport 16/2013
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Sicherer als Militärfahrzeuge

Mindestens 150.000 Euro werden den Auftraggebern dafür in Rechnung gestellt, dass die Insassen vor dem Beschuss mit Sturmgewehren geschützt sind. Fachleute sprechen von der Widerstandsklasse B6. Dieses Level gilt heute als Standard bei Fahrzeugen, die in Krisengebieten eingesetzt und mittlerweile auch von manchen Autoherstellern geliefert werden.

Der rund eine Million Euro teure Valiant soll deutlich mehr Schutz bieten als im zivilen Bereich üblich: "Ziel war es, ein Level zu erreichen, das die B7-Norm weit übertrifft", erklärt Ackermann. Mancher Bundeswehr-Angehörige wäre vermutlich froh, wenn er in Afghanistan vergleichbar sicher auf Patrouillenfahrt gehen könnte.

Selbst für die Spezialisten bleibt das Erreichen einer so hohen Schutzklasse eine Herausforderung. Zumal, wenn man dem rollenden Personen-Safe das Schutzpotenzial nicht ansehen soll. Eine Außenpanzerung schied somit aus.

Gepanzerter Mercedes G wiegt 5 Tonnen

Als Basisfahrzeug dient ein G 300 CDI Professional. Abgesehen davon, dass der Offroader für Alpha Armouring ein alter Bekannter ist, erleichtert die kantige Form den Einbau der Panzerung. Gewölbtes Panzerglas etwa ist in der nötigen Stärke nicht zu bekommen. Die hohe Bodenfreiheit bietet bei Minenexplosionen einen besseren Schutz. Für den Diesel spricht neben der Verbrauchseffizienz, dass der Kraftstoff schwerer entflammbar ist. Grundsätzlich kann aber jede Motorvariante genutzt werden.

Rund fünf Tonnen bringt das Sonderschutzfahrzeug auf die Waage, allein die vier Türen sind zusammen eine Tonne schwer. Während die Außenhaut nahezu serienmäßig bleibt, wird innen aufwendig mit Panzerstählen armiert. Unter anderem muss ein zweiter Rahmen eingesetzt werden, um keine Lücken zu lassen. Über die Stärke der Metall-Panzerung oder des Glases möchte er sich nicht äußern. Nur so viel: Die Glasstärke liegt über dem gängigen Niveau von 21 bis 69 Millimetern. Was das im Ernstfall bedeutet, zeigt der Praxistest mit scharfer Munition.

Extra dafür sind Experten des Beschussamts Ulm angereist. Im Gepäck: ein Gewehr Kaliber 7,62 sowie eine für Versuchszwecke umgebaute Feldkanone. Doch nicht nur das Kaliber ist entscheidend, sondern auch die Art der Munition. Mit dem Gewehr wird ein panzerbrechendes Projektil eingesetzt, welches an Durchschlagskraft die Standard-Nato-Munition – die Maßstab für eine B6-Panzerung ist – bei Weitem übertrifft. Technisch gesehen wirkt sie mit einer hohen punktuellen Energie. Im Gegensatz dazu bringt das Geschoss aus der Kanone eine hohe Masse mit.

Wo der Unterschied liegt, zeigt ein Vergleich. Bevor der Valiant in die Schusslinie kommt, sind eine drei Zentimeter dicke Stahlplatte sowie 20 aufgereihte Autotüren das Ziel. Der Testschuss auf die Türen zeigt den Unterschied: Das panzerbrechende Projektil aus dem Gewehr durchdringt nur 14 der 20 Versuchsobjekte, dagegen ist die Wirkung des besonders massigen Projektils aus der Feldkanone weitaus verheerender: Es durchschlägt alle 20 Türen.

Bei der drei Zentimeter dicken Stahlplatte kehren sich die Verhältnisse um: Das größere Geschoss reißt zwar einen etwa zwei Zentimeter breiten Krater ins Metall, schlägt aber nicht durch. Anders die panzerbrechende Gewehrmunition: Während die Geschosshülle platt wie ein Kaugummi um die Einschussstelle klebt, zeigt ein feines Loch, dass der Kern die massive Platte durchschlagen hat.

Für Leute mit hohem Sicherheitsbedürfnis

Nun kommt der Valiant dran. Ziel sind die Scheiben, die in der Regel der Hauptangriffspunkt sind. Doch dieses Panzerglas ist besonders massiv ausgelegt, und die Seitenscheiben lassen sich nicht öffnen. Als der Valiant auf der Schießbahn steht, steigt bei Ackermann der Stresspegel. Wenn jetzt etwas schiefgeht, waren 23.000 Stunden Entwicklungsarbeit umsonst.

Die Waffen sind ausgerichtet. Jetzt müssen alle außer den Schützen in den Bunker. Viel zu groß ist die Gefahr durch Querschläger oder abplatzendes Material. Daher verbergen sich die Schützen in einer Art Dixi-Klo aus Stahlplatten. Über einen Monitor haben die Zuschauer im Bunker das Geschehen im Blick. Zwei Mal ertönt die Sirene, dann kracht es.
Als das Geschoss die Scheibe trifft, spritzen Glassplitter und Staub. Dann kann das Ergebnis besichtigt werden. In der Mitte der Scheibe hat das Projektil einen Krater hinterlassen, Risse durchziehen das dicke Glas. Vorsichtig öffnet Ackermann die Tür. Im Einschlagsbereich ist die Scheibe nach innen gewölbt, aber das Geschoss kam nicht durch.

Aufatmen. Dann wird umgebaut für den Schuss auf die vordere Seitenscheibe mit der panzerbrechenden Munition, die vorher die Stahlplatte durchschlug. Doch auch hier trotzt der Valiant dem Angriff. Nur mit dem Durchblick ist es nach dem Einschuss nicht mehr weit her. Doch selbst wenn alle Scheiben blind wären, bliebe den Insassen immer noch der Blick per Nachtsichtgerät und Rückfahrkamera nach draußen.

Weitere Sicherheitsfeatures: eine eigene Luftversorgung sowie massive Verriegelungen, die bei einer Explosion verhindern, dass die Türen aufspringen. Für mehr Geländegängigkeit als beim schon äußerst talentierten Serien-G sorgen die Portalachsen. Carbonsitze mit Fünfpunktgurten halten die Passagiere in Extremsituationen am Platz.
Die Zielgruppe für den Valiant dürfte zumindest etwas einen: ein extrem hoher Bedarf nach passiver Sicherheit.

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